Mit FIFA World Cup: Launch Edition ist das erste offizielle FIFA-Spiel nach dem Ende der langjährigen Partnerschaft mit EA Sports erschienen. Der Titel läuft exklusiv über Netflix Games, nutzt das Smartphone als Controller und soll vor allem leicht zugänglich sein. Genau das funktioniert im Test tatsächlich schnell. Viel mehr aber leider nicht. LIGABlatt-Redakteur Jan-Niklas hat sich das Spiel angeschaut und für euch ausprobiert.
Netflix Games und die FIFA betonten in ihren Pressemitteilungen vor allem die Zugänglichkeit, den unkomplizierten Einstieg und die Couch-Tauglichkeit des Spiels: Fernseher einschalten, QR-Code scannen, Smartphone verbinden, Mannschaft auswählen und losspielen.
Zwischen Partyspiel und Ernüchterung
Der Einstieg ist simpel. Spiel über Netflix Games starten, QR-Code mit dem Smartphone scannen und das Handy als Controller verwenden, und nach wenigen Augenblicken steht man auf dem virtuellen Platz. Gerade für Menschen, die sonst kaum Videospiele spielen, ist diese niedrige Einstiegshürde nachvollziehbar. FIFA und Netflix setzen offensichtlich nicht auf eine klassische Fußballsimulation, sondern auf ein unkompliziertes Wohnzimmer-Erlebnis. Das Problem: Nach dem einfachen Start bleibt spielerisch zu wenig übrig.
Einfacher Zugang, schwaches Spielgefühl
FIFA World Cup: Launch Edition wirkt weniger wie ein offizielles Spiel zur größten Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte, sondern eher wie ein kleines Begleitprodukt. Die Steuerung über das Smartphone ist leicht verständlich, fühlt sich aber schnell begrenzt an. Passen, Schießen und Bewegen funktionieren grundsätzlich, erzeugen aber kaum das Gefühl, wirklich Kontrolle über ein Fußballspiel zu haben.
Auch auf dem Platz fehlt es an Tiefe. Die Partien wirken schnell vorhersehbar, die künstliche Intelligenz überzeugt kaum und echte taktische Möglichkeiten sind kaum vorhanden. Besonders erfahrene Fußball-Gamer dürften schnell merken, dass hier nicht der Versuch unternommen wurde, EA Sports FC ernsthaft herauszufordern. Das muss ein Netflix-Spiel auch nicht zwingend tun. Nur trägt dieser Titel eben die offizielle FIFA-WM-Marke und genau dadurch entsteht ein anderer Anspruch.
Offizielle Lizenz, aber kein großes WM-Gefühl
Auf dem Papier bringt FIFA World Cup: Launch Edition einiges mit. Alle 48 Teilnehmer der Weltmeisterschaft 2026 sind enthalten, dazu alle 16 Turnierstadien und mehr als 1.200 Spieler aus dem Umfeld der Mannschaften. Das klingt nach einem großen offiziellen WM-Paket. Im Spiel selbst kommt dieses Gefühl aber nur bedingt an. Die Präsentation bleibt schlicht, die Optik wirkt nicht zeitgemäß und der Kommentar fügt sich nicht immer sauber ins Geschehen ein. Statt großer Turnieratmosphäre entsteht eher der Eindruck eines schnellen Partyspiels, das sehr bewusst auf einfache Bedienung getrimmt wurde. Für eine kurze Runde mit Freunden oder den Kindern mag das funktionieren, doch als offizielles digitales Begleitspiel zur größten WM aller Zeiten ist das enttäuschend wenig.
Kein Ersatz für EA Sports FC
Besonders deutlich wird das im Vergleich zu EA Sports FC. Nach der Trennung von FIFA und EA liegt die offizielle WM-Marke nun nicht mehr beim bekannten Fußballsimulator. EA bietet mit EA Sports FC weiterhin das deutlich umfangreichere Spielgefühl, während FIFA ihre Marke über neue Partner und Plattformen sichtbar machen will. FIFA World Cup: Launch Edition zeigt diesen neuen Weg sehr deutlich. Der Titel ist zugänglich, schnell gestartet und auf ein breites Publikum ausgelegt. Aber aus Benutzerfreundlichkeit wird hier keine echte Stärke, sondern eher eine Ausrede für fehlende Tiefe.
Als offizielles Begleitspiel zur größten Fußball-WM aller Zeiten bleibt der Titel daher deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die einfache Smartphone-Steuerung senkt zwar die Einstiegshürde, ersetzt jedoch keine spielerische Tiefe, keine starke Präsentation und kein echtes Turniergefühl. Gerade nach dem Ende der FIFA-EA-Partnerschaft hätte dieses Projekt zeigen können, wohin die FIFA im Gaming-Bereich will. Im aktuellen Zustand wirkt es eher wie ein WM-Nebenprodukt aus Plastik als wie ein würdiger Neustart.
Foto: inside.fifa.com
