Der WM-Auftakt der Türkei gegen Australien ist mächtig in die Hose gegangen, denn trotz der eigenen von vielen Beobachtern zugeschriebenen Favoritenrolle, musste man sich den "Socceroos" am Ende mit 0:2 geschlagen geben und muss nun in den nächsten beiden Spielen gegen Paraguay und den USA punkten, um doch noch irgendwie die KO-Phase zu erreichen. Wie sich die einzelnen türkischen Spieler bei diesem Misserfolg schlugen, erfahrt ihr in unserer Einzelkritik.
Uğurcan Çakır: Die Nummer eins der türkischen Mannschaft hatte tatsächlich nur selten die Gelegenheit, sich auszuzeichnen, denn zwei der vier Schüsse auf seinen Kasten waren gleich drin. Beim 0:1 durch Nestory Irankunda konnte der 30-Jährige zwar nichts machen, beim 0:2 durch St. Paulis Connor Metcalfe hingegen wurde man das Gefühl nicht los, dass der Schlussmann diesen Schuss an einem guten Tag hätte halten können. Auch mit Ball am Fuß wollte dem Gala-Keeper nicht alles gelingen. Trotzdem konnte Uğurcan Çakır auch noch einen hochgefährlichen Kopfball von Harry Souttar abwehren, sodass es am Ende nicht sogar noch deutlicher wurde. (Note: 4)
Zeki Çelik: Zwar immer wieder mit Offensivläufen für Anspielstationen sorgend, viel dem Roma-Schienenspieler letztlich nach vorne nur wenig ein. Einmal hatte Çelik nach einem tollen Steckpass durch Hakan Çalhanoğlu den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber aus spitzem Winkel am überragenden Patrick Beach. Defensiv wiederum sah der 29-Jährige einige Male unglücklich aus und hatte mit Nestory Irankunda so seine Probleme. So ließ sich der türkische Rechtsverteidiger beim 0:1 viel zu leicht überspielen, nur um den Australischen Flügelstürmer dann nicht genug zu stören, sodass dieser sein Tor machen konnte. In der 81. Spielminute wurde Zeki Çelik dann durch Mert Müldür ersetzt. (Note: 5)
Merih Demiral: Eigentlich als türkischer Fels in der Brandung eingeplant, war der Innenverteidiger vor allem mit dem quirligen Nestory Irankunda heillos überfordert, wobei er sich vor allem beim 0:1 von dem 20-Jährigen durch einen einfachen Trick einschulen ließ. Zwar konnte Demiral noch einige Bälle rausköpfen und hätte um ein Haar Kerem Aktürkoğlu einen Treffer aufgelegt, viel zu oft verstrickte sich aber der ehemalige Juventus-Spieler in Wortgefechten mit Gegenspielern, Mannschaftskollegen oder dem Schiedsrichter, sodass er das Spiel der eigenen Mannschaft immer wieder unnötig verschleppte. (Note: 5)
Abdülkerim Bardakcı: Auch der Galatasaray-Abwehrchef sah beim 0:1 nicht wirklich gut aus, da er zu spät den Laufweg Irankundas zustellte. Kurz darauf jedoch hätte er fast aus der Distanz mit einem Pfosten-Kracher den Ausgleich beschert. Hiernach jedoch tauchte der 31-Jährige wieder komplett ab, spielte weder überragende lange Pässe, so wie man es eigentlich von ihm kennt, noch war er fortan in den Zweikämpfen immer präsent. (Note: 4,5)
Ferdi Kadıoğlu: In der ersten Halbzeit zählte der Brighton-Profi noch zu den auffälligsten Türken, der immer wieder ins Mittelfeld abkippte, um hier für Überzahlsituationen zu sorgen und eine Passoption zu sein. In der zweiten Hälfte wurde Ferdi Kadıoğlu dann zunehmend unsichtbar, wobei er sich vorm 0:2 durch Connor Metcalfe nicht richtig positionierte, sodass dieser aufdrehen und schließlich den Treffer erzielen konnte. (Note: 4)
İsmail Yüksek: Bis zum 0:1 war das eigentlich ein richtig guter Auftritt des Fenerbahçe-Sechsers, bis er sich jedoch viel zu leicht überspielen ließ und Nestory Irankunda nicht richtig zu stören wusste. Hiernach versuchte Yüksek weiterhin Struktur ins türkische Spiel zu bringen und gewann auch einige vielversprechenden Bälle, die daraus resultierenden Situationen endeten aber größtenteils im Nichts. In der 81. Spielminute wurde er dann für Salih Özcan ausgewechselt. (Note: 3,5)
Hakan Çalhanoğlu: Eigentlich machte der Türkei-Kapitän kein schlechtes Spiel, sondern war immer anspielbar, verteilte die Bälle, spielte einige gute Steckpässe und sorgte durch Standards für Gefahr. Letztlich wussten seine Mitspieler mit den Zuspielen des Mannheimers zu wenig anzufangen und ihm selbst wollte der große Moment ebenfalls nicht gelingen. (Note: 3)
