2:2! Dezimiertes Beşiktaş kann gegen Crystal Palace einen Punkt retten

Die Gäste dominieren über weite Strecken die Partie

Am Donnerstagabend empfing Beşiktaş am dritten Spieltag der Europa-League-Ligaphase Crystal Palace. In einer Partie, in der vor allem die Londoner für die meiste Zeit den Ton angaben, trennten sich beide Kontrahenten am Ende mit 2:2, wobei die "Schwarzen Adler" ab der 77. Spielminute nach einem Platzverweis von Ümit Akdağ in Unterzahl agierte. Mann des Spiels aus BJK-Sicht war dabei Joker Junior Olaitan, der nach seiner Einwechslung sehenswert das 2:2 erzielte und sein Team so aus einer Schockstarre befreite. 

Im Vergleich zur herben 0:2-Derby-Niederlage bei Trabzonspor vom Wochenende ließ Beşiktaş-Coach Vincenzo Italiano gleich achtmal personell umstellen: Abgesehen von Torhüter Alexander Nübel, Mittelfeld-Motor Fabio Miretti und Flügelmann Leandro Trossard wurde die ganze Mannschaft ausgetauscht. So bekamen anstelle von Rıdvan Yılmaz, Emirhan Topçu, Emmanuel Agbadou, Amir Murillo, Salih Özcan, Junior Olaitan, Václav Černý und Dušan Vlahović stattdessen Kassoum Ouattara, Ümit Akdağ, Tiago Djaló, Taylan Bulut, Wilfred Ndidi, Kartal Kayra Yılmaz, İlhan Fakılı und Hyeon-gyu Oh die Chance, sich zu zeigen.

Crystal Palace beginnt druckvoll 

Neben Beşiktaş hatte auch Crystal Palace am Wochenende eine bittere Niederlage einstecken müssen, als man bei Brighton & Hove Albion mit 0:5 eine Lehrstunde erteilt bekam. Dementsprechend waren die Gäste aus London erpicht darauf, zu zeigen, dass sie es auch anders können. So schlug es bereits nach knapp fünf Minuten im Kasten von Alexander Nübel ein, doch entschied der VAR am Ende auf Abseits, weshalb der Treffer nicht zählte. Dennoch waren die Engländer die bessere Mannschaft und man kam häufiger vors gegnerische Tor, obgleich man nur selten zu wirklich gefährlichen Abschlüssen kam. Hierbei hatte die BJK-Defensive vor allem Probleme, Adam Wharton, Yéremy Pino und Jean-Philippe Mateta in den Griff zu bekommen. Letzterer hatte jeweils und der 17. und der 29. Spielminute eine gute Gelegenheit, schloss aber in beiden Fällen zu überhastet ab.

Wilfred Ndidi mit der glücklichen Beşiktaş-Führung 

Es dauerte eine Weile, bis die Gastgeber so richtig einen Fuß in die Tür bekamen. Nach knapp einer halben Stunde jedoch schaffte man es zumindest, die Offensivbemühungen von Crystal Palace früh zu unterbinden, selbst hatte man allerdings keine Abschlüsse, außer den einen in der zweiten Minute der Nachspielzeit, als Wilfred Ndidi aus der Tiefe einen Lauf in die Spitze unternahm und der zwischenzeitlich für den angeschlagenen Fabio Miretti gekommene Salih Özcan einen perfekten langen Ball auf den Nigerianer spielte, der die Kugel mit rechts annahm und mit links flach ins lange Eck zum 1:0 anschloss. Dementsprechend ging es mit einer durchaus glücklichen Führung für die "Schwarzen Adler" in die Pause.

Gäste mit dem Doppelschlag direkt nach der Pause 

Das Gegentor kurz vor dem Pausenpfiff hinterließ bei Crystal Palace ordentlich Wut im Bauch, weshalb die "Eagles" nach Wiederanpfiff mit Druck nach vorne spielten, was sich bereits in der 51. Spielminute auszeichnete, als man das Spiel breit machte und Anan Khalaili eine flache Hereingabe von rechts in den BJK-Strafraum brachte, wo der starke Yéremy Pino genau richtig stand und zum 1:1 einschob. Das Gegentor hinterließ beim 16-maligen türkischen Meister durchaus Spuren und es kam zu mehreren Unkonzentriertheiten. Dies wurde in der 55. Spielminute gnadenlos bestraft, als Tiago Djaló unter Druck einen Rückpass spielen wollte, dieser aber sein Ziel verfehlte und stattdessen Jean-Philippe Mateta dazwischen spritzte und so freie Bahn aufs Tor hatte. Diese Chance ließ sich der ehemalige Mainzer natürlich nicht nehmen und nagelte das Leder mit Wucht zum 2:1 aus Gäste-Sicht unter die Latte. Für Alexander Nübel im Kasten der Istanbuler war da gar nichts zu machen.

Der eingewechselte Junior Olaitan macht das 2:2 

Trotz des Taumelns der Gastgeber versäumte Crystal Palace es, auch noch auf das dritte Tor zu gehen und damit womöglich schon alles klar zu machen. So nun ließ man Beşiktaş in der Partie, das sich schließlich schüttelte und wieder sicherer agierte. Vor allem die Einwechslung von Junior Olaitan für den unauffälligen Kartal Kayra Yılmaz kam nochmal neues Leben ins BJK-Spiel. Nach bereits einigen guten Aktionen war es dann auch der Mann aus Benin, der in der 73. Spielminute zunächst zwei Londoner aussteigen ließ, um dann aus knapp 20 Metern Torentfernung flach ins linke untere Eck abzuziehen und Gäste-Keeper Walter Benítez so auf den falschen Fuß zu erwischen, weshalb es plötzlich wieder unentschieden stand.

Beşiktaş nach Akdağ-Platzverweis in Unterzahl 

Das Momentum lag nun eigentlich auf Seiten der "Schwarzen Adler", doch war es nach 76 Minuten Innenverteidiger Ümit Akdağ, der seiner Mannschaft einen Bärendienst erwies, als er den zuvor eingewechselten Jørgen Strand Larsen völlig übermotiviert umgrätschte. Akdağ war zwar schon verwarnt, doch traf er seinen Gegenspieler so hart am Knöchel, dass er vollkommen zurecht glatt Rot sah. Der gefoulte Norweger musste im Zuge dessen tatsächlich auch verletzt ausgewechselt werden. Durch diese völlig unnötige Aktion des rumänischen Nationalspielers mussten die Istanbuler nun die Schlussphase mit einem Mann weniger überstehen.

"Schwarze Adler" retten das Ergebnis über die Zeit 

Trotz der numerischen Überzahl schafften es Crystal Palace nicht, den Druck auf BJK zu erhöhen, das nun enger zusammenrückte und ironischerweise mit einem Mann weniger deutlich besser verteidigte als mit Sollstärke. Aufgrund des Spielverlaufs und der Roten Karte war das Team von Cheftrainer Vincenzo Italiano mit dem Unentschieden am Ende natürlich zufrieden und man schaffte es auch, das Ergebnis über die Zeit zu bringen, weshalb man in der Ligaphase der Europa League nun mit sieben Punkten aus drei Spielen dasteht. Die Gäste wiederum werden sich ärgern, da hier deutlich mehr drin gewesen wäre. Als nächstes geht es für Beşiktaş in der Süper Lig weiter, wo man am Montag den Stadtrivalen Başakşehir empfängt.

Foto: X / Beşiktaş JK