Aus der Traum! Zum dritten Mal hintereinander scheitert die deutsche Nationalmannschaft sehr früh in einem WM-Turnier – diesmal zwar nicht in der Gruppenphase, dafür im Sechzehntelfinale im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Eine solche Serie peinlicher Turnierauftritte über fast ein Jahrzehnt hinweg sind kein Zufall und fordern Konsequenzen von der Spielergeneration, die wohl oder übel das Gesicht dieses Misserfolgs sind. Von daher wäre es nun das Richtige von der Generation Kimmich, Goretzka & Co. geschlossen zurückzutreten. Ein Kommentar von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank.
Es ist dieser Tage, oder bessergesagt, dieser Jahre, nicht leicht, Fan der deutschen Nationalmannschaft zu sein. Nach 2018 und 2022, wo man jeweils bereits nach der Gruppenphase die Heimreise antreten musste, ist man auch 2026 in sehr enttäuschender Manier an einem, auf dem Papier deutlich schwächeren Gegner gescheitert. Auch die beiden Europameisterschaften 2020 (wegen Corona erst 2021 ausgetragen) und 2024 verliefen unterm Strich enttäuschend, da man zuerst nur das Achtelfinale erreichte und dann bereits im Viertelfinale rausflog. Dieses Turnier hatte zwar kurz die Hoffnung geweckt, dass es unter Bundestrainer Julian Nagelsmann besser werden würde, doch bereits dessen teilweise sehr schwer nachvollziehbaren Taktik- und Personalentscheidungen sowie seine schlechte Kommunikation im Vorfeld der WM 2026 hatten die gute Stimmung merklich gedrückt – nun, nach dem Aus gegen Paraguay ist sie am Tiefpunkt. Für mich ist klar, dass dies Konsequenzen haben und Julian Nagelsmann als Bundestrainer die Koffer packen muss. Er sollte aber nicht alleine von Bord gehen, auch die Gesichter der gescheiterten Generation, die in den letzten acht Jahren den Mythos der "deutschen Turniermannschaft" begraben haben, sollten Größe zeigen und freiwillig zurücktreten, um nun einer jungen und hungrigen Generation den Raum zu geben, sich zu beweisen.
Joshua Kimmich: Das Gesicht einer "Verlierergeneration"
Joshua Kimmich hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, wie sehr es ihn beschäftige, dass die beiden Weltmeisterschaften, an denen er bis dato teilgenommen hatte (2018 und 2022) für Deutschland so bitter endeten. Er meinte, er habe Angst, zum Gesicht einer "Verlierergeneration" zu werden, und nun nach dem Sechzehntelfinal-Aus 2026 steht fest, dass er als deutscher Kapitän genau dies leider ist. Das Verantwortungsvollste wäre an seiner Stelle nun der Rücktritt. Gleiches gilt für Leon Goretzka und Leroy Sané, die, anders als Kimmich, von der deutschen Öffentlich in der Nationalmannschaft sehr kritisch gesehen werden und auch bei diesem Turnier ihre kontroversen Nominierungen nicht rechtfertigen konnten. Auch sie sollten Größe zeigen und öffentlich zurücktreten.
Eine ganze Generation muss weichen
Auch ein Serge Gnabry, der zwar aufgrund einer Verletzung gar nicht dabei war, sollte nicht mehr für Deutschland auflaufen, um jüngeren Spielern nun die Bühne zu überlassen. Gleiches gilt für einen Jonathan Tah, der zwar nicht die gleiche Vergangenheit wie ein Leon Groetzka, oder ein Leroy Sané hat, aber sich stets in deren Fahrwassern bewegte, sollte nicht mehr berufen werden. Grundsätzlich sind damit praktisch der gesamte Jahrgang 95/96 und älter gemeint, die in den vergangenen Jahren immer wieder das DFB-Trikot trugen, sich dieses aber letztlich nicht verdienen konnte. Spieler, die erst spät berufen wurden, wie ein Deniz Undav, oder ein Nadiem Amiri muss man hingegen anders betrachten. Manuel Neuer hat bereits angekündigt, dass dies sein letztes Länderspiel war und auch Antonio Rüdiger, der zuvor bereits seinen Stammplatz verloren hatte, wird wohl so oder so keine Zukunft mehr im Deutschland-Trikot haben.
Gut im Verein, bedeutet nicht gut im DFB-Dress
Diese Forderung nach Rücktritten bedeutet allerdings nicht, dass Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Leroy Sané, Serge Gnabry, Jonathan Tah, etc. schlechte Spieler seien, das sind sie nicht! Tatsächlich sind das alles sehr gute Spieler, im Fall von Joshua Kimmich kann man sogar von Weltklasse sprechen, doch bekommen sie diese Qualität einfach nicht für die deutsche Nationalmannschaft auf den Platz gezaubert, sondern haben leider aktiv dazu beigetragen, die Durchschlagskraft und den gefürchteten Ruf, den Deutschland im Weltfußball einst hatte, zu untergraben und spätestens jetzt komplett in sich zusammenstürzen zu lassen.
Julian Nagelsmann war schon vor der WM nicht mehr der Richtige
Dass neben besagten Spielern auch Julian Nagelsmann gehen muss, steht außer Frage. Auch er ist kein schlechter Trainer – er hat bei Hoffenheim, in Leipzig und ja, auch in München bewiesen, dass er ein Fachmann ist – der Richtige für den Posten des Bundestrainers ist er allerdings definitiv nicht. Bei der Heim-EM 2024, wo er ein klares, auf Leistung basiertes Konzept hatte, mag er es noch gewesen sein, doch spätestens, nachdem er danach sich immer mehr auf seine Buddies Leon Goretzka und Leroy Sané setzte, obwohl außer ihm quasi niemand diese Entscheidungen nachvollziehen konnte – sportlich ließen sie sich nämlich nicht erklären. Wer auch in Zukunft bei der deutschen Nationalmannschaft an der Seitenlinie steht – viele Fans fordern ja Jürgen Klopp – er sollte einen klaren Cut machen und das "Verlierergen" aus dem deutschen Team chirurgisch entfernen.
Wirtz, Musiala & Co. müssen jetzt Verantwortung übernehmen
Trotz des erneut bitteren Scheiterns gibt es natürlich mehrere deutsche Spieler, denen auch weiterhin im DFB-Trikot die Zukunft gehört: Kicker wie Florian Wirtz, Jamal Musiala, Aleksandar Pavlović, oder Nathaniel Brown sind Anfang 20 und auf Sicht zu gut, um sie nicht mehr zu berücksichtigen. Stattdessen wird es für sie nun Zeit, aus der komfortablen zweiten Reihe herauszutreten und selbst als Führungsspieler Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen. Wenn dann noch junge Talente, wie Lennart Karl, Saïd El Mala, oder Assan Ouédraogo hinzukommen, kann man wieder eine gute Achse aufbauen, die Deutschland lange tragen kann. Hoffen wir mal, dass diese Achse dann stabiler ist, als die 95/96er Generation, von der man sich auch einst große Dinge erhofft hatte, letztlich aber immer wieder bitter enttäuscht wurde.
Foto: Michael Reaves / Getty Images
