MAINZ, GERMANY - MAY 31: Deniz Undav of Germany celebrates scoring his team's third goal with teammate Lennart Karl during the international friendly match between Germany and Finland at MEWA Arena on May 31, 2026 in Mainz, Germany. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

4:0! Karl & Undav sammeln Argumente für WM-Startplatz – Deutschland in der Einzelkritik

Auch Pavlović, Nmecha und Brown machen Werbung in eigener Sache

Beim vorletzten Test der deutschen Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko konnte sich das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann in Mainz am Ende problemlos mit 4:0 gegen Finnland durchsetzen. Welche deutschen Spieler dabei Argumente für einen Stammplatz bei der WM sammeln konnten, und wer eher unterging, erfahrt ihr in unserer Einzelkritik. 

Oliver Baumann: Die neue Nummer zwei der deutschen Mannschaft hatte an diesem Abend nicht wirklich viel zu tun und musste keine Schüsse abwehren. Wenn es die Situation erforderte, kam der Hoffenheimer heraus oder fing Flanken ab und blieb dabei stehts sicher, ohne für herausragende Momente zu sorgen. (Note: 2,5)

Joshua Kimmich: Immer wieder ins Mittelfeld abkippend, leitete der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft immer wieder Angriffe seines Teams ein, griff dabei sowohl auf Steckpässe als auch auf Chip-Bälle zurück und koordinierte seine Mitspieler um sich herum. Zwar kam nicht jeder Ball an und auch nicht alle Standards wurden sehr gut geschlagen, in der 34. Spielminute brachte der 31-Jährige aber nach einer schnell ausgeführten Ecke den Ball nach innen, wo dann Deniz Undav wartete und zum 1:0 einnickte. Hiernach konzentrierte sich Kimmich wieder mehr aufs Verteidigen und machte dabei einen tadellosen Job. (Note: 2)

Jonathan Tah: Der "konservativere" der deutschen Innenverteidiger machte einen sehr souveränen Eindruck, stand praktisch immer richtig, blieb stets anspielbar und beruhigte das Spiel, wenn er am Ball war. In den Duellen gegen die Finnen hatte Tah zwar seine Probleme, wenn es mal schnell wurde, konnte dies aber meist durch ein gutes Stellungsspiel kompensieren. (Note: 2,5)

Nico Schlotterbeck: Im Dreieraufbau den linken Part übernehmend, ebenso wie beim BVB, spielte der Linksfuß wieder immer wieder Diagonalbälle, um die Statik des Spiels zu verlagern. Zu Beginn kam nicht jeder Ball an, je länger das Spiel ging, desto präziser wurde das Passspiel des 26-Jährigen aber. Gegen den Ball machte Schlotterbeck eine blitzsaubere Partie und ließ nichts anbrennen. (Note: 2,5)

Nathaniel Brown: Auf der linken Seite anstelle von David Raum spielend, nutzte Nathaniel Brown seine Chance, indem er links immer wieder hochschob, offensiv für Überzahlsituationen sorgte und sich ins deutsche Kombinationsspiel einschaltete. Defensiv machte der Frankfurter ebenfalls eine gute Figur, blieb in den Zweikämpfen stabil und überzeugte mit guten Laufleistungen über die volle Distanz. (Note: 2,5)

Felix Nmecha: Der Dortmunder brachte mit seiner Dynamik und seiner Zweikampffreude wichtige Elemente mit ins Spiel, um im Mittelfeld für Kontrolle zu sorgen. Dabei schaltete sich der Dortmunder offensiv immer wieder mit ein, harmonierte sehr gut mit Lennart Karl auf der rechten Seite und stach vor allem im Gegenpressing hervor. So hatte Nmecha beim 2:0 durch Florian Wirtz seinen Anteil, indem er die Finnen früh anlief und so zu Fehlern zwang. Defensiv wiederum ging der 25-Jährige keinem Zweikampf aus dem Weg und fing viele Bälle ab. Nach 83 Minuten machte der Achter dann für Lokalmatador Nadiem Amiri Platz. (Note: 2)

Aleksandar Pavlović: Der 22-Jährige war über die volle Distanz der Fixpunkt im deutschen Team, der die meisten Ballkontakte hatte und die meisten Pässe spielte, von denen herausragende 95 Prozent ihren intendierten Abnehmer fanden. Zwar war Pavlović nur selten an wirklich spektakulären Aktionen beteiligt, agierte aber fehlerlos und war im deutschen Offensivspiel DIE deutsche Schaltzentrale, wodurch er Joshua Kimmich entlastete, der dadurch eine defensivere Rolle einnehmen konnte. Einen Scorerpunkt konnte der Münchner dann aber doch sammeln, als er in der 63. Spielminute auf seinen Bayern-Kollegen Jamal Musiala ablegte, der das 4:0 erzielte. (Note: 1,5)

