Weit über eine Stunde stand Fenerbahçes Präsidentschaftskandidat Aziz Yıldırım am Montagabend in einem Interview mit TRT Spor Rede und Antwort. Der alte und womöglich bald neue Klub-Boss sprach über Trainer, Transfers, Erzrivale Galatasaray und eine missratene Vereinsethik. Das LIGABlatt fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.
Aziz Yıldırım gegenüber TRT Spor …
… zum Meisterfluch von Fenerbahçe:
"2024 herrschte unter den Anhängern große Traurigkeit über Fenerbahçes verpasste Meisterschaft und den ausbleibenden Erfolg. Ich habe das auch bei meinen eigenen Kindern beobachtet. Sie waren ebenfalls verärgert und beklagten sich. Jeder erwartet Erfolg, und dieser Erfolg ist der Gewinn der Meisterschaft. Wenn die Meisterschaft dann kommt, verschwinden alle Probleme und Widrigkeiten, und alle umarmen sich."
… zur sich immer weiter verschlechternden Stimmung im Klubumfeld:
"Bei Fenerbahçe traten in den vergangenen Jahren Spaltungen auf, da der Verein lange keine Meisterschaft mehr gewonnen hatte. Es zogen nicht mehr alle an einem Strang. Es kam zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen, und die Mitglieder wurden in "diese Seite" und "jene Seite" eingeteilt. Letztendlich wandelte sich Fenerbahçe zu einer Organisation, die den Eindruck des Scheiterns erweckte. Um das künftig zu verhindern, schlossen meine Freunde und ich uns zusammen und kandidierten.
… über den Stellenwert von Fenerbahçe in der Türkei:
"Die Türkei braucht Fenerbahçe, um erfolgreich zu sein. Und die Türkei braucht genauso Fenerbahçe. Denn wenn Fenerbahçe gewinnt, wird auch die Türkei glücklich sein."
… über die Heimspielstätte in Kadıköy:
"Kadıköy muss die Hölle sein, aus der es kein Entkommen gibt. In meinen 20 Jahren als Präsident haben es andere Vereine nicht geschafft, da rauszukommen. Bestenfalls spielten unsere Gegner unentschieden und waren damit zufrieden. Jetzt spielen wir unentschieden und sind damit zufrieden; so läuft das nicht."
… über mögliche Transfers im Falle einer Kandidatur und die Gerüchte um Salah und Sörloth:
"Wir werden zwei ausländische Stürmer verpflichten. Ihre Namen sind bekannt. Ich werde diese Woche die finalen Gespräche führen. […] Wir hatten ein Treffen mit Sörloth, aber es gibt noch kein konkretes Ergebnis. Es kann klappen, muss aber nicht. Mohamed Salah fordert angeblich ein Gehalt von 20 Millionen Euro. Mit Steuern sind das 30 Millionen Euro. Er will einen Dreijahresvertrag, das wären 90 Millionen Euro. Wenn wir ihn dringend brauchen, nehmen wir ihn; unser Fußballkomitee wird darüber entscheiden."
… über die Suche nach einem neuen Trainer:
"Lasst uns erst einmal die Wahl abwarten. Wenn ich sage: ‚Ich mache dich zum Trainer‘, bevor ich gewählt bin, was passiert dann, wenn ich nicht gewählt werde? Ich hatte jedenfalls noch keine Treffen mit Jorge Jesus, der von den Medien ins Gespräch gebracht wird."
… über Galatasaray:
"Galatasaray hat viel Geld ausgegeben. Und meiner Meinung nach sind sie ein verschlossenes Unternehmen. Fenerbahçe ist hier viel transparenter. Themen wie ‚Sie haben so und so viele Schulden‘ werden überall diskutiert, aber bei Galatasaray wird das nicht erwähnt. Wenn Fenerbahçe die Meisterschaft gewinnt, werden sie am Ende in der gleichen Situation sein wie wir jetzt."
