"Sei ein Mann oder geh" – Tonband-Leaks verschärfen Schiri-Skandal in Türkei!

Der Vorsitzende des Zentralen Schiedsrichterausschusses (MHK), Ferhat Gündoğdu, soll einem Schiedsrichter angedroht haben, seine Karriere mutwillig zu beenden, sollte er weiterhin kritisch gegenüber der Organisation eingestellt sein. Geleakte Tonbandaufnahmen offenbaren dabei auch, welchen Druck Gündoğdu ausüben soll.

Die nächste Wendung im nicht endenden und sich immer weiter drehenden Schiedsrichter-Skandal im türkischen Fußball. Im Zuge der aktuellen Ermittlungen der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft gegen den Zentralen Schiedsrichterausschuss wurde nun eine Audioaufnahme entdeckt, in der der Vorsitzende des Komitees, Ferhat Gündoğdu, massiven Druck auf Schiedsrichter Kerem Ersoy ausgeübt habe.

Die geleakte Sprachaufzeichnung – Gesamtlänge neun Minuten und 38 Sekunden – beginnt mit der Konfrontation des 41-jährigen Ersoys, wonach dieser von Gündoğdu wissen wolle, warum er seit längerer Zeit keine Spiele mehr zugeteilt bekommen würde. Der MHK-Boss reagiert daraufhin scharf und wirft Ersoy Machenschaften mit dessen Vater vor. Der Vorwurf: Die Ersoys (Vater Fahir war in seiner aktiven Zeit ein ranghoher Schiedsrichter) würden parallel ein eigenes Schiedsrichter-Netzwerk betreiben und dem vorhandenen Ausschuss damit massiv schaden. "Du führst etwas im Schilde, und trotzdem weise ich dir weiterhin Spiele zu", ist dabei von Gündoğdu zu hören, verbunden mit einer klaren Botschaft: "Entweder du bist ein Mann und reichst deinen Rücktritt ein und hörst mit dem Schiedsrichtern auf, oder du benimmst dich anständig."

MHK-Dasein sei "staatliche Pflicht"

Mehrmals ist in der Aufzeichnung zu hören, dass der MHK-Präsident damit droht, die Karriere des Schiedsrichters "sofort" zu beenden. Er allein könne demnach dafür sorgen. Die Überwachung des Zentralen Schiedsrichterausschusses über die Überparteiischen sei demnach eine "staatliche Pflicht". Zudem werde "jede seiner Bewegungen" überwacht. Ersoy antwortet wiederholt, dass er nicht wisse, wovon Gündoğdu überhaupt spreche, er in Spielen keine absichtlichen Fehler mache und grundsätzlich immer ehrlich agiere.

Gündoğdu wegen Verdachts des Mobbings und Urkundenfälschung bereits festgenommen

Die Tonaufnahme ist dabei nur eine von vielen in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Ermittelt wird demnach gegen Vorwürfe von Unregelmäßigkeiten bei Schiedsrichterprüfungen, Fehlverhalten bei der Schiedsrichterklassifizierung und -ernennung sowie auf Behauptungen über Mobbing gegen Schiedsrichter. Gündoğdu wurde im Rahmen einer Untersuchung der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft bereits festgenommen. Während die anderen acht Mitglieder des Zentralen Schiedsrichterkomitees (MHK) ihre Rücktrittsschreiben eingereicht haben, hat Gündoğdu dies noch nicht getan.