Galatasaray entschied sowohl den Angriffs- als auch den Mittelfeldvergleich für sich. In der Defensive besitzt der Meister jedoch stärkere Konkurrenz. Fenerbahçe hat seine bereits prominent besetzte letzte Linie um Nathan Aké und Kojo Oppong erweitert. Galatasaray reagierte kurz vor dem Transferschluss mit El Chadaille Bitshiabu, während Beşiktaş seinen vollständigen Umbau mit Ümit Akdağ abschloss. Welcher der drei Istanbuler Spitzenklubs ist zwischen den Pfosten und in der Abwehr am besten aufgestellt? LIGABlatt-Redakteur Jan-Niklas Borgmann macht in dieser dreiteiligen Reihe den großen Check!
Galatasaray: Eingespielter Kern erhält neue Konkurrenz
Mit Uğurcan Çakır verfügt Galatasaray über einen zuverlässigen Torhüter, der die Süper Lig kennt und auch unter Druck Ruhe ausstrahlt. Der türkische Nationalkeeper hat die Nachfolge von Fernando Muslera übernommen, ohne dass die Position zu einer Schwachstelle geworden ist. Günay Güvenç steht als erfahrener Ersatz bereit. Vor Uğurcan bilden Davinson Sánchez und Abdülkerim Bardakcı weiterhin ein bewährtes Innenverteidigerduo. Sánchez bringt Geschwindigkeit, Aggressivität und Stärke im direkten Duell mit. Abdülkerim übernimmt Verantwortung im Spielaufbau und verfügt über einen starken linken Fuß.
Mit Wilfried Singo besitzt Okan Buruk einen Verteidiger, der sowohl zentral als auch auf der rechten Seite eingesetzt werden kann. Seine Athletik erlaubt es Galatasaray, weit nach vorne zu verteidigen und dennoch Tiefenläufe des Gegners abzusichern. Kurz vor dem Transferschluss kam El Chadaille Bitshiabu hinzu. Der von RB Leipzig ausgeliehene Franzose erweitert die Möglichkeiten in der Innenverteidigung und bringt zusätzliche Körpergröße sowie einen starken linken Fuß mit. Er ist zunächst nicht zwingend für die Stammelf vorgesehen, erhöht aber den Konkurrenzkampf und kann Abdülkerim entlasten.
Türkiye’nin en büyüğüne hoş geldin El Chadaille Bitshiabu! 💛❤️ pic.twitter.com/YVX0wbKgOV
— Galatasaray SK (@GalatasaraySK) September 3, 2026
Kaan Ayhan liefert weitere Erfahrung und Vielseitigkeit, während Arda Ünyay als entwicklungsfähige Alternative bereitsteht. Galatasaray kann damit auch in der Innenverteidigung auf Ausfälle reagieren, ohne einen Spieler vollständig positionsfremd einsetzen zu müssen. Auf der linken Abwehrseite konkurrieren Ismail Jakobs und Eren Elmalı miteinander. Beide kennen die Anforderungen des Systems und können sich regelmäßig in die Offensive einschalten. Kazımcan Karataş erweitert die Auswahl.
Die rechte Seite bleibt der Punkt, an dem Fenerbahçe vollständiger besetzt ist. Singo ist dort die stärkste Lösung, wird aber zugleich als Alternative für die Innenverteidigung benötigt. Kaan kann die Position defensiver interpretieren, besitzt jedoch nicht dieselbe Geschwindigkeit. Eine weitere Möglichkeit wäre Roland Sallai, der eigentlich deutlich offensiver ausgerichtet ist. Galatasaray verfügt damit über einen starken, eingespielten Kern und hat die Innenverteidigung sinnvoll verstärkt. Bei der Besetzung der Außenbahnen und der Qualität der zweiten Reihe liegt der Meister knapp hinter Fenerbahçe.
Galatasaray – 9,0/10
Fenerbahçe: Internationale Klasse und enorme Tiefe
Die Qualität der Fenerbahçe-Defensive beginnt bereits im Tor. Ederson gehört zu den spielstärksten Torhütern seiner Generation und kann mit seinen Pässen gegnerische Pressinglinien überspielen. Der Brasilianer ist dadurch nicht nur der letzte Verteidiger, sondern zugleich der erste Aufbauspieler der Gelb-Marineblauen. Mit Mert Günok steht zudem ein äußerst erfahrener Ersatz bereit. Sollte Ederson ausfallen oder eine Pause erhalten, muss Fenerbahçe auf dieser Position keinen unerfahrenen Torhüter einsetzen.
In der Innenverteidigung können Milan Škriniar und Nathan Aké das bevorzugte Duo bilden. Škriniar bringt körperliche Präsenz, Zweikampfstärke und Führungsqualitäten mit. Aké ist beweglicher, sicher im Aufbau und kann größere Räume hinter einer offensiv ausgerichteten Mannschaft verteidigen. Beide ergänzen sich auf dem Papier hervorragend. Dahinter ist Fenerbahçe ebenfalls stark besetzt. Kojo Oppong absolvierte in der vergangenen Saison 43 Pflichtspiele für OGC Nizza und gehörte anschließend zum ghanaischen WM-Kader. Mit seinen 22 Jahren verbindet er Entwicklungspotenzial mit bereits vorhandener Erfahrung auf hohem Niveau. Jayden Oosterwolde kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der linken Seite eingesetzt werden. Rodrigo Becão und Yiğit Efe Demir verbreitern die Auswahl zusätzlich. Selbst der Ausfall eines Stammspielers würde Fenerbahçe deshalb nicht dazu zwingen, die gesamte Abwehrformation umzustellen.
