Am vierten Spieltag der Ligaphase der UEFA Champions League war der FC Bayern München bei Atlético Madrid zu Gast. In einer durchaus kämpferischen, unterm Strich aber auch sehr fairen Partie ging der deutsche Rekordmeister am Ende mit 2:0 als Sieger vom Platz und sammelte dabei die Punkte sechs, sieben und acht für die Tabelle. Welcher Bayern-Profi bei dieser Partie allerdings besonders überzeugte und wer eher weniger, erfahrt ihr in der LIGABlatt-Einzelkritik.
Manuel Neuer: Wirklich viel zu tun hatte der 40-Jährige nicht, da Atlético Madrid nur selten in wirklich gefährliche Abschlusssituationen kam. Wenn die "Rojiblancos" mal aufs Tor schossen, war Manuel Neuer allerdings da. Insgesamt strahlte der Routinier im Bayern-Kasten Ruhe aus, doch seine Präzision bei den langen Bällen ließ etwas zu wünschen übrig. (Note: 3)
Konrad Laimer: Der Rechtsverteidiger der Münchner, der auch schon beim 2:2 gegen den BVB am Samstag der wohl beste Mann seines Teams war, setzte auf diese Leistung in dieser Partie sogar nochmal einen drauf, indem er nicht nur wieder endlose Kilometer abspulte, und unfassbar viele Zweikämpfe führte sowie wichtige Bälle gewann, sondern auch nach vorne immer wieder Radau machte. Gekrönt wurde der starke Auftritt des Österreichers, als er in der 74. Spielminute nach einem Zuspiel Harry Kanes das Leder kompromisslos zum 2:0 unter die Querlatte Atléticos nagelte. In der 89. Spielminute holte sich Konrad Laimer seinen wohlverdienten Applaus der mitgereisten Münchner Fans ab und wich für Ex-Istanbuler Sacha Boey. (Note: 1)
Dayot Upamecano: Der Franzose machte einmal mehr ein richtig gutes Spiel, indem er nicht nur defensiv seine Arbeit sehr seriös erledigte und Alexander Sørloth sowie Julián Alvarez das Leben schwer machte, sondern auch immer mal wieder Offensiv-Läufe startete und die Atlético-Abwehr so zusätzlich unter Druck setzte. Um ein Haar hätte der Bayern-Verteidiger auch noch ein Tor erzielt, doch scheiterte er einmal nach starker Oblak-Parade am Querbalken und hatte später Pech, als der Schiedsrichter ein erzwungenes Eigentor des Gegenspielers wegen Offensivfouls zurückpfiff. Das hätte man auch anders entscheiden können. Der einzige Makel im Spiel Upamecanos war Unterlegenheit gegenüber Alexander Sørloth in den Luftduellen. Doch konnte der Norweger dies nicht wirklich ausnutzen. (Note: 2)
Jonathan Tah: Zu Beginn hatte der deutsche Nationalspieler einige Abstimmungsschwierigkeiten mit seinen Nebenleuten und auch das Timing passte nicht immer, doch je länger die Partie ging, desto stabiler wurde der Auftritt Tahs, der ab etwa der 30. Spielminute in den Zweikämpfen nicht zu bezwingen war. (Note: 2,5)
Josip Stanišić: Der aufgrund der Personalsorgen der Münchner in der Offensive als Linksverteidiger eingesetzte Kroate war in seinem Team an diesem Abend einer der Schwächeren, der in den Zweikämpfen ab und an auf dem falschen Fuß erwischt wurde und vorne wiederum nicht unbedingt die beste Entscheidungsfindung zeigte. Trotzdem war es kein katastrophaler Auftritt des 26-Jährigen, der vor allem in der zweiten Spielhälfte wieder stabiler wurde. (Note: 3,5)
Joshua Kimmich: Als Ballverteiler im Mittelfeld war der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft praktisch überall auf dem Platz zu finden und auch an den allermeisten konstruktiven Aktionen seiner Mannschaft aktiv beteiligt. Kimmich spielte gerade in der Offensive unfassbar viele chancenkreierende Pässe und sorgte zudem durch seine Standardstärke für Gefahr. Gegen den Ball war der 31-Jährige ebenfalls sehr sicher unterwegs und unterband mehrfach gegnerische Offensivbemühungen bereits in der Entstehung. (Note: 1,5)
