2:3! Beşiktaş gibt Führung aus der Hand und kassiert erste Niederlage in Europa

Im Celtic Park bekam es Beşiktaş am 4. Spieltag der Europa-League-Ligaphase mit Gastgeber Celtic Glasgow zu tun. Das auf dem Papier vielversprechende Duell enttäuschte im ersten Durchgang auf ganzer Linie, um sich nach der Pause zu einem echten Spektakel zu entwickeln. Das bessere Ende erwischten dabei die Schotten, die die Partie dank drei Joker-Toren knapp mit 3:2 für sich entschieden. Die Schwarz-Weißen gingen in dieser Europapokal-Saison somit erstmals als Verlierer vom Platz.

Personell gab es für die Schwarz-Weißen vor der Partie erfreuliche Neuigkeiten, denn Kapitän Orkun Kökçü kehrte nach mehrwöchiger Verletzungspause in den Spieltagskader zurück. Der 25-Jährige saß erst einmal auf der Bank, während Fabio Miretti wegen einer Blessur an der Schulter und Ümit Akdağ rotgesperrt fehlten. BJK begann mit Nübel, Ouattara, Topçu, Agbadou, Murillo, Özcan, Olaitan, Trossard, Poku, Černý und Oh. Bei Celtic stand unter anderem Mika Baur, der unter Jürgen Klopp Anfang Oktober sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft feierte, in der Startelf.

Auf beiden Seiten viel Sand im Getriebe

Auch wenn Beşiktaş in der heimischen Süper Lig zuletzt mit einem 2:2-Unentschieden gegen Kasımpaşa hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben war, reisten die Türken mit breiter Brust nach Schottland. Dazu hatten die "Schwarzen Adler" auch allen Grund, nachdem sie in den ersten drei Europa-League-Spielen starke sieben Zähler einfahren konnten. Celtic Glasgow stand international vor dem Anpfiff durch den deutschen Schiedsrichter Sascha Stegemann hingegen noch ohne jeglichen Zähler da. Als ehemaliger Spieler vom Celtic-Erzrivalen Glasgow Rangers musste Černý von Beginn an Pfiffe des Publikums über sich ergehen lassen, Oh wurde an alter Wirkungsstätte derweil freundlich empfangen. Viel mehr Nennenswertes bot die Anfangsphase nicht, da sich beide Teams zunächst größtenteils gegenseitig neutralisierten. Einzig bei Nygrens misslungenem Abschluss in der 8. Spielminute keimte etwas Torgefahr für die Hausherren auf. Auf BJK-Seite zeigte sich der von Trainer Vincenzo Italiano überraschend in die Anfangsformation berufene Poku auf dem linken Flügel immer wieder engagiert, ohne dabei entscheidende Vorteile kreieren zu können. So dauerte es eine halbe Stunde, bis Trossard Celtic-Keeper Johnstone mit einem Versuch aus der Distanz prüfte. Aufgrund einer Abseits-Position hätte ein etwaiger Treffer des Belgiers aber ohnehin nicht gezählt. Im Spiel der Schwarz-Weißen war nun immerhin etwas mehr Tempo, doch echte Torchancen blieben bis zum Kabinengang beim Stand von 0:0 aus. Ein Schuss aufs gegnerische Gehäuse wollte im ersten Durchgang weder den Schotten noch Beşiktaş gelingen.

Olaitan trifft im Nachschuss

Die Gäste vom Bosporus kamen mit mehr Energie aus der Kabine – Poku (47.) und Trossard (48.) näherten sich dem ersten Treffer der Partie immerhin an. In der 50. Spielminute musste dann auch Nübel im BJK-Kasten nach einem Abschluss von Forrest erstmals eingreifen. Richtig Stimmung kam im oft so elektrisierenden Celtic Park währenddessen weiterhin kaum auf. Die akustische Oberhand hatten bis dato die Fans aus Istanbul inne. Wenn aus dem Spiel heraus nicht viel geht, müssen eben andere Wege her – und einen solchen fand Beşiktaş in der 54. Spielminute dank eines unnötigen Vergehens von Celtic-Rechtsverteidiger Lotomba an Poku im Strafraum, woraufhin Stegemann regelkonform auf den Punkt zeigte. Den fälligen, schwach halbhoch ausgeführten Strafstoß von Olaitan parierte Johnstone zwar zunächst, doch der Abpraller landete im hohen Bogen wieder genau vor den Füßen des Mittelfeldspielers, der im Nachschuss aus kürzester Distanz zum 1:0 für die Türken traf. In der 62. Spielminute schaltete Glasgow nach einem Ballverlust von Agbadou im Spielaufbau schnell um, ehe der erst Sekunden zuvor eingewechselte Osmand aus zentraler Position von knapp außerhalb des Strafraums abzog. Gegen den flachen, wuchtigen Schuss ins linke untere Eck war Nübel machtlos, sodass Celtic mehr oder weniger aus dem Nichts zum 1:1 ausglich. Bei einem Kopfball von Scales war der ehemalige Stuttgarter jedoch zur Stelle (67.).

Celtic entscheidet Partie spät

Die zweite Hälfte bot insgesamt viel mehr Tempo und Intensität als der lahme erste Durchgang, was in der 78. Spielminute den nächsten Treffer zur Folge hatte. Dabei setzte Osmand den ebenfalls eingewechselten Durán mit einem optimal temperierten Steckpass in Szene. Der kolumbianische Stürmer ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, indem er Nübel umkurvte und zum 2:1 für die Schotten einschob. Joker-Tore lagen nun voll im Trend und der erst nach 75 Minuten in die Partie gekommene BJK-Kapitän Kökçü setzte mit einem ansatzlosen Strahl aus der Distanz zum 2:2 ein weiteres drauf (85.). Der Schlusspunkt der verrückten zweiten Halbzeit ging allerdings wieder auf das Konto der Hausherren: Praktisch im direkten Gegenzug hatte erneut Durán den richtigen Riecher und stocherte den Ball zum 3:2-Endstand für die Mannschaft von Martin O’Neill über die Linie (87.). Durch die Niederlage bei Celtic müssen sich die "Schwarzen Adler" nach vier von acht absolvierten Europa-League-Spieltagen vorerst mit sieben Zählern begnügen. Die Top 8 ist dennoch weiterhin gut erreichbar – die Top 24 bleibt das Minimal-Ziel der Türken.

Vor der Länderspielpause muss Beşiktaş noch einmal in der Süper Lig ran, wenn die Italiano-Truppe am Sonntag den Hauptstadt-Klub Gençlerbirliği empfängt. International geht es erst am 26. November mit dem nominellen Heimspiel gegen Hapoel Be’er Sheva weiter. Aus Sicherheitsgründen wird die Partie gegen die Israelis allerdings im georgischen Batumi ausgetragen.

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