Galatasaray, Fenerbahçe oder Beşiktaş: Wer hat den stärksten Angriff?

Der große Istanbul-Check – Teil 1

Das Transferfenster in der Türkei ist geschlossen, die Kader für die erste Saisonhälfte stehen fest. Gerade in der Offensive haben Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş kräftig aufgerüstet. Während der Meister inzwischen sogar Rafael Leão neben Victor Osimhen und Leroy Sané aufbieten kann, setzt Fenerbahçe auf Mason Greenwood und Romelu Lukaku. Beşiktaş schickt Dušan Vlahović, Leandro Trossard und Václav Černý ins Titelrennen. Doch welcher der drei Istanbuler Klubs besitzt den stärksten Angriff? LIGABlatt-Redakteur Jan-Niklas Borgmann macht in dieser dreiteiligen Reihe den großen Check!

Galatasaray: Eine Offensive ohne erkennbare Lücke

Victor Osimhen bleibt der wichtigste Fixpunkt im Angriff von Galatasaray. Der Nigerianer verbindet Geschwindigkeit, körperliche Präsenz und Abschlussstärke und ist als kompletter Mittelstürmer weiterhin das Maß aller Dinge in der Süper Lig. Die Besetzung der beiden Flügel fällt inzwischen ähnlich spektakulär aus. Rafael Leão bringt seine Dynamik und Stärke im direkten Duell über die linke Seite ein, während Leroy Sané bevorzugt von rechts nach innen ziehen kann. Galatasaray hat damit eine mögliche Angriffsreihe zusammengestellt, die sich auch im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann.

Mindestens ebenso bemerkenswert ist die Qualität dahinter. Yunus Akgün kann auf beiden Flügeln oder in einer zentraleren Rolle eingesetzt werden. Barış Alper Yılmaz bringt Wucht, Tempo und Flexibilität mit, Roland Sallai arbeitet intensiv gegen den Ball und kann mehrere Positionen übernehmen. Mit Can Armando Güner besitzt Okan Buruk außerdem ein vielversprechendes Talent für die offensiven Außenbahnen.

Kurz vor dem Ende der Transferperiode kam mit Deniz Gül noch eine wichtige Ergänzung hinzu. Der 22-Jährige ist ein echter Mittelstürmer und kann Osimhen entlasten. Damit wurde die größte Schwachstelle der vorherigen Kaderplanung beseitigt. Galatasaray muss im Falle eines Ausfalls nicht mehr zwangsläufig einen Flügelspieler oder eine falsche Neun ins Zentrum verschieben. Der Klub führt Deniz Gül inzwischen gemeinsam mit Osimhen, Leão, Sané und den weiteren Offensivspielern im endgültigen Kader. Okan Buruk muss nun vor allem die richtige Balance finden. Leão, Osimhen und Sané sind allesamt Spieler, die Freiheiten und zahlreiche Ballkontakte benötigen. Funktioniert die Rollenverteilung, verfügt Galatasaray allerdings über die beste erste Angriffsreihe und zugleich eine außergewöhnlich starke Bank.

Galatasaray – 10/10

Fenerbahçe: Enorme Auswahl trotz des Talisca-Abgangs

Auch Fenerbahçe besitzt weiterhin eine Offensive voller Unterschiedsspieler. Mason Greenwood kann über die rechte Seite kommen, ins Zentrum ziehen und mit beiden Füßen abschließen. Auf der gegenüberliegenden Seite bietet Kerem Aktürkoğlu Tempo, Tiefenläufe und direkte Torgefahr. Im Sturmzentrum haben die Gelb-Marineblauen zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten. Vedat Muriqi kennt die Liga, arbeitet viel für seine Mitspieler und ist insbesondere bei Flanken sowie langen Bällen wertvoll. Romelu Lukaku bringt noch mehr internationale Erfahrung und körperliche Präsenz mit. In Bestform kann der Belgier gegnerische Abwehrreihen beinahe allein beschäftigen.

