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KANSAS CITY, MISSOURI - JUNE 20: Ecuador players pose for a team photograph before the FIFA World Cup 2026 Group E match between Ecuador and Curacao at Kansas City Stadium on June 20, 2026 in Kansas City, Missouri. (Photo by Charlotte Wilson/Getty Images)

WM 2026: Deutschland-Gruppengegner Ecuador in der Taktikanalyse

Defensive Stabilität und vielfältiges Positionsspiel

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Historisch gesehen hat Ecuador nicht unbedingt den Ruf, zu den absoluten Top-Nationen der Fußball-Welt, nicht einmal Südamerikas zu sein. Seit einigen Jahren tut sich aber in dem kleinen, im Andenhochland gelegenen Land etwas und der Fußball erfährt eine regelrechte Revolution. Mit einem kompromisslosen Defensivstil, gepaart mit taktischer Finesse hat es Ecuador geschafft, bei in 18 Qualifikationsspielen für diese WM gerade einmal fünf Gegentore zu kassieren. Dabei spielte man nicht etwa gegen vermeintliche Außenseiternationen, sondern gegen Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Chile & Co. und konnte sich direkt für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko qualifizieren. Nun, nach gerade mal einem Punkt aus den ersten beiden Partien, ist "La Tri" im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland zum Siegen verdammt. Was die deutsche Mannschaft hierbei wahrscheinlich erwarten wird, erfahrt ihr hier. Eine Taktikanalyse von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank. 

Die bisherige Weltmeisterschaft ist für Ecuador nicht so verlaufen, wie man es sich eigentlich vorgestellt hatte. Von vielen Experten waren die Südamerikaner im Vorfeld hinter Deutschland als zweitstärkstes Team in Gruppe E eingeschätzt worden, das bei diesem Turnier vielleicht sogar für große Überraschungen sorgen könnte. Das bisherige Ergebnis ist allerdings ernüchternd, denn in einem engen Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste unterlag man den Afrikanern aufgrund eines Gegentores in der Nachspielzeit am Ende mit 0:1, nur um danach im zweiten Gruppenspiel gegen Außenseiter Curaçao, das zuvor von Deutschland mit 1:7 zurechtgestutzt worden war, nur 0:0 zu spielen. Aufgrund dessen muss man nun gegen Deutschland gewinnen, um noch eine realistische Chance aufs Sechzehntelfinale zu haben. Ein Punkt könnte zwar unter Umständen für Platz drei in der Gruppe reichen, doch würde man mit am Ende zwei Punkten wohl kaum zu den acht besten Gruppendritten gehören. Von daher gilt es nun für Ecuador, nicht nur hinten solide zu stehen, sondern offensiv für Torgefahr zu sorgen, was seit Jahren deren größte Schwäche ist. Das Team mit dem man jedoch antritt, besitzt durchaus Qualität und ist auf einigen Positionen sogar mit Weltklasse besetzt, nur eben nicht in der Offensive.

Der WM-Kader Ecuadors 

Tor: Gonzalo Valle (LDU Quito), Moisés Ramírez (AE Kifisia), Hernán Galíndez (CA Huracán)

Abwehr: Willian Pacho (Paris Saint-Germain), Piero Hincapié (FC Arsenal), Joel Ordóñez (Club Brügge), Jackson Porozo (Club Tijuana), Félix Torres (SC Internacional), Pervis Estupiñán (AC Mailand), Yaimar Medina (KRC Genk), Angelo Preciado (Clube Atlético Mineiro)

Mittelfeld: Moisés Caicedo (FC Chelsea), Jordy Alcívar (Independiente del Valle), Denil Castillo (FC Midtjylland), Alan Franco (Clube Atlético Mineiro), Kendry Páez (CA River Plate), Pedro Vite (UNAM Pumas)

Angriff: Nilson Angulo (AFC Sunderland), Gonzalo Plata (Flamengo Rio de Janeiro), Alan Minda (Clube Atlético Mineiro), Anthony Valencia (Royal Antwerpen FC), John Yeboah (Venezia FC), Jeremy Arévalo (VfB Stuttgart), Kevin Rodríguez (Union Saint-Gilloise), Jordy Caicedo (CA Huracán), Enner Valencia (CF Pachuca)

