Eine starke Anfangsphase, ein schwacher Schiedsrichter, ein vermeidbarer Platzverweis, zahlreiche Fehlentscheidungen des eigenen Trainers und schließlich ein umjubelter Ausgleich kurz vor Schluss: Bereits die reguläre Spielzeit war Nichts für schwache Nerven. In der Verlängerung ging den dezimierten „Kanarienvögeln“ dann die Puste aus und so konnten sie den entscheidenden Angriff nicht mehr verteidigen.

Trotz eines eher ernüchternden Hinspiels schenkte Trainer Jesus beinahe derselben Elf das Vertrauen. Lediglich Tisserand musste wie schon in der Zweiten Halbzeit der letzten Partie den verletzten Aziz ersetzen.

Von Beginn an zeigten die Hausherren, dass sie um klare Verhältnisse bemüht waren und auf Sieg spielten. Diese Bemühungen wurden nach zehn Minuten vermeintlich belohnt: King stocherte den Ball aus kürzester Distanz über die Linie, brach seinen Jubel jedoch umgehend ab. Da Vorlagengeber Valencia im unmittelbaren Vorfeld ein Foul begangen haben sollte, nahm der Schiedsrichter den Treffer zurück. Eine sehr harte Entscheidung, die die Gelb-Marineblauen allerdings nicht aufstecken ließ. Kahveci per Freistoß an den Pfosten und Valencia, dessen Ball auf der Linie geklärt wurde, hatten kurze Zeit später die nächsten Möglichkeiten. Kiew hatte wenig entgegenzusetzen und lediglich der schwache Schiedsrichter Irrati half den Gästen zu diesem Zeitpunkt mit unglücklichen Entscheidungen. Fast hätte Dynamo nach einer guten halben Stunde das Spiel dann doch auf den Kopf gestellt, doch Kapitän Bayındır rettete spektakulär. Im weiteren Verlauf neutralisierten sich die beiden Teams und Fenerbahçe ließ sich immer wieder von den Gästen provozieren. So blieb es vorerst beim 0:0.

Früher Platzverweis, später Ausgleich

Mit Emre More für den erneut schwachen Kahveci versuchte Jesus das Angriffsspiel in Hälfte zwei wieder in die richtige Bahn zu lenken. Schon nach einer Minute zog Valencia von der Strafraumgrenze ab und verpasste das Tor nur knapp, danach traf King nur den Außenpfosten. Die Hausherren schienen aus der Lethargie der letzten 15 Minuten erwacht. Schnell war klar, dass sich gerade der Joker eine Menge vorgenommen hatte: Mor wirkte spritzig und äußerst motiviert, ging mutig ins Eins gegen Eins und riss so auch das Publikum mit. Dann aber machte wieder der Schiedsrichter den „Kanarienvögeln“ einen Strich durch die Rechnung. Der bereits verwarnte Yüksek grätschte im Mittelfeld und erwischte wohl zunächst seinen Gegenspieler und dann den Ball. Die Konsequenz: Gelb-Rot. An diesem Wirkungstreffer hatten die Türken merklich zu knabbern und fingen sich postwendend das Gegentor. Zum ersten Mal war die Defensive unsortiert, der Ball kam zu Buyalskyi und der Mittelfeldspieler drückte ihn unter Bayındır hindurch ins Netz (57.).

Der Trainer brachte nun Crespo für den wirkungslosen King um das Mittelfeld zu stärken, die Megachance zum Ausgleich vergaben die Türken allerdings kläglich. Nach einem Foul im Strafraum schnappte sich der gefoulte Valencia den Ball und hämmerte den fälligen Elfmeter auf Gästekeeper Bushchan. Der verschossene Strafstoß passte zum unglücklichen Auftritt des Ecuadorianers. Eine Viertelstunde vor Schluss reagierte der Trainer endlich und brachte Torjäger Dursun und Linksaußen Bruma für Valencia und völlig überraschend Emre Mor. Endlich kamen die Gastgeber wieder zu Chancen, scheiterten aber am Torwart oder dem eigenen Unvermögen. Bis kurz vor Schluss rannten sie an, dann durften die Fans endlich jubeln. Dieses Mal verschätzte sich der starke Bushchan bei einer Ecke des eingewechselten Lincoln und Szalai wuchtete den Ball per Kopf unwiderstehlich ins Netz (88.). Durch den Wegfall der Auswärtstorregel ging es dementsprechend in die Verlängerung.

Schwindende Kräfte in der Verlängerung

Das Bild in der ersten Hälfte der Verlängerung blieb ähnlich. Fenerbahçe war am Ball, musste aber der Unterzahl Tribut zollen und beim Schiedsrichter saßen auch weiterhin die Gelben Karten locker – meist zu Ungunsten der Hausherren. So hieß es nach 100 Minuten sieben zu sechs nach gelben Kartons, einzig eine klare Linie war bei der Verwarnungswut nicht zu erkennen. Fenerbahçe wurde jetzt merklich müder und ließ die Ukrainier häufiger gewähren. Diese kamen zu einigen Großchancen, blieben allerdings glücklos. So ging es mit 1:1 in die letzte Viertelstunde.

Nun gingen die „Kanarienvögel“ endgültig auf dem Zahnfleisch, hielten zu viel Abstand zu ihren Gegnern und mussten so schließlich den Knockout hinnehmen. Von links kam der Ball durch den gesamten Strafraum zu Karavaev und der eingewechselte Rechtsverteidiger zog ab. Bayındır bekam die Kugel nur noch hinter der Linie zu fassen (114.). Das Stadion verstummte und selbst die größten Optimisten merkten, dass sich ihr Team von diesem Nackenschlag nicht mehr erholen würde. So kam es dann auch. Zwar zeigten die Spieler viel Herz, am Ende konnten sie mit einem Mann weniger die Niederlage allerdings nicht mehr verhindern.

Foto: Burak Kara/Getty Images