Wett-Razzia im türkischen Fußball: 19 Klubfunktionäre unter Verdacht

Im türkischen Fußball ist eine weitere Welle der Ermittlungen wegen mutmaßlicher Wettverstöße angelaufen. Gegen 19 Funktionäre aus den Profiligen wurde die vorläufige Festnahme angeordnet. Unter den Betroffenen befinden sich auch Personen, die für Beşiktaş und Galatasaray tätig waren. 17 Verdächtige wurden bereits festgenommen, zwei sollen sich im Ausland befinden.

Die türkischen Behörden gehen erneut gegen mutmaßliche Unregelmäßigkeiten im Profifußball vor. Am Freitagmorgen fanden in Istanbul und neun weiteren Provinzen zeitgleiche Einsätze statt. Nach Angaben von Justizminister Akın Gürlek richtet sich das Verfahren gegen 19 Personen, die als Funktionäre bei Vereinen aus den professionellen Ligen tätig waren. Die Ermittlungen werden von der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft koordiniert. Grundlage sind unter anderem Daten verschiedener legaler Wettplattformen aus den Jahren 2020 bis 2026. Zusätzlich wurden Finanzanalysen der türkischen Behörde MASAK ausgewertet.

Wetten gegen den eigenen Verein

Den Verdächtigen wird vorgeworfen, während ihrer Tätigkeit als Vereinsfunktionäre Wetten auf Spiele ihrer eigenen Klubs abgeschlossen zu haben. Dabei soll es unter anderem um Tipps auf den jeweiligen Gegner, Torwetten sowie spielerbezogene Wetten gegangen sein. Die mit Abstand höchsten Zahlen werden zwei ehemaligen Funktionären von Beşiktaş zugeschrieben. Tolga Kırgız soll nach Einschätzung der Ermittler 1.488 entsprechende Wettscheine gespielt haben. Bei Kerem Gürel ist von 996 Scheinen die Rede. Ahmet Akçelik, der ebenfalls Beşiktaş zugeordnet wird, soll 53 solcher Wetten abgeschlossen haben. Auch Maruf Güneş, der für Galatasaray tätig gewesen sein soll, steht auf der Liste. Ihm werden 48 Wettscheine im Zusammenhang mit Spielen seines eigenen Vereins vorgeworfen.

Boluspor gleich viermal betroffen

Besonders häufig ist außerdem Boluspor vertreten. Gegen Murat Şabablı, Ali Şen, Halil İbrahim Yavaş und Ali Gürsoy wird ermittelt. Die Behörden gehen bei den vier Funktionären von insgesamt 124 entsprechenden Wettscheinen aus. Bei Ünsal Yamaner von Bandırmaspor sollen es 144 Scheine gewesen sein. Avni Akdemir, der Erzurumspor zugeordnet wird, soll sogar 218 Wetten abgeschlossen haben. Auf der Liste stehen außerdem Ali Sancak von Adana Demirspor, Savaş Tatil von Adanaspor, Hasan Turan Güven von Altay, Barış Orhunbilge von Altınordu und Kemal Aydın von Balıkesirspor. Hinzu kommen Hüseyin Gözütok von Bodrum FK, Özgür Durşen und Sezgin Özkan von Gençlerbirliği sowie Ömer Çetin von Karaman FK.

17 Verdächtige bereits festgenommen

Bei den Einsätzen am 17. Juli wurden nach Angaben der Polizei 17 der 19 gesuchten Personen festgenommen. Zwei weitere Verdächtige sollen sich derzeit im Ausland aufhalten. Justizminister Gürlek erklärte, dass die Untersuchungen zum Schutz der Glaubwürdigkeit des Sports konsequent fortgesetzt würden. Verdächtige Strukturen und Handlungen, die Zweifel an der Integrität des Fußballs aufkommen lassen, sollten vollständig aufgeklärt werden. Ob und gegen welche Personen später Anklage erhoben wird, ist noch offen. Bei allen genannten Funktionären handelt es sich bislang um Verdächtige. Es gilt demnach die Unschuldsvermutung.