Tom Bischof: An der Seite Kimmichs auf der Doppelsechs war der 21-Jährige mehr für die "Drecksarbeit" verantwortlich, hielt seinem Nebenmann den Rücken frei und störte früh das gegnerische Aufbauspiel. Darüber hinaus war sehr viel unterwegs und blieb stets anspielbar. Auch mit seinen Pässen in die Schnittstellen setzte Tom Bischof seine Team-Kollegen immer wieder ein und beteiligte sich so sehr aktiv am Offensivspiel seiner Mannschaft. (Note: 2)
Michael Olise: In der ersten Halbzeit war der Neuntplatzierte des diesjährigen Ballon d’Ors noch der auffälligste Münchner, der mit Eleganz viele Bälle geschickt verarbeitete und gerade im Zusammenspiel mit Konrad Laimer gute Situationen herausspielte, jedoch tauchte er mit zunehmender Spieldauer etwas ab und andere Bayern-Kicker drängten sich in den Vordergrund. Dennoch blieb Michael Olise über volle Distanz sehr engagiert und war sich auch für Defensivaufgaben nicht zu schade. (Note: 2,5)
Lennart Karl: Der junge deutsche Nationalspieler, der sich zuletzt der öffentlichen Kritik seiner Klub-Bosse ausgesetzt gesehen hatte, ging von Beginn an sehr motiviert in die Partie und versuchte viel. Gegen den tiefen Block der "Rojiblancos" hatte der eher kleingewachsene Karl allerdings so seine Probleme und blieb mehrmals hängen, traf mal die falsche Entscheidung, oder es mangelte ihm an Präzision im Abschluss. Dennoch zahlte sich seine Hartnäckigkeit aus, als er in der 54. Spielminute eine Nachlässigkeit von Robin Le Normand im Atlético-Strafraum ausnutzte, dort die Kugel gewann und das 1:0 erzielte. Nach 67 gespielten Minuten wurde Lennart Karl dann durch Nathaniel Brown ersetzt. (Note: 2)
Alphonso Davies: Diesmal auf dem linken Flügel eingesetzt, machte der Kanadier auf seiner Seite viel Dampf und war eine stetige Anspielstation für seine Mitspieler. Trotz seiner guten Bewegungen, hatte Alphonso Davies hier und da allerdings etwas unglückliche Momente, in denen er im Passspiel nicht die nötige Seriösität an den Tag legte, was in der ersten Hälfte zu einer guten Chance für die Madrilenen führte. Wenn es allerdings um die Arbeit gegen den Ball ging, zeigte sich der 26-Jährige wieder durchaus engagiert. In der 79. Spielminute machte er dann für Kim Min-jae Platz. (Note: 3)
Harry Kane: Vergangene Woche durfte der Engländer mit der Verleihung des Ballon d’Ors noch die persönliche Krönung seiner Karriere feiern, danach war ihm das Spielglück aber nicht mehr ganz so hold, indem er nämlich gegen den BVB am Wochenende einen Elfmeter vergab und eine weitere Großchance nicht nutzen konnte. Dennoch hatte er damals noch einen Assist sammeln können. Diesen durfte sich Harry Kane auch in dieser Begegnung anrechnen lassen, als er das 2:0 von Kronrad Laimer durch einen tollen Chip-Pass vorbereitete. Davon abgesehen machte der nominelle Mittelstürmer in der Box nicht die beste Partie und vergab in der ersten Hälfte per Volley die große Chance im elften CL-Spiel infolge zu treffen und damit den Rekord von Cristiano Ronaldo zu egalisieren. Als Spielmacher wiederum, der sich fallen ließ und Bälle verteilte, konnte Kane dennoch überzeugen. (Note: 2,5)
Nathaniel Brown (ab Spielminute 68): Für Torschütze Lennart Karl in die Partie gekommen, war der gelernte Linksverteidiger einmal mehr auf der Zehnerposition zu finden, wurde aber nicht wirklich ins Spiel seiner Mannschaft eingebunden. Tatsächlich war Nathaniel Brown die meiste Zeit über kaum zu sehen, gliederte sich allerdings nahtlos ins Pressing der Bayern ein und gewann einige wichtige Zweikämpfe. (Note: 3,5)
Kim Min-jae (ab Spielminute 79): In der Schlussphase für Alphonso Davies eingewechselt, brachte der ehemalige Fenerbahçe-Spieler zusätzliche defensive Sicherheit mit und ließ dabei keine Wünsche offen, ohne großartig herauszustechen. (Note: 3)
Sacha Boey (ab Spielminute 89): Der ehemalige Galatasaray-Profi kam in den letzten Minuten für Matchwinner Konrad Laimer in die Begegnung, doch wegen der kurzen Einsatzzeit entfällt die Bewertung.
Foto: Mateo Villalba Sanchez / Getty Images