Marco Asensio kann als Verbindungsspieler hinter dem Mittelstürmer agieren. Dorgeles Nene, Oğuz Aydın und İrfan Can Kahveci verschaffen dem Trainer weitere Alternativen für die Flügel und Halbräume. Fenerbahçe kann seine Offensive damit je nach Gegner unterschiedlich ausrichten und besitzt im Sturmzentrum sogar die größere personelle Absicherung als Galatasaray. Der kurzfristige Abschied von Anderson Talisca schwächt diese Auswahl allerdings. Der Brasilianer verließ den Klub unmittelbar vor dem Transferschluss im gegenseitigen Einvernehmen. Damit verliert Fenerbahçe einen Spieler, der in der vergangenen Saison 27 Tore in 45 Pflichtspielen erzielte und auch in der laufenden Spielzeit bereits fünfmal getroffen hatte.

Ohne Talisca fehlen zusätzliche Abschlussstärke aus dem offensiven Mittelfeld, gefährliche Distanzschüsse und eine mögliche zweite Spitze. Fenerbahçes Angriff bleibt in der Breite hervorragend besetzt. Bei der Qualität der bestmöglichen Dreierreihe haben die Gelb-Marineblauen gegenüber Galatasaray jedoch das Nachsehen.

Fenerbahçe – 9,0/10

Beşiktaş: Deutlich stärker und wesentlich variabler

Beşiktaş hat seinen Angriff beinahe vollständig neu aufgestellt. Dušan Vlahović ist die klare Nummer neun und soll im Strafraum für die Tore sorgen. Der Serbe bietet Abschlussstärke, Physis und eine Präsenz, die den Schwarzen Adlern in der vergangenen Saison häufig fehlte. Leandro Trossard kann von der linken Seite kommen, sich zwischen den Linien bewegen oder selbst als zweite Spitze agieren. Auf rechts bringt Václav Černý seinen direkten Zug zum Tor ein. Damit besitzt Beşiktaş erstmals seit längerer Zeit eine offensiv ausgewogene erste Besetzung, bei der die einzelnen Spielertypen erkennbar zusammenpassen.

Mit Ernest Poku kam zudem ein schneller und entwicklungsfähiger Außenbahnspieler von Bayer Leverkusen. Beşiktaş sicherte sich eine Leihe mit bedingter Kaufoption. Beşiktaş Milot Rashica bleibt eine erfahrene Alternative, während Hyeon-gyu Oh und Semih Kılıçsoy weitere Optionen für das Sturmzentrum darstellen. Der endgültige Klubkader bestätigt, dass Beşiktaş auf den offensiven Positionen nun wesentlich breiter besetzt ist. Im direkten Vergleich mit den beiden Rivalen fehlt es hinter der ersten Reihe allerdings noch an derselben außergewöhnlichen Qualität. Poku ist zunächst eine Wette auf seine weitere Entwicklung, Rashica hat seine beste Form zuletzt nicht konstant erreicht und weder Oh noch Semih befinden sich auf dem Niveau von Vlahović.

Beşiktaş kann Galatasaray und Fenerbahçe offensiv deutlich gefährlicher werden als in der Vorsaison. Über eine komplette Spielzeit bleibt der Abstand bei individueller Klasse und Kadertiefe dennoch sichtbar.

Beşiktaş – 8,5/10

Galatasaray setzt sich an die Spitze

Fenerbahçe besitzt mit Greenwood, Kerem, Lukaku, Muriqi und Asensio weiterhin enorme Qualität und besonders viele unterschiedliche Möglichkeiten. Der Abgang von Talisca hat die Offensive kurz vor dem Transferschluss jedoch geschwächt. Beşiktaş hat mit Vlahović, Trossard und Černý eine vielversprechende erste Angriffsreihe zusammengestellt und seine Alternativen erweitert. Im Vergleich mit den beiden Titelrivalen fehlt aber noch etwas individuelle Klasse.Den stärksten Angriff besitzt Galatasaray. Leão, Osimhen und Sané bilden auf dem Papier die gefährlichste erste Reihe. Yunus, Barış Alper und Sallai sorgen für hochwertige Alternativen, während Deniz Gül nun auch die Rolle als zweiter Mittelstürmer übernehmen kann. Damit besitzt der Meister offensiv kaum noch eine erkennbare Lücke.