Players to Watch

Wie schon zuvor angemerkt, liegt die große Stärke Ecuadors vor allem in der Defensive. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass man hier und im defensiven Mittelfeld einige Spieler in den eigenen Reihen hat, die auf höchstem Niveau agieren. Hier ist natürlich ein Willian Pacho zu nennen, der mit PSG als Stammspieler in der Abwehr gleich zweimal hintereinander die Champions League gewinnen konnte. Auch Ex-Leverkusener Piero Hincapié hat beim FC Arsenal eine starke Saison hinter sich, konnte mit den "Gunners" die erste englische Meisterschaft nach über 20 Jahren gewinnen und stand ebenfalls im Finale der "Königsklasse". Der größte Star Ecuadors ist dabei im defensiven Mittelfeld zu finden, denn hier ist es Moisés Caicedo, der als Verbindungsstück zwischen Defensive und Offensive fungiert und dabei wie ein Staubsauger alles beseitigt, was sich ihm nähert. Für ihn hatte der FC Chelsea vor drei Jahren 116 Millionen Euro Ablöse an Brighton & Hove Albion überwiesen. Damals fragte man sich, ob das nicht viel zu viel für einen damals 21-Jährigen war, inzwischen weiß man aber, dass Caicedo in diese Rolle hineingewachsen ist und dieser Tage als einer der besten Sechser der Welt gilt. Über diese Spieler könnte man natürlich sehr lange reden und schwärmen, doch wollen wir hier vor allem drei Spieler hervorheben, die vielleicht nicht jeder sofort auf dem Zettel hat, sie aber dennoch kennen sollte.

  • Joel Ordóñez: Der Abwehrspieler von Club Brügge ist nach Willian Pacho und Piero Hincapié die dritte Säule in der Ecuador-Defensive. Fast 1,90 Meter groß, dabei robust, aber auch erstaunlich schnell, ist der 22-Jährige in echtes physisches Monster, das nicht nur defensiv abräumt und Kopfbälle gewinnt, sondern auch progressiv verteidigt und situativ mit nach vorne geht, um für Überzahlsituationen zu sorgen. Dabei lässt er sich gerne auf die rechte Seite fallen, um für Breite zu sorgen. Tatsächlich kann Ordóñez zur Not auch Rechtsverteidiger spielen. Am besten ist er, wenn er den rechten Part in einer Dreierkette mimen kann. Durch dieses vielseitige und komplette Profil macht sich der Ecuadorianer interessant für größere Vereine und könnte Club Brügge entweder in diesem, oder spätestens im nächsten Sommer in Richtung eines europäischen Top-Klubs verlassen.

 

  • Pedro Vite: Bei Pumas UNAM in Mexiko zuhause, ist der 24-Jährige wahrscheinlich den wenigsten europäischen Fans ein Begriff, doch ebendies könnte sich bald ändern, denn sowohl nach einer erneut guten Saison in Mexiko und bereits nach vielversprechenden Momenten bei dieser WM, speziell gegen die Elfenbeinküste, könnte nun endlich der Moment gekommen sein, dass Pedro Vite den Sprung über den großen Teich wagt, um sich auch im europäischen Fußball zu etablieren. Mit gerade mal 1,72 Metern zwar klein gewachsen, ist der Mittelfeldmann allerdings durchaus robust und wendig, wobei ihm sein niedriger Körperschwerpunkt zugute kommt. Vite ist dabei ein Spielmacher der klassischen Schule, der Bälle überall auf dem Platz fordert und meist versucht, vertikal zu agieren. Dabei kann er durch Steckpässe oder Chipbälle hinter die gegnerischen Ketten regelmäßig für Gefahr sorgen. Er profitiert vor allem dann, wenn er schnelle Spieler auf den Außenpositionen neben sich hat, die er schicken kann. Dabei kann er auch vor allem gute lange Bälle spielen und somit Konter einleiten. Da es Ecuador allgemein an Torgefahr mangelt, wird man vor allem auf Vites Kreativität angewiesen sein.

 

  • John Yeboah: Mit 26 Jahren eigentlich schon fast zu alt, um noch ein "Break Out Star" bei dieser WM zu werden, doch hat der gebürtige Hamburger bereits jetzt gezeigt, dass er zu mehr berufen sein könnte, als in der zweiten italienischen Liga zu kicken. Dort konnte er bei Venezia FC übrigens in der abgelaufenen Saison zehn Tore und zehn Vorlagen beisteuern und seinem Team somit zum direkten Aufstieg in die Serie A verhelfen. Yeboah ist ein unfassbar fleißiger Spieler, der seine Gegner früh anläuft und zu Fehlern zwingt, um dann sehr überlegte Pässe auf seine besser postierten Kollegen zu spielen und so Torraumszenen einzuleiten. Gleichzeitig ein klassischer Dribbler als auch ein Flügelspielmacher hat der 26-Jährige viele Wege, um das Offensivspiel seiner Mannschaft zu bereichern. Zudem darf man auch seine Torgefahr nicht unterschätzen, denn John Yeboah hat das Talent, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein und vor allem zweite Bälle zu verwerten, wobei es ihm nicht am Selbstvertrauen mangelt. Diese Weltmeisterschaft kann nun für den Sohn eines ghanaischen Vaters und einer ecuadorianischen Mutter die Chance sein, um sich vielleicht noch für einen Wechsel zu einem etablierten Erstligisten zu empfehlen. Vielleicht wäre er ja auch etwas für die großen Istanbuler Klubs in der Süper Lig.

