Die „Schwarzen Adler“ sind seit 2016 und 2017 zu einer Hausnummer im europäischen Fußball herangewachsen. Die historische 0:6-Pleite in Kiew gilt als Meilenstein der heutigen Durchschlagskraft.

Als Beşiktaş vor gut einem Jahr völlig unerwartet und überzogen mit 0:6 gegen Dynamo Kiew verlor, konnte niemand ahnen, welchen Lernprozess die Kicker vom Bosporus durchlaufen würden. Der dritte Platz in der Königsklasse ebnete Beşiktaş den Weg in die Europa League und der türkische Meister scheiterte im Viertelfinale nur knapp an Olympique Lyon. Bis zu der sportlichen Zäsur hatte der türkische Meister etappenweise Zeichen gesetzt, doch zugegeben mangelte es auch oftmals an der psychologischen Stabilität, die eben viel Erfahrung voraussetzt. Grundlage hierfür ist wiederum die Ruhe, die trotz eines Gegentreffers schnell einkehren muss. Auf der größten Bühne des Weltfußballs haben Rotsünden und eklatante Torwartfehler nichts zu suchen. Derartige Nachteile trafen den Türken oft ins Mark.

Die Mischung und deren Führung macht’s aus

Nach dem teuer bezahlten Lehrgeld in Kiew durchlief Beşiktaş in dieser Champions-League-Saison aber eine stabile und absolut leistungsgerechte Gruppenphase. Gegen Porto, Monaco und Leipzig trat man dominant auf. Die internationale Erfahrung spürte man bei den Türken zum ersten Mal in der Klubgeschichte. Für dieses Niveau braucht man natürlich ausgereifte Spieler wie Pepe, Quaresma, Atiba Hutchinson, Babel oder Adriano. Fehlen dürfen für den Erfolg aber auch nicht „unerfahrene“ aber extrem gefährliche Spieler wie Talisca, Oğuzhan Özyakup, Tolgay Arslan und Cenk Tosun. Diese heterogene Truppe muss auch entsprechend zielorientiert geführt werden. Diese schwierige Aufgabe löst Meistertrainer Şenol Güneş sehr klug. Selbst Ersatzspieler wie Necip Uysal, Medel oder Negredo geben nicht die beleidigte Leberwurst, wenn ihr Trainer von Spiel zu Spiel rotiert.

Gewohnt zu siegen

Beşiktaş hat eindrucksvoll gelernt, den Stempel in internationalen Duellen aufzudrücken und ist zugleich eine sehr gereifte Mannschaft. Der Teamgeist stimmt und man hat verstanden, mit Rückständen oder gar bitterbösen Niederlagen richtig umzugehen. Seit der Saison 2016/17 traf Beşiktaş in Europa 33 Mal ins gegnerische Netz und verlor in 18 Europapokalspielen, davon sechs Auftritte in der Europa League, nur zweimal (gegen Dynamo Kiew und Olympique Lyon).

Nova für den türkischen Fußball

Der türkische Fußball erlebte dank dem achtungsvollen Auftritt der Schwarz-Weißen so manche Nova: Zum ersten Mal wurde ein türkischer Klub CL Gruppenerster und beendet die Gruppenphase ohne eine einzige Niederlage.