Beşiktaş-Boss Adalı mit klarer Ansage: Meisterschaft als einziges Ziel!

Schuldenabbau, Transfers und VAR-Kritik

Beşiktaş-Präsident Serdal Adalı hat sich bei HT Spor ausführlich zur Lage des Klubs geäußert. Dabei schlug der Klubchef sowohl versöhnliche als auch kämpferische Töne an. Neben der finanziellen Entwicklung sprach Adalı über Transferpläne, Zukunftsprojekte und übte deutliche Kritik am Schiedsrichterwesen.

Schulden reduziert – Fokus auf Zinsstopp

Serdal Adalı zeichnete zunächst ein klares Bild der Ausgangslage bei seinem Amtsantritt. Die Situation sei deutlich schlechter gewesen als erwartet, sowohl finanziell als auch strukturell. Beşiktaş habe mit rund 100 Millionen Euro Schulden sowie kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von über 90 Millionen Euro zu kämpfen gehabt, bei gleichzeitig ausbleibenden Einnahmen. In den vergangenen 16 Monaten habe der Klub jedoch rund 300 Millionen Euro gezahlt und die Bankschulden von 128 auf 50 Millionen Dollar gesenkt. Entscheidend sei nun, die enorme Zinslast zu stoppen. Zuvor habe Beşiktaş monatlich rund fünf Millionen Dollar an Zinsen gezahlt. "Ohne eine Lösung für die Zinsen bringt uns kein Projekt weiter", so Adalı.

Dikilitaş-Projekt als Schlüssel

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Dikilitaş-Projekt. Laut Adalı liegt ein Mindestgebot von rund 17 Milliarden Lira vor, wovon mindestens 8,5 Milliarden Lira an Beşiktaş gehen sollen. Bereits im April werden Einnahmen in Höhe von rund 2,1 Milliarden Lira erwartet. Mit diesen Mitteln will der Klub seine Schulden weiter reduzieren und langfristig komplett aus dem Bankenkonsortium aussteigen. Parallel dazu sind weitere Projekte geplant, um die wirtschaftliche Grundlage nachhaltig zu stärken.

Sponsoring und Einnahmen stabilisiert

Auch bei den Sponsoreneinnahmen und im Ausrüsterbereich sieht Adalı Fortschritte. Durch neue Vereinbarungen (unter anderem mit Tüpraş und Nike) konnte Beşiktaş zusätzliche Einnahmen generieren. Der Ausrüstervertrag bringe jährlich rund 2,6 Millionen Euro ein. Zudem setzt der Klub auf steigende Trikotverkäufe und optimierte Vertragsstrukturen. Insgesamt habe sich die finanzielle Lage stabilisiert, auch Gehaltszahlungen seien aktuell kein Problem mehr.

Klare Ansage: Meisterschaft als Ziel

Im sportlichen Bereich stellte Adalı klar, dass die kommende Saison ganz im Zeichen des Titelkampfs stehen soll: "Unser einziges Ziel nächste Saison wird die Meisterschaft sein." Gemeinsam mit Trainer Sergen Yalçın und Sportplaner Serkan Reçber werde intensiv am Kader gearbeitet. Mindestens fünf Transfers seien geplant. Bedarf sehe der Klubchef insbesondere auf dem linken Flügel, auf der Linksverteidigerposition sowie in der Innenverteidigung. Auch im Tor könnte personell noch nachgelegt werden.

Einzelfälle und Transferstrategie

Zu einzelnen Spielern äußerte sich Adalı ebenfalls. El Bilal Touré soll nach Möglichkeit gehalten werden, Gespräche laufen. Orkun hob der Präsident besonders hervor und bezeichnete ihn als unverzichtbar. Grundsätzlich setzt Beşiktaş auf wirtschaftlich sinnvolle Transfers mit Entwicklungspotenzial. Spieler sollen ihren Marktwert steigern und langfristig Mehrwert bringen. Zudem unterstrich er, dass Transfers weiterhin im Einklang mit den UEFA-Regularien erfolgen müssten. Der Verein werde nur so handeln, dass die vorgegebenen wirtschaftlichen Grenzen nicht überschritten werden. Mit Blick auf die jüngere Transferpolitik verteidigte Adalı zugleich mehrere Entscheidungen der Vereinsführung. Er verwies darauf, dass Beşiktaş ohne Verkäufe in Höhe von 73 Millionen Euro keine Transfers im Gesamtvolumen von 130 Millionen Euro hätte realisieren können. Ziel bleibe, Spieler mit Entwicklungspotenzial zu verpflichten und wirtschaftlich sinnvoll zu agieren. Jeder Transfer müsse demnach sportlich und finanziell nachvollziehbar sein.

Deutliche Kritik an Schiedsrichtern

Klare Worte fand Adalı auch zur Schiedsrichter-Thematik. Seiner Ansicht nach habe Beşiktaş durch Fehlentscheidungen rund 20 Punkte verloren. Vor allem die fehlende Einheitlichkeit und die Arbeit des VAR kritisierte er scharf. "Es gibt keinen Standard", erklärte der Präsident und stellte infrage, ob sich der türkische Fußball unter den aktuellen Strukturen weiterentwickeln könne. Besonders scharf fiel seine Kritik am MHK aus. In der derzeitigen Konstellation werde der türkische Fußball keinen Schritt nach vorne machen, erklärte Adalı. Gleichzeitig stellte er klar, dass seine Kritik sich nicht gegen junge Schiedsrichter richte, sondern gegen ein System, das aus seiner Sicht nicht verlässlich und nicht gerecht funktioniere.

Ausblick: Umbau und Angriff

Abschließend machte Adalı deutlich, dass sich Beşiktaş in einer entscheidenden Phase befindet. Der Klub arbeite gleichzeitig an finanzieller Stabilität und sportlicher Wettbewerbsfähigkeit. Die Richtung sei klar: Schulden abbauen, Einnahmen steigern und mit einem gezielt verstärkten Kader in der kommenden Saison voll auf den Titel gehen. Der Präsident zeichnete das Bild eines Vereins, der wirtschaftlich handlungsfähig werden und sportlich schnellstmöglich wieder in den Titelkampf zurückkehren will.