Der dritte WM-Tag hatte es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Neben einem zu erwartenden, aber knappen Favoritensieg von Schottland, stolperten mit der Schweiz und der Türkei gleich zwei europäische Nationen. Mit der Partie zwischen Brasilien und Marokko bekamen die Zuschauer das erste Top-Spiel zu sehen, wobei die "Seleção" Vieles vermissen ließ. Das LIGABlatt fasst die wichtigsten Momente des Tages zusammen.
Schottland schlägt Haiti knapp
Auf dem Papier zählte die Partie zwischen Schottland und Haiti zwar nicht unbedingt zu den Leckerbissen dieser WM. Dennoch trafen zwei Teams aufeinander, die nach langer WM-Abstinenz sich wieder auf der größten Fußballbühne präsentieren durften und entsprechend motiviert in die Partie gingen. Die Schotten übernahmen die Initiative und wurden ihrer Favoritenrolle gerecht, wobei Haiti sich keineswegs versteckte und aufopferungsvoll dagegenhielt. Für den goldenen Treffer des Abends sorgte der Schotte McGinn mit einem abgefälschten Schuss (28.). Gegen keineswegs überzeugende Schotten fehlte es Haiti letztlich an Qualität und Zielstrebigkeit im letzten Drittel, weshalb der knappe Auftaktsieg auch in Ordnung ging.
Katar bestraft fahrlässige Schweiz spät
Die erste große Überraschung des Turniers bekamen die Zuschauer im Levi’s Stadium von Santa Clara zu sehen. Gegen den Außenseiter aus Katar ging die von Kapitän Granit Xhaka angeführte Schweiz als klarer Favorit ins Spiel und lenkte die Partie durch das Elfmetertor von Embolo (16.) auch früh in die richtige Bahn. Die Eidgenossen drängten auf die Vorentscheidung im Spiel und erspielten sich gleich mehrere hochkarätige Chancen, verzweifelten aber immer wieder am hervorragenden Katar-Keeper Abunada. Das Ausbleiben des zweiten Treffers rächte sich dann in der Nachspielzeit, als die Schweizer aus dem Nichts eine Flanke in den Strafraum nicht klären können. Im direkten Duell gegen Khoukhi hatte HSV-Profi Muheim das Nachsehen und bugsierte das Leder unglücklich ins eigene Netz (90.+5). Für die katarischen Spieler und Fans gab es dann kein Halten mehr, zumal die vom ehemaligen spanischen Nationalcoach Julen Lopetegui trainierte Nation den ersten Punkt der WM-Geschichte bejubeln durfte. Die Schweiz hingegen wurde spät geschockt und steht vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Bosnien und Herzegowina bereits jetzt mächtig unter Druck.
Brasilien noch mit Fragezeichen
Im ersten Topspiel der WM trafen Brasilien und Marokko im MetLife Stadium in New York aufeinander. Während die Fans ein Spiel auf Augenhöhe erwarteten, hatte Marokko die größeren Spielanteile und dominierte vor allem im ersten Durchgang die Partie mit technisch hochwertigem Fußball. So bestraften die Marokkaner die Tempo-Defizite der brasilianischen Abwehr mit dem Saibari-Führungstreffer in der 21. Spielminute. Die Brasilianer agierten über weite Strecken fahrig und mit vielen Ungenauigkeiten im Spielaufbau, weshalb man zu keinem Zeitpunkt wirklich ins Spiel fand. Die "Seleção" brauchte eine Einzelaktion des Superstars Vinicius Junior (32.), um letztlich zu einem unter dem Strich glücklichen Punktgewinn zu kommen. Auf die Ancelotti-Truppe wartet noch eine Menge Arbeit, wohingegen Marokko einmal mehr unter Beweis stellte, dass der Status der Überraschungsmannschaft aus der vergangenen WM Geschichte ist, und man sich nun als ernstzunehmende Top-Nation etabliert hat.
Türkei scheitert am australischen Bollwerk
Nach 24 Jahren kehrte die Türkei wieder auf die WM-Bühne zurück, und erlebte im BC Place Stadium in Vancouver einen Abend zum Vergessen. Bereits vor der Partie warnte Montella vor den sehr physisch agierenden Australiern. Gegen die tiefstehende, disziplinierte Verteidigung fand die Montella-Truppe offensiv zu wenig Lösungen. Wenn es mal gefährlich wurde, so fand man den Meister im hervorragend parierenden Keeper Beach. Die Australier beschränkten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf ihr Umschaltspiel, was mit dem Führungstreffer durch Irankunda (27.) auch perfekt aufging. Die Überraschung perfekt machte dann der Bundesliga-Profi vom St. Pauli Metcalfe mit einem Distanztreffer (75.). Die Türken konnten den Rückstand nicht mehr wettmachen und mussten die bittere Auftaktniederlage hinnehmen. Im zweiten Gruppenspiel gegen Paraguay ist die "Milli Takım" am kommenden Samstag (5.00 Uhr MESZ) zum Siegen verdammt, um die Chance auf das Weiterkommen in Gruppe D zu wahren.
Foto: Stu Forster/Getty Images