Auch auf den Außenpositionen besitzen die Gelb-Marineblauen unterschiedliche Möglichkeiten. Nélson Semedo bringt auf der rechten Seite Tempo, technische Qualität und internationale Erfahrung mit. Mert Müldür kann defensiver agieren und ebenfalls auf mehreren Positionen aushelfen. Links stehen Archie Brown und Oosterwolde zur Verfügung. Das größte Fragezeichen betrifft die körperliche Verfassung einiger Stammkräfte. Ederson, Škriniar, Aké und Semedo haben bereits zahlreiche Spielzeiten auf höchstem Niveau absolviert. Aufgrund der außergewöhnlichen Kadertiefe kann Fenerbahçe die Belastung allerdings besser verteilen als die beiden Rivalen.
Fenerbahçe – 9,5/10
Beşiktaş: Viele Möglichkeiten, aber noch keine feste Einheit
Beşiktaş hat seine Defensive in nahezu allen Bereichen verändert. Im Tor soll Alexander Nübel der neue Rückhalt werden. Der Deutsche bringt Bundesliga- und Champions-League-Erfahrung mit und kann sich aktiv am Spielaufbau beteiligen. Mit Doğan Alemdar besitzen die Schwarzen Adler zudem einen talentierten und bereits international erfahrenen Ersatz. In der Innenverteidigung ist die Auswahl groß. Tiago Djaló verfügt über Tempo und technische Qualität, musste in den vergangenen Jahren allerdings immer wieder mit Verletzungen umgehen. Emmanuel Agbadou bringt Robustheit und Zweikampfstärke mit. Emirhan Topçu kennt die Liga und kann auch auf der linken Seite eingesetzt werden.
Hinzu kommen Yasin Özcan und Ümit Akdağ. Beide erweitern die türkischen Optionen im Kader und besitzen noch Entwicklungspotenzial. Beşiktaş kann seine Innenverteidigung damit unterschiedlich zusammensetzen und auf Formschwankungen oder Ausfälle reagieren. Auf den Außenbahnen stehen ebenfalls mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Rıdvan Yılmaz ist nach seiner Rückkehr mit dem Klub und der Liga vertraut. Kassoum Ouattara stellt auf der linken Seite eine athletischere Alternative dar. Rechts konkurrieren Amir Murillo und Taylan Bulut.
An der Breite scheitert Beşiktaş nicht. Das größere Fragezeichen betrifft die Hierarchie und die Abstimmung. Zahlreiche Verteidiger sind neu im Kader und müssen sich zunächst aneinander sowie an die Spielidee von Vincenzo Italiano gewöhnen. Zudem fehlt ein unumstrittener Abwehrchef auf dem Niveau von Škriniar oder Davinson Sánchez. Nübel kann der Mannschaft Sicherheit verleihen, vor ihm muss sich allerdings erst ein festes Innenverteidigerduo herausbilden. Gerade bei Italianos mutiger Ausrichtung werden saubere Abstände und eine gute Absicherung entscheidend sein.
Beşiktaş besitzt deutlich mehr Qualität und Tiefe als in der vergangenen Saison. Auf dem Papier ist die Defensive konkurrenzfähig, bietet momentan aber weniger Gewissheit als die eingespielteren Formationen der beiden Rivalen. Alles was ihr wissen müsst, findet ihr im LIGABlatt-TransferCenter!
Beşiktaş – 8,5/10
Galatasaray hat die Nase vorn
Nach den drei Einzelvergleichen steht auch das Gesamtergebnis fest. Galatasaray gewinnt sowohl im Angriff als auch im Mittelfeld mit der Höchstwertung. Der zweite Platz in der Defensive reicht deshalb zu einem deutlichen Gesamtsieg.
Fenerbahçe besitzt die stärkste Abwehr und landet im Angriff auf Rang zwei. Das weniger tief besetzte Mittelfeld kostet die Gelb-Marineblauen jedoch entscheidende Punkte.
Beşiktaş hat den Abstand erheblich verkürzt und verfügt insbesondere im Zentrum über große Qualität. In der Offensive und Defensive müssen die zahlreichen Neuzugänge allerdings erst beweisen, dass aus dem Potenzial auch eine verlässliche Mannschaft entsteht.
Das Gesamtranking des großen Istanbul-Checks
Galatasaray – 29 von 30 Punkten
Angriff: 10 | Mittelfeld: 10 | Defensive: 9
Fenerbahçe – 27 von 30 Punkten
Angriff: 9 | Mittelfeld: 8,5 | Defensive: 9,5
Beşiktaş – 26,5 von 30 Punkten
Angriff: 8,5 | Mittelfeld: 9,5 | Defensive: 8,5
Auf dem Papier geht Galatasaray damit als klarer Gewinner aus der Transferperiode hervor. Der Meister besitzt den vollständigsten Kader und ist in zwei von drei Mannschaftsteilen am stärksten besetzt. Fenerbahçe bleibt aufgrund seiner individuellen Qualität der gefährlichste Rivale. Beşiktaş folgt knapp dahinter und hat zumindest die Voraussetzungen geschaffen, um den Abstand zu den beiden Titelkandidaten deutlich zu verkürzen.
