MADRID, SPAIN - SEPTEMBER 08: Arda Guler is awarded the 2025/26 UEFA Champions League Revelation of the Season award before the UEFA Champions League 2026/27 League Phase MD1 match between Real Madrid C.F. and FC Internazionale Milano at Estadio Santiago Bernabeu on September 08, 2026 in Madrid, Spain. (Photo by Angel Martinez/Getty Images)

Wegen Arda Güler: Kritik aus Spanien an Real-Coach José Mourinho

Türke durfte unter Mourinho bislang nicht einmal durchspielen

Der Umstand, dass Arda Güler für Real Madrid unter dem neuen Cheftrainer José Mourinho scheinbar einfach nicht über 90 Minuten ran darf, sondern entweder stets ausgewechselt wird, oder von der Bank kommt sorgt nicht nur unter türkischen Medien für Aufsehen, auch in Spanien wird diese Personalpolitik des Portugiesen kritisiert. 

Beim Auftaktspiel der neuen Champions-League-Saison für Real Madrid, wo die "Königlichen" zuhause auf Inter Mailand trafen und am Ende mit 2:1 gewinnen konnten, gab es vorab zwei Ehrungen: Kylian Mbappé erhielt die Auszeichnung als Torschützenkönig der abgelaufenen CL-Saison und Arda Güler erhielt den Preis für die Wahl zum "Durchstarter der Saison" in der "Königsklasse". Er selbst durfte das Spiel gegen Inter aber aufgrund einer Rot-Sperre nur von der Tribüne aus verfolgen. Dennoch stellt man sich die Frage, warum Arda Güler, wenn er spielen darf, unter José Mourinho nie über die vollen 90 Minuten eingesetzt wird. Nicht nur das LIGABlatt hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt, auch in den spanischen Medien wird dieser Umstand zunehmend kritisiert.

Arda-Auswechslung habe zur Niederlage gegen Betis Sevilla geführt 

Der aus Barcelona stammende Sportjournalist Xavier Bosch hat in einem Artikel für die "Mundo Deportivo" harsche Kritik an José Mourinho für dessen Umgang mit Arda Güler geäußert. Hierbei bezog sich der 59-Jährige vor allem auf das Spiel von Real Madrid gegen Betis Sevilla, wo der spanische Rekordmeister am Ende mit 0:1 verlor, Arda Güler aber dennoch der beste Mann auf dem Platz war. In der 64. Spielminute hatte Mourinho den jungen Türken für Neuzugang Yan Diomande ausgewechselt, woraufhin das offensive Kreativspiel der "Blancos" zum Erliegen kam.

Laut Bosch habe Arda Güler das Spiel seiner Mannschaft gegen dirigiert und gleich mehrere Großchancen eingeleitet. Je länger die Partie aber andauerte und es noch immer 0:0 stand, hätte José Mourinho den Drang verspürt, personell agieren zu müssen, um frischen Wind ins Spiel zu bringen. Da jedoch Kylian Mbappé und Vinícius Júnior "unantastbar" seien, sei Arda Güler einmal mehr das Bauernopfer gewesen. Zwar kam Diomande in die Partie, die Wende brachte der ehemalige Leipziger aber nicht – im Gegenteilt: Wie Bosch analysiert, sei so der belebende Funke verlorengegangen, den ein Arda Güler durch seine "Eleganz" und seine "Spielintelligenz" mit sich brächte. Dann erzielte Betis das 0:1 und Mbappé verschoss spät noch einen Elfmeter. So kam letztlich diese "unnötige" Niederlage zustande. Die Auswechslung Gülers sei für den Journalisten ein herber Fehler gewesen, den der Hauptstadt-Klub teuer bezahlen musste.

Mourinhos Umgang mit Güler zeigt ein Muster 

Xavier Bosch meint im Umgang José Mourinhos mit Arda Güler und dessen Einfluss aufs Real-Spiel ein Muster zu erkennen, da auch im Spiel gegen Espanyol Barcelona, wo der 21-Jährige das zwischenzeitliche 1:0 von Jude Bellingham mustergültig vorbereitete, sei Arda Güler der beste Mann auf dem Platz gewesen, doch auch hier nahm Mourinho Güler in der 64. Spielminute beim Stand von 1:1 für Yan Diomande runter. Den Madrilenen gelang der Siegtreffer durch Carlos Espí erst in der Nachspielzeit. Arda Güler hätte von seinen Leistungen her keinen Grund geliefert, ausgewechselt zu werden, doch auch hier sei es einmal mehr so, dass die Starspieler Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und Jude Bellingham nicht angerührt werden dürften, da es sonst Ärger in der Kabine gäbe. Mit dem "jungen, bescheidenen Arda" könne man es aber ja machen. Im LaLiga-Spiel gegen den FC Málaga war Arda Güler erst kurz vor Schluss eingewechselt worden, doch hatten ihm die drei Minuten auf dem Platz gereicht, um noch sein erstes Saisontor zu erzielen, das er dabei durch einen Tollen Pass in die Spitze sogar noch selbst einleitete.

Real Madrid muss aufs "Leistungsprinzip" setzen 

Diese Personalpolitik, die nicht auf Leistung, sondern auf "Ego" und "Standing" der Stars beruhe, sei laut Bosch für Real Madrid und deren Anspruch an sich selbst ein Armutszeugnis. Wenn man den sportlich besten Spieler immer wieder runternehme, nur um das fragile Ego der sonstigen Stars, die aber nicht so gut performen, wie der Ausgewechselte, zu streicheln, dann habe man ein gewaltiges Problem. Wenn Real dem FC Barcelona in der spanischen Meisterschaft ernsthaft gefährlich werden wolle, dann müsse auch bei den "Königlichen" das Leistungsprinzip gelten, wonach Arda Güler nicht mehr aus reinem Aktionismus heraus vorzeitig ausgewechselt werden dürfe. In Folge 37 des LIGABlatt-Podcasts "Süper Talk" haben die Redakteure Fatih und Ove zuletzt ebenfalls über die Situation von Arda Güler bei Real Madrid diskutiert und überlegt, was für den türkischen Nationalspieler das beste Vorgehen für die Zukunft wäre. Hört gerne einmal rein.

Foto: Angel Martinez / Getty Images