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VANCOUVER, BRITISH COLUMBIA - JUNE 13: Vincenzo Montella, Head Coach of Turkiye, reacts during the FIFA World Cup 2026 Group D match between Australia and Türkiye at BC Place Vancouver on June 13, 2026 in Vancouver, British Columbia. (Photo by Stu Forster/Getty Images)

Nach 0:2 gegen Australien: Vincenzo Montella verteidigt seine Strategie

Vor allem einige Kaderentscheidungen stießen auf Unverständnis

Der WM-Auftakt der Türkei endete in einer Blamage. Trotz der von vielen "Experten" herbeigeredeten klaren Favoritenrolle in diesem Spiel, ging die TFF-Auswahl gegen Australien mit 0:2 baden. In der türkischen Medienlandschaft wird nun nach einem Schuldigen gesucht und mit Nationalcoach Vincenzo Montella und dessen Ideen wurde auch schnell ein Ziel gefunden. Der Italiener verteidigte auf der anschließenden Pressekonferenz jedoch seinen Ansatz und betonte noch einmal, dass man noch immer alles in der eigenen Hand habe. 

Das hatten sich die meisten türkischen Fans sicherlich anders vorgestellt: Alle waren heiß darauf, nach 24 Jahren endlich wieder einen Sieg der Türkei bei einer Weltmeisterschaft zu bejubeln. Die Autokorsos standen praktisch schon Bereit und Influencer mit Fistelstimme bereiteten sich bereits darauf vor, ekstatisch in die Kamera zu brüllen. Am Ende kam es jedoch anders und die türkische Auswahl musste eine bittere 0:2-Niederlage gegen Außenseiter Australien hinnehmen. Vincenzo Montella, der als Coach die Türkei überhaupt erst zur WM geführt hat, musste sich anschließend den kritischen Fragen der Reporter stellen, wobei er sich für seine Ideen und geplanten Ansätze noch einmal rechtfertigte.

"Wenn man keine Tore schießt, endet es so" 

Vincenzo Montella fasste in der Pressekonferenz nach dem 0:2 gegen Australien im BC Place zu Vancouver die Sachlage wie folgt zusammen: "Wir sind sehr traurig, aber wir wissen, dass wir in der Gruppenphase noch Zeit haben, das wieder geradezubiegen – wir können das wieder in Ordnung bringen." Montella wies anschließend darauf hin, dass die türkische Mannschaft zu Beginn des Spiels zu behäbig war, und erklärte: "Unser Gegner hat so gespielt, wie wir es erwartet hatten. Wir hatten zwar grundsätzlich die Kontrolle über den Ball, aber wir konnten das nicht in echte Torgefahr ummünzen. Ein Tor zu schießen ist sehr wichtig; wir waren kurz davor, eines zu erzielen, aber es war sehr schwer, die Abwehr zu überwinden. Die gegnerische Abwehr stand sehr eng und wenn es gegen einen solchen tiefstehenden Gegner geht, ist es schwer, zu bestehen. Ich gratuliere ihnen, sie haben sehr gut gespielt. Wir werden die Situation analysieren, noch ist alles drin. Wir hatten 78 Prozent Ballbesitz, 30 Torschüsse – wenn man keine Tore schießt und kein Glück hat, endet das Spiel so."

"Wir werden auch kritisiert, wenn wir gewinnen" 

Der italienische Coach wurde auch auf seine Mannschaftsaufstellung und seine nicht für jeden nachvollziehbaren Kaderentscheidungen angesprochen: "Wenn man verliert, muss man alle Kritikpunkte akzeptieren, auch die, die man für ungerecht hält. Ich respektiere alle Meinungen. Einige Spieler hatten gute Chancen. Oft kritisieren sie mich, weil ich nicht den körperlich stärksten Spieler aufstelle. Ich habe Kritik immer akzeptiert. Wir haben auch andere Spieler, die gut sind und sich weiterentwickeln. Ich wollte Arda auf dem Platz behalten. Er hatte eine schwierige Position. Kenan kam in der zweiten Halbzeit ins Spiel. Ihr wisst, dass Kenan auf dem linken Flügel gut spielt. Wir wussten, dass es Kritik geben würde, wenn wir verlieren. Selbst wenn wir in der Vergangenheit gewonnen haben, gab es stets Kritik. Kerem hat heute auf dem Platz alles gegeben, er hat bis zum Schluss gekämpft. Wenn man aber kein Tor schießt, bringen solche Einschätzungen aber wenig. Ich sehe Can lieber hinter dem Stürmer, aber ich habe Arda ins Zentrum geholt und wollte ihn auf dem Platz behalten. Deshalb habe ich mit Arda weitergemacht."

