Deutscher WM-Kader: So nominiert LIGABlatt-Redakteur Ove

Bringt das Leistungsprinzip zurück!

Wie schon bei der türkischen Nationalmannschaft wirft die LIGABlatt-Redaktion auch ein Auge auf die anstehende Nominierung für den DFB-Kader bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Hier nun stellt LIGABlatt-Redakteur Ove seinen persönlichen Deutschland-Kader für die anstehende WM vor, begründet seine vielleicht etwas kontroverseren Entscheidungen und liefert euch eine Startelf, wie er sie gerne sehen würde. 

Bald schon wird Bundestrainer Julian Nagelsmann den vorläufigen WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft bekanntgeben, und egal, was er macht, Ein Großteil der über 80 Millionen Bundestrainer wird unzufrieden sein, weil sie es ja bekanntlich besser wissen. Nun, ich würde zwar nicht von mir behaupten, es besser zu wissen, aber ich hätte zumindest eine klare Vorstellung davon, wie ich den DFB-Kader zusammenstellen würde, auch wenn ich weiß, dass ich bei einigen Personalien die Dinge anders sehe als der Bundestrainer. Aber dies soll ja keine Prognose sein, wen der Bundestrainer alles mitnehmen wird, sondern meine persönliche Kader-Nominierung für die anstehende Weltmeisterschaft. Dabei folge ich persönlich der Divise, nach einer Mischung aus Leistung und Perspektive im Gegensatz zu persönlichen Befindlichkeiten und vergangenen Erfolgen zu nominieren.

Ove’s Deutschland-WM-Kader 

Tor: Oliver Baumann, Noah Atobolu, Jonas Urbig

Abwehr: Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck, Malick Thiaw, Yann Aurel Bisseck, Waldemar Anton, Nathaniel Brown, David Raum, Ridle Baku

Mittelfeld: Aleksandar Pavlović, Angelo Stiller, Anton Stach, Felix Nmecha, Jamal Musiala, Florian Wirtz, Lennart Karl, Tom Bischof

Angriff: Kai Havertz, Deniz Undav, Nick Woltemade, Said El Mala, Maximilian Beier, Jamie Leweling

Kaderüberraschungen 

Bei praktisch jeder Weltmeisterschaft gibt es auch ein, zwei oder gar drei Spieler, die vielleicht nicht jeder so auf dem Schirm hatte, die dann aber dennoch überraschend für den WM-Kader nominiert werden. In Zeiten von Social Media überrascht zwar nichts mehr so richtig, aber dennoch gibt es einige Spieler, die zuletzt sowohl bei den Kader-Nominierungen der letzten Deutschland-Spiele als auch in den Medien weniger im Fokus standen, es aber eigentlich verdient hätten, mitzufahren. Für mich persönlich wären dies Spieler wie Noah Atobolu, Yann Aurel Bisseck, Tom Bischof, und Maximilian Beier, die bei mir jeweils den Vorzug vor Alexander Nübel, Antonio Rüdiger, Leon Goretzka und Leroy Sané bekämen.

Kein Neuer, dafür junge Ersatzkeeper 

Zuletzt hieß es in den Medien vermehrt, dass Julian Nagelsmann Manuel Neuer für die WM als neue/alte Nummer eins zurückholen will. Bei mir wird dies nicht passieren: Einerseits wäre dies Oliver Baumann gegenüber, der sich rein gar nichts vorzuwerfen hat, einfach gemein und andererseits hat Neuer über die gesamte Saison gesehen diese Nominierung durch Leistungen nicht rechtfertigen können. Noah Atobolu hingegen hat beim SC Freiburg eine starke Saison gespielt und insgesamt einfach besser performt als ein Neuer bei den Bayern oder ein Alexander Nübel beim VfB Stuttgart. Da dies aufgrund des Alters wahrscheinlich das einzige große Turnier von Oliver Baumann als deutsche Nummer eins bleiben wird (zumindest bei mir), sollte man sich auch schon auf die Zeit danach vorbereiten und die Zukunft zwischen den DFB-Pfosten gehört: Einerseits Noah Atoblolu und andererseits Bayern-Ersatztorhüter Jonas Urbig, der in der Rückrunde sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League gezeigt hat, über welch ein komplettes Paket er bereits jetzt verfügt. Um Erfahrungen für zukünftige Turniere zu sammeln, sollte der 22-Jährige daher bereits jetzt als Nummer drei mitgenommen werden.

