Engländer wird neuer Vorsitzender des zentralen türkischen Schiedsrichterkomitees

Deutsche Fans kennen den neuen Vorsitzenden nur zu gut

Der türkische Fußballverband TFF hat am Dienstag bekanntgegeben, dass ein neuer Vorsitzender des zentralen türkischen Schiedsrichterkomitees (MHK) ernannt worden sei. Nachdem der ehemalige Vorsitzende Ferhat Gündoğdu verhaftet worden war und deswegen zurücktrat, musste der Posten neu besetzt werden. Interessanterweise ist der neue Vorsitzende kein Türke, sondern Engländer. 

Das Schiedsrichterwesen genießt im türkischen Profifußball alles andere als einen guten Ruf. Mangelnde Kompetenzen, inkonsequente und teils nicht nachvollziehbare Entscheidungen auf dem Platz und über allem schwebend zudem der schwere Wettskandal, der den türkischen Fußball seit knapp einem Jahr fest in seinen Klauen hält. Zuletzt hatte es einen neuen Tiefpunkt gegeben, nachdem die Oberstaatsanwaltschaft Istanbul gegen den damaligen Vorsitzenden des zentralen türkischen Schiedsrichterkomitees (MHK) Ferhat Gündoğdu wegen des dringenden Verdachts auf Korruption, Manipulation und unzulässiger Einflussnahme ermittelte und diesen schließlich auch festnahm. Daraus folgte der Rücktritts Gündoğdus, was nun in der Ernennung seines Nachfolgers mündete, der allerdings diesmal kein Türke ist.

Alan Taylor wird neuer MHK-Vorsitzender 

Wie die TFF am Dienstag öffentlich bekanntgab, wird der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Anthony Taylor, der bis zu diesem Jahr noch aktiv gewesen war, der neue Vorsitzende des zentralen türkischen Schiedsrichterkomitees (MHK). Taylor arbeitet bereits seit einer Weile für den türkischen Fußballverband und koordiniert unter anderem die Schiedsrichterleitung in der Süper Lig. Die Entscheidung, keinen Türken, sondern einen "Außenstehenden" als neuen Vorsitzenden zu benennen, wird unter anderem damit begründet, dass dieser unbefangen an die Sache herangehen könne und dass die jeweiligen Vereine, die oftmals im persönlichen Streit mit einigen Unparteiischen liegen, keine persönlichen Geschichten mit Taylor hätten. Neben Anthony Taylor als Vorsitzenden wurden auch noch Alan Snoddy, Igor Radojicic und Barış Şimşek in das MHK berufen, die bis dahin unter anderem in der türkischen Schiedsrichter(innen)-Ausbildung tätig waren.

Wer ist Anthony Taylor? 

Alan Taylor war von 2010 bis 2026 als Schiedsrichter in der englischen Premier League tätig und ab 2013 arbeitete er auch für die UEFA sowie für die FIFA. Im internationalen Bereich wurde Taylor unter anderem jeweils bei der Europameisterschaft 2021 und 2024 eingesetzt sowie auch bei der Weltmeisterschaft 2022 und 2024. Am 31. Mai 2023 leitete er in der Puskás Aréna von Budapest das Finale der UEFA Europa League zwischen dem FC Sevilla und der AS Rom. Deutschen Fans dürfte Anthony Taylor vor allem noch wegen dessen teils fragwürdigen Entscheidungen aus dem EM-Viertelfinale 2024 zwischen Deutschland und Spanien in Erinnerung geblieben sein, als der Engländer unter anderem in der Verlängerung ein strafbares Handspiel des Spaniers Marc Cucurella im eigenen Strafraum nicht pfiff. Deutschland kassierte kurze Zeit später das 1:2 und schied aus. Die UEFA-Schiedsrichterkommission kam nach einer internen Aufarbeitung zum Schluss, dass auf Strafstoß hätte entschieden werden müssen. Nach der WM 2026 beendete Anthony Taylor im Alter von 47 Jahren seine aktive Schiedsrichterkarriere und ist seitdem unter anderem für die TFF in beratender Funktion tätig.