Arda Güler: Der türkische Star-Spieler von Real Madrid durfte in dieser Partie Lehrgeld zahlen, denn an sich machte auch er kein schlechtes Spiel, indem er vor allem in der ersten Hälfte mit guten Pässen, Körpertäuschungen und Dribblings für gute Gelegenheiten sorgte, die dann aber meist einfach verpufften, doch je länger die Partie ging, desto mehr spürte man, welchen Druck sich der 21-Jährige selbst machte, dann doch noch diesen einen großen Moment zu kreieren. Die Folge war, dass Arda Güler letztlich zu oft aus der zweiten Reihe abzog, anstatt noch einmal den geduldigeren Pass zu spielen, oder überlegter vorzugehen. (Note: 3)
Orkun Kökçü: In der Anfangsphase fiel der Beşiktaş-Kapitän durch ein gutes Anlaufverhalten sowie durch seine Beweglichkeit auf. Nach dem 0:1 jedoch war Orkun Kökçü überhaupt nicht mehr zu sehen und lief meistens nur hinterher, anstatt vorne selbst seine kreativen Fähigkeiten auszuspielen und Chancen zu kreieren. Folgerichtig wurde der 25-Jährige in der 62. Spielminute durch Yunus Akgün ersetzt. (Note: 4)
Barış Alper Yılmaz: Als Ersatz für den angeschlagenen Kenan Yıldız in der Startelf, mangelte es dem Galatasaray-Angreifer einfach an dessen Zug zum Tor. Stattdessen kamen über seine linke Seite meist nur uninspirierte Hereingaben, die nie den Mitspieler fanden. Darüber hinaus mangelte es dem 26-Jährigen auch an Ideen in der Bewegung ohne den Ball, sodass er sich auch nur selten ordentlich freizulaufen wusste. Zur Pause wurde Barış Alper Yılmaz dann doch für Kenan Yıldız ausgewechselt. (Note: 5)
Kerem Aktürkoğlu: Das oft kritisierte "Experiment" mit dem wuseligen Kerem Aktürkoğlu als "Falsche Neun" ist in diesem Spiel endgültig gescheitert, denn am australischen Abwehrbollwerk biss sich der 27-Jährige die Zähne aus und war nur äußerst selten eine Anspieloption. Wenn er denn mal an den Ball kam, schaffte er es nicht rechtzeitig, sich zu lösen, oder den Abschluss zu suchen, sodass all seine Aktionen ins Nichts führten. In der zweiten Hälfte hatte der Fenerbahçe-Angreifer dann nach einer Ablage von Merih Demiral die Riesenchance, sein Tor zu erzielen, scheiterte aber kläglich an Australien-Keeper Patrick Beach. In der 85. Spielminute ging Kerem Aktürkoğlu dann für Deniz Gül vom Platz. (Note: 5)
Kenan Yıldız (ab Spielminute 46): Die Hereinnahme des angeschlagenen Juventus-Stars brachte tatsächlich noch einmal ordentlich Schwung in die Partie, indem dieser nämlich immer wieder ins Dribbling ging, oder selbst den Mut zum Abschluss hatte. Zwar blieb Yıldız ebenfalls meist am unfassbar tiefstehenden australischen Block hängen, doch schien das Momentum durch seine Präsenz auf dem Platz auf türkischer Seite zu sein, bis, praktisch aus dem Nichts, die Australier das 2:0 erzielten. Hiernach versuchte der 21-Jährige zwar noch viel, jedoch merkte man auch ihm nach und nach dessen Verzweiflung an. (Note: 2,5)
Yunus Akgün (ab Spielminute 62): Für den glücklosen Orkun Kökçü gekommen, sorgte der Galatasaray-Profi offensiv für mehr Anspielmöglichkeiten und rochierte dabei vor allem mit Arda Güler viel. Das sah in Ansätzen eigentlich auch ganz gut aus, jedoch mangelte es Yunus Akgün spürbar an Mut, selbst proaktiv nach Lösungen zu suchen, sodass er meist die Kugel nur weiterleitete, anstatt mal ins Dribbling zu gehen, oder selbst den Abschluss zu wagen. (Note: 3,5)
Mert Müldür (ab Spielminute 81): In der Schlussphase sollte er noch einmal für mehr Dynamik sorgen, der tiefe australische Block ließ sich dadurch aber nicht aufweichen. Dennoch brachte der etwas mehr Schwung in die Partie, sodass der Eindruck entstand, dass der türkische Anschlusstreffer nicht mehr lange hätte auf sich warten lassen. Große Aktionen hatte Mert Müldür aber keine mehr. (Note: 3)
Salih Özcan (ab Spielminute 81): Für İsmail Yüksek gekommen, nahm der Noch-Dortmunder dessen Aufgaben direkt auf und machte seine Sache auch recht ordentlich, indem er Bälle verteilte und im Mittelfeld in der Schlussphase noch einige Meter abspulte. Aber letztendlich hatte die Einwechslung Özcans keine wirklichen Auswirkungen mehr. (Note: 3)
Deniz Gül (ab Spielminute 85): Der Mittelstürmer sollte in den Schlussminuten noch einmal für mehr Präsenz in der gegnerischen Box sorgen, wurde aber überhaupt nicht mehr ins türkische Spiel eingebunden. Aufgrund der kurzen Spielzeit entfällt eine Bewertung.
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