So könnte Ecuador spielen 

Kader-Tool: fotmob.com 

Ecuador-Trainer Sebastián Beccacece variiert gerne zwischen Dreier- und Viererkette und passt sich situativ auf den Gegner an. Da man gegen Deutschland Tore schießen muss, um zu gewinnen, ist von einem prinzipiell eher offensiven Ansatz auszugehen, der aber vor allem nach einer etwaigen Führung schnell zu einem tiefen Block wechseln kann. Zuletzt war Ecuador im nominellen 4-4-2-System angetreten, mit Piero Hincapíe als Linksverteidiger. Das kann dieser zwar spielen, ist aber am besten auf der linken Halbverteidigerposition. Joel Ordóñez wiederum floriert am meisten als rechter Part einer Dreierkette. Auf der rechten Seite wird wahrscheinlich wieder Alan Franco starten, der das jeweils deutlich besser gemacht hatte als dessen Alternative Angelo Preciado. Eigentlich ein Sechser, schiebt Franco gerne hoch, um das Mittelfeld zu unterstützen. Dadurch erlaubt er es wiederum John Yeboah nach vorne zu gehen und den Zehnerraum zu besetzen, um hier dann entweder Steckpässe zu spielen, oder auf zweite Bälle zu lauern. So wird aus dem 4-4-2 schnell mal im eigenen Ballbesitz ein 3-4-1-2, wobei in der Spitze Gonzalo Plata situativ nach Außen zieht, um die Breite zu halten, während der ehemaliger Fenerbahçe-Stürmer Enner Valencia die Box besetzt. Besonders viel Arbeit kommt hierbei auf den linken Schienenspieler Pervis Estupiñán zu, der offensiv gelegentlich als zusätzlicher Flügel und als Gegenpart zu Gonzalo Plata agieren muss – dann spielt Ecuador effektiv in einem 4-2-1-3-System – oder nach hinten arbeitet, um die Defensive zu unterstützen. Dann Spielt Ecuador entweder hinten mit einer Viererkette, mit Joel Ordóñez auf rechts und Pervis Estupiñán auf links, oder gar mit einer Fünferkette, wenn Alan Franco wieder den Rechtsverteidiger mimt. Im Mittelfeld ist Moisés Caicedo der deutlich defensiv orientiertere Part, der sich zur Not auch mal zwischen die Innenverteidiger fallen lässt, um defensiv auszuhelfen. Pedro Vite ist auf der anderen Seite dafür verantwortlich, die vertikalen Pässe zu spielen und die ecuadorianische Offensive zu diktieren. Vom Profil her ergänzen sich die beiden zentralen Spieler also eigentlich sehr gut. Einen richtigen Ballschlepper, wie es Felix Nmecha bei Deutschland ist, hat man nicht.

Trotz des variablen Positionsspiels muss man aber ganz klar sagen, dass Ecuador offensiv wirklich nicht besonders gut ist. Dass man bei dieser WM noch kein Tor geschossen hat, nicht einmal gegen Curaçao ist kein Zufall. In der WM-Quali, in der man in 18 Spielen ja nur fünf Gegentore kassiert hatte, konnte man selbst insgesamt nur 21 Mal treffen. Die beiden deutlichsten Siege waren dabei jeweils gegen Bolivien, wobei man einmal mit 3:1 und einmal mit 4:0 gewann – bei letzterem spielte Bolivien ab der 24. Spielminute in Unterzahl. Insgesamt spielte man in der WM-Quali achtmal 0:0. Rekordtorschütze Enner Valencia, der in 107 Länderspielen bislang immerhin 49 Treffer erzielen konnte, ist mit seinen 36 Jahren einfach nicht mehr auf der Höhe seines Schaffens, auch wenn er noch immer über einen guten Torriecher verfügt. Wird der Mittelstürmer von ein bis zwei robusten Innenverteidigern bedrängt, ist er schnell aus dem Spiel exkludiert. Gonzalo Plata ist dabei kein Torjäger und John Yeboah fehlt es trotz seiner guten Anlagen an der Kaltschnäuzigkeit und bekommt schnell Probleme, wenn es mal körperlich wird. Defensiv wiederum profitiert Ecuador natürlich durch den Dreier-Abwehrblock bestehend aus Piero Hincapié, Willian Pacho und Joel Ordóñez, mit Moisés Caicedo als Abräumer davor, doch über die Außen ist man weiterhin anfällig, vor allem wenn es schnell geht. Yan Diomande hatte dies im ersten Gruppenspiel zwischen der Elfenbeinküste und Ecuador eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ein Leroy Sané der den Tiefgang sucht, oder ein Kai Havertz, der sich immer wieder auf den Flügel fallen lässt, könnten so durchaus zu ihren Chancen kommen. Durch die Mitte wird es allerdings schwierig. Ob ein Deniz Undav die gleichen Räume in der Box bekommen würde wie gegen Curaçao, oder die Elfenbeinküste, ist fraglich.

Foto: Charlotte Wilson / Getty Images