Antonio Rüdiger bleibt zuhause 

Antonio Rüdiger hat bei Real Madrid insgesamt keine gute Saison gespielt und viel zuletzt eher durch Skandale und disziplinäre Unzulänglichkeiten auf. Leistungstechnisch hat sich der 33-Jährige somit nicht für die WM empfohlen. Bei Inter Mailand in Italien hingegen bringt Yann Aurel Bisseck regelmäßig gute Leistungen. Dabei bietet der 25-Jährige ein spannendes Profil, da er in einer Dreierkette sehr gut die Rolle des rechten Halbverteidigers einnehmen kann, während er in einer Viererkette sowohl als Innenverteidiger als auch als Rechtsverteidiger agieren kann. Eine solche Vielseitigkeit, gepaart mit einer guten Technik und einer Größe von 1,96 m bringt im deutschen Aufgebot ansonsten einfach keiner mit. Für die Kaderbreite und besondere Momente sollte der 25-Jährige daher auf jeden Fall mit.

Tom Bischof bekommt den Vorzug vor Leon Goretzka 

Im Mittelfeld sollte Tom Bischof als Multifunktionswerkzeug mitgenommen werden, der sowohl auf der Sechs, auf der Acht, auf der Zehn oder sogar als Außenverteidiger spielen kann und bei Bayern eigentlich immer, wenn er gespielt hat, überzeugen konnte. Zudem hat der 20-Jährige sowohl mit dem linken als auch mit dem rechten Fuß enorme Abschlussqualitäten aus der zweiten Reihe, die ein taktisches Mittel sein könnten. Dieser würde anstelle von Leon Goretzka mitkommen, der zwar keine schlechte Saison gespielt hat, aber auch nicht regelmäßig eingesetzt wurde und nicht über eine solche Vielseitigkeit verfügt. Das physisch durchsetzungsfähige und kopfballstarke Profil, das ein Julian Nagelsmann in Goretzka sieht, bringt auch ein Anton Stach mit, der vor allem in Sachen Zweikampfhärte und defensive Sicherheit noch einmal besser ist als der 69-malige deutsche Nationalspieler.

Maximilian Beier statt Leroy Sané 

Vorne wiederum sollte nach dem Ausfall von Serge Gnabry auf jeden Fall Said El Mala mitkommen, der vor allem durch seine Zielstrebigkeit vor dem gegnerischen Tor und seine Qualitäten als Joker ideal für die zweite Reihe wäre, der reinkommen könnte, sollte es in den letzten 30 Minuten noch einmal eng werden. Ansonsten sollte auch ein Maximilian Beier mitkommen. Dieser konnte in der laufenden Bundesliga-Saison neun Tore erzielen und neun weitere vorbereiten und zeigt damit seine Vielseitigkeit, sowohl im Zentrum als auch auf den Flügeln agieren zu können, wo er vor allem mit seinem enormen Tempo noch einmal eine echte Waffe sein könnte. Bei einem Lennart Karl dürfte durch seine Eins-gegen-Eins-Stärke die Sachlage klar sein, während Galatasaray-Star Leroy Sané in dieser Saison einfach nicht so performen konnte, wie man es sich von ihm erhofft hätte.

