Nach insgesamt 20 durchaus erfolgreichen Jahren, gab im vergangenen Juni Aziz Yildırım das Präsidialamt von Fenerbahçe an seinen bis dato langjährigen Vizepräsidenten Ali Koç ab. Sechs Monate später durchlebt Fenerbahçe die schlimmste Krise der Klubhistorie und Koç steht im Kreuzfeuer. Nach der „Bus-Schelte“ von Akhisar folgt nun die Installierung von Ersun Yanal als neuen Cheftrainer.

Auf der Ehrentribüne war die Gemütslage von Fenerbahçe-Präsident Ali Koç bereits kurz nach Spielende sichtlich erkennbar. Das 0:3 beim letztjährigen Pokalsieger und der Sturz auf einen Abstiegsplatz, hinterließen eine versteinerte Miene auf dem Gesicht des 51-jährigen Geschäftsmann und die Erkenntnis, dass sich etwas Grundlegendes auf und neben dem Platz ändern muss. Noch auf der Rückfahrt nach Istanbul ergriff Koç im Mannschaftsbus das Wort und sprach zu Spielern, Trainern und Funktionären. Die Ansprache, ein Mix aus Kritik, Verzweiflung und Wut, war ein Indiz für weitreichende Veränderungen, die möglichst schnell umgesetzt werden sollen. Wer sich nicht voll mit Fenerbahçe identifiziere, soll das gelb-blaue „Kanarien“-Trikot in Zukunft nicht mehr tragen. Eine besondere Spitze gegen abwanderungswillige Profis wie Škrtel, Neustädter oder Benzia.

Schwächstes Glied ist und bleibt aber im Krisenfall immer der Trainer. Nach starker Anfangsphase konnte auch Interimscoach Erwin Koeman das Ruder seines Vorgängers Philip Cocu nicht herumreißen und führte den Kahn nun gar auf Rang 17. Mit Ersun Yanal holt Ali Koç nun einen alten Bekannten zurück. Dem Vernehmen nach bestehe der konkrete Kontakt schon seit der 2:1-Niederlage in Trabzon und wurde nach den jüngsten Auftritten intensiviert und schließlich finalisiert. Für Yanal ist es das zweite Engagement in Kadıköy nach der Saison 2013/14.