Lennart Karl: Mit gerade einmal 18 Jahren der jüngste Kicker im deutschen WM-Kader, war Karl einer der herausragenden Akteure des Abends, der auf seiner rechten Seite immer wieder für Gefahr sorgte, indem er völlig unbekümmert ins Dribbling ging, Bälle in die Mitte brachte, oder selbst den Abschluss suchte. Selbst Standards übernahm der kleingewachsene Dribbelkünstler, wobei er das Spiel oft schnell machte, wie auch beim 1:0, als er schnell auf Joshua Kimmich ablegte, dessen Flanke dann von Deniz Undav verwertet wurde. Aber auch bei allen anderen deutschen Treffern hatte der Münchner irgendwo seine Füße mit im Spiel, weshalb er wohl mit die meisten Argumente für sich sammeln konnte, auch bei der WM viel zu spielen. So war es Karls Dribbling und sein Steckpass auf Deniz Undav in der 57. Spielminute, der dann das 3:0 einleitete. In Spielminute 73 durfte sich Lennart Karl dann seinen wohlverdienten Applaus abholen und wurde für Leroy Sané ausgewechselt. (Note: 1)

Jamal Musiala: Zu Beginn noch etwas zögerlich, durfte sich der Rückkehrer, der knapp ein Jahr lang kein Länderspiel mehr für Deutschland bestritten hatte, dann aber sukzessive in die Partie hineinarbeiten und ließ immer wieder sein enormes Potenzial aufblitzen. Zwar noch nicht so geschmeidig wie man den Münchner noch vor seiner schweren Verletzung von der Klub-WM kannte, durfte er sich dann dennoch belohnen, als er in der 63. Spielminute nicht lange zögerte, sondern von der Strafraumkante mit seinem nominell schwächeren linken Fuß zum 4:0 abschloss. (Note: 2)

Florian Wirtz: Neben Lennart Karl in der ersten Hälfte der Aktivposten in der deutschen Offensive, war der Liverpooler zwar nicht mehr ganz so auffällig, wie in den letzten Länderspielen, machte dennoch aber eine richtig gute Partie, in der er mit Pässen Dribblings und Abschlüssen immer wieder versuchte, für Gefahr zu sorgen. In der 48. Spielminute stand Wirtz dann goldrichtig als Deniz Undav im gegnerischen Strafraum den Ball gewann und schob zum 2:0 ein. Hiernach ließ sich Wirtz mehr auf die Flügel fallen und hielt so eher die Breite. Nach 72 gespielten Minute durfte Florian Wirtz dann runter und machte für Nick Woltemade Platz. (Note: 2)

Deniz Undav: Zweimal hatte der Stuttgarter zunächst die Chance, das 1:0 zu erzielen, war da aber im Abschluss noch zu unsicher, nur um dann in der 34. Spielminute nach einer schnell ausgeführten Ecke genau richtig zu stehen und zum 1:0 einzunicken. Seine vielleicht beste Aktion hatte Undav dann aber kurz nach der Pause, als er gemeinsam mit Felix Nmecha im gegnerischen Strafraum Druck aufbaute und auf den Fehler der Finnen spekulierte und dann per Grätsche Florian Wirtz bediente, der zum 2:0 einschob. Die bis dahin schon starke Leistung krönte der 29-Jährige dann in der 57. Spielminute, als er einen wunderbaren Steckpass von Lennart Karl zum 3:0 verwertete und vorm gegnerischen Kasten die Nerven behielt. Hierbei verletzte sich Undav allerdings leicht, weshalb er kurz darauf für Maximilian Beier ausgewechselt wurde. (Note: 1)

Maximilian Beier (ab Spielminute 61): Für den angeschlagenen Deniz Undav gekommen, sollte der Dortmunder vor allem für Gefahr durch Tiefenläufe für Gefahr sorgen, bekam dazu aber nur selten die Gelegenheit. Wenn es dann aber mal schnell wurde, machte der Dortmunder viele Meter und versuchte durch Steckpässe und Hereingaben seine Mitspieler in Szene zu setzen, ohne dass dabei allerdings etwas Zählbares rumkam. Kurz vor Schluss hatte Beier noch eine Doppelchance, seine beiden Abschlüsse wurden aber auf der Linie geklärt. (Note: 3)

Leroy Sané (ab Spielminute 73): Bis auf ein bärenstarkes Dribbling in den gegnerischen Strafraum kurz vor Schluss, wodurch Maximilian Beier noch zu zwei Abschlüssen kam, diese aber nicht verwerten konnte, war vom Galatasaray-Angreifer nicht viel zu sehen, wobei dies nicht zuletzt dem Umstand geschuldet gewesen sein dürfte, dass die deutschen Spieler kein Risiko mehr eingehen und sich nicht verletzen wollten, weshalb kaum noch jemand die letzten Meter ging. (Note: 3)

Nick Woltemade (ab Spielminute 73): Eingewechselt für Florian Wirtz, ging der Newcastle-Angreifer in die Sturmspitze, bekam dort aber nichts wirklich zu tun, sondern ließ sich noch einige Male fallen, um seine Mitspieler einzusetzen, was aber aufgrund des in der Schlussphase sehr gemächlichen Tempos der Partie keine Früchte mehr trug. (Note: 3,5)

Nadiem Amiri (ab Spielminute 84): Der Lokalmatador durfte in seiner Heimspielstätte in Mainz noch einige Minuten sammeln und hatte kurz vor Schluss durch einen Distanzschuss sogar noch die Chance aufs 5:0, aber aufgrund der geringen Einsatzminuten, entfällt die Bewertung Amiris.

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images