So würde Ove aufstellen 

Deutschland hat zuletzt in einem 4-2-3-1 aufgestellt und ich würde das so beibehalten. Hierbei würde ich schauen, dass die jeweiligen Spieler primär entsprechend ihrer Stärken im Verein eingesetzt werden. Dies funktioniert aber am besten, indem man auf einen fluiden Spielstil setzt, der situativ zwischen den jeweiligen Formationen wechseln kann. Das 4-2-3-1 mit den hier ausgewählten Spielern ist dafür die ideale Ausgangsschablone, da man durch simple Bewegungen schnell ein 4-2-2-2 oder ein 3-2-3-2 hätte. Hierfür müssen von den grundlegenden Spielanlagen her die richtigen Synergien auf dem Platz stehen. Dabei sollte das System über der individuellen Klasse stehen.

Kader-Tool: fotmob.com 

Taktisches Konzept 

Bei mir wäre Joshua Kimmich ebenfalls als Rechtsverteidiger gesetzt. Um aber dessen Ausflüge ins Mittelfeld aufzufangen, braucht es einen Part, der sich aus dem Mittelfeld zur Absicherung zwischen die Ketten fallen lassen kann. Ein Felix Nmecha kann das zwar, hat beim BVB aber in dieser Saison eher offensiv gespielt, weshalb – zumindest gegen Gegner, die vor allem auf Umschaltfußball setzen – hier bei mir an der Seite von Aleksandar Pavlović Anton Stach als defensiverer der beiden Sechser gesetzt wäre. So hätte man einen defensiven Sechser auf dem Platz und kann situativ das bayrische Mittelfeld-Duo Kimmich Pavlović zusammen agieren lassen. Wenn gleichzeitig ein David Raum links hochschiebt, um einen Florian Wirtz Ausflüge in die Mitte zu erlauben, hätte man so eine Dreierkette, was wiederum Nico Schlotterbeck beim Spielaufbau in die Karten spielt, da er bei Borussia Dortmund als linker Part einer Dreierkette am besten funktioniert und so seine Diagonalbälle schlagen kann. Bei Anton Stach könnte sich die Sachlage schnell ändern, da er sich im letzten Spiel für Leeds verletzt hat und eine Diagnose noch fehlt.

Vorne ist auf der linken Seite als inverser Spieler Florian Wirtz gesetzt, der von David Raum unterstütz wird, während rechts wegen seiner Dribbling-Qualitäten Lennart Karl spielt. Jamal Musiala ist nach seiner langen Verletzung in seinen Leistungen noch zu schwankend, weshalb er nicht in der Startelf steht, aber von der Bank natürlich ordentlich Qualität mitbringen kann. Im Sturm wiederum rotieren bei mir Kai Havertz als der Part, der die Läufe hinter die Ketten macht, situativ auf den Flügel ausweicht und auch mal den Ball mit seiner guten Technik halten kann, während Deniz Undav – wie aktuell auch beim VfB Stuttgart – aus der Tiefe kommt, um den Abschluss zu suchen. Daran hat die deutsche Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren gekrankt, dass man zu selten jemanden auf dem Platz hatte, der einfach mal kompromisslos aufs Tor schießt, anstatt lieber zum Mitspieler zu passen. Mit Undav, der in dieser Spielzeit immerhin 25 Tore erzielen konnte, wäre eine solche Gier auf Tore zumindest gegeben. Mit seinen 14 Assists hat er zudem bewiesen, dass er am besten funktioniert, wenn er vorne im Sturm einen Partner hat, was hier eben Kai Havertz wäre.

Wenn euch diese Kader-Nominierungen der LIGABlatt-Redakteure gefallen, seien euch die jeweiligen Türkei-Nominierungen von Mario, Jan-Niklas und Ove empfohlen, wo sie sich jeweils den Hut von Türkei-Trainer Vincenzo Montella einmal aufgesetzt haben. Inzwischen hat dieser auch schon offiziell seinen vorläufigen WM-Kader bekanntgegeben.

Foto: KI-generiert