Montella über die Einwechslung von Kenan Yıldız

Vincenzo Montella wurde auch auf den sehr enttäuschenden Barış Alper Yılmaz angesprochen, der für den angeschlagenen Kenan Yıldız in der Startelf stand, und was der Plan hinter dessen vielen Flanken war: "Wir wollten etwas anderes ausprobieren. Wir wissen, dass Barış stark ist, wenn sich Räume öffnen. Diese Strategie funktioniert in bestimmten Situationen gut. Wir wollten Kenan einwechseln, weil Kenan ebenfalls ein sehr guter Spieler ist. Er hat auch sehr gut gespielt. Da sie den Raum stark verengt haben, wollten wir Kenans Stärken auf engem Raum nutzen. Wir dachten, er würde auf engem Raum effektiv sein, und da der Gegner sehr kompakt stand, haben wir uns dafür entschieden."

Späte Einwechslung zweier Defensivspieler sorgte für Verwirrung 

Schließlich wurde der 51-Jährige auch gefragt, warum er nach einem 0:2-Rückstand mit Mert Müldür einen Verteidiger und mit Salih Özcan einen Sechser einwechselte, anstatt alles auf Offensive zu setzen: "Nach unserer Einschätzung mussten wir den Konter verhindern. Der Gegner ging sehr schnell in den Angriff über, also haben wir diesen Schritt gemacht. Arda und Hakan hatten schon lange keine 90 Minuten mehr gespielt. Wir mussten ihnen frische Spieler zur Seite stellen. Wir haben Kombinationen ausprobiert, wir hatten Torschüsse, doch leider ist Fußball so: Manchmal will der Ball einfach nicht rein. Wir hatten 30 Torschüsse, hatten am Ende aber einfach nicht genug Zeit. Nun werden wir aber unser Bestes geben, um unser Ziel zu erreichen."

"Niemand hält Australien für eine schwache Mannschaft"

Die Frage, ob er von dem Fußball, den Australien an diesem Abend spielte, überrascht gewesen sei, verneinte Montella: "Genau diese Strategie habe ich von Australien erwartet: eine defensiv ausgerichtete Mannschaft, die tief steht. Wir wussten, dass sie auf Konter setzen würden, sie haben das umgesetzt, was wir erwartet hatten, und sie haben gut gespielt. Hierfür gilt es als gegnerische Mannschaft, eine gute Balance zu finden. Das Ergebnis ist zwar bedauerlich, aber es sollte unsere künftigen Analysen positiv beeinflussen. Wir dürfen auf keinen Fall unsere mentale Balance verlieren. Ich habe großen Respekt vor Australien. Ich habe erwartet, dass sie in diesem Spiel so spielen und ihr gesamtes Potenzial optimal nutzen würden. Bei den Toren waren sie auch erfolgreich. Niemand hält Australien für eine schwache Mannschaft. Schließlich ist das Fußball, und niemand hat gedacht, dass das Spiel gegen Australien einfach werden würde. Wir haben die Ergebnisse ihrer Spiele verfolgt; theoretisch gab es Punkte, die einfach aussahen, aber in der Praxis ist das nicht so. Wichtig ist nun, dass wir unseren Glauben nicht verlieren."

Fragen zur Positionierung von Arda Güler 

Zum Schluss wurde Vincenzo Montella noch mit seiner Entscheidung konfrontiert, Arda Güler auf dem rechten Flügel eingesetzt zu haben, wo er wirkungslos gewesen sei: "Meiner Meinung nach hat er viel mehr in der Mitte gespielt. Ardas Stärken sind klar: Er ist ein Spieler, der im Mittelfeld besser spielt, egal wo er anfängt; von dort aus kann er schießen und Bälle verteilen. Wenn ich eine Strategie entwickle, stelle ich immer in den Vordergrund, dass der Spieler auf der Position spielen kann, auf der er am besten ist. Zumindest versuche ich das so zu handhaben. Stellen Sie sich Arda Güler auf der rechten Außenbahn vor – wir glauben, dass er dort besser spielen kann: Er kippt nach innen, geht ins Dribbling und kann schießen – das ist der Plan. Manchmal funktioniert ein Plan aber nicht so, wie man es sich eingangs vorgestellt hat."

Foto: Stu Forster / Getty Images