BURSA, TURKEY - SEPTEMBER 28: Merih Demiral of Turkiye reacts as Davide Frattesi of Italy (not pictured) celebrates scoring his team’s second goal with teammates during the UEFA Nations League 2026/27 group phase match between Türkiye and Italy at Atatürk Spor Kompleksi Matli Stadyumu on September 28, 2026 in Bursa, Turkey. (Photo by Ahmad Mora/Getty Images)

Fünf Erkenntnisse aus dem Türkei-Debakel in der Nations League

Nach vier Spielen in der A-Liga der Nations League ist der Abstieg aus eben derer für die türkische Nationalmannschaft bereits schon wieder vollbracht. Die teils deutlichen, teils unglücklichen Niederlagen gegen Frankreich, Italien und Belgien offenbarten viele Defizite, aber auch einen Lichtblick. Fünf Erkenntnisse von LIGABlatt-Redakteur Mario Herb. 

Die Türkei ist kein Top-Team

So manch türkischer Anhänger dürfte sich auf die erste WM-Teilnahme nach zuvor 24-jähriger Wartezeit etwas eingebildet haben, wurde aber bereits im Sommer dann schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Und in diesem Frühherbst hat sich der Eindruck nochmal bestätigt: Die Türkei verfügt zwar über individuelle Klasse, ist vom Status eines Top-Teams aber weit entfernt. Die Ergebnisse der vergangenen Tage zeigen, dass man in der europäischen Spitze nicht konkurrenzfähig und besser dort aufgehoben ist, wo man in der nächsten Nations-League-Ausgabe auch wieder zurückkehren wird: in der B-Liga.

Die blinde Suche nach der richtigen Formation 

Nach der verkorksten WM war das Trainerteam um Vincenzo Montella gewillt, das Spielsystem zu optimieren, sich zudem den Übergegnern anzupassen. Doch die eigentlich richtige Initiative geriet zur Taktik-Farce. In den Heimspielen gegen Frankreich und Italien spielte man – warum auch immer – im 5-4-1-System. Gegen Belgien kehrte Montella zum bewährten 4-2-3-1 zurück, um auswärts in Italien zum bis dahin völlig fremden 3-4-1-2-System zu wechseln.

Arda Güler alleine kann es nicht richten 

Die Verzweiflung war dem Mittelfeldstar vor allem bei der 0:3-Klatsche in Belgien anzumerken. Immer wieder versuchte der Linksfuß von Real Madrid das lahmende und ideenlose Spiel der Türken anzukurbeln, scheiterte aber vielfach an den nicht mitziehenden Mitspielern. Genervt und letztlich gehemmt wurde auch dessen eigene Leistung immer schwächer. Gegen Italien am Montag fehlte er dann gelbgesperrt, reiste deshalb auch vorzeitig von der Nationalmannschaft ab – und dürfte darüber zumindest nicht unglücklich gewesen sein.

Kein Stürmer darf keine Option mehr sein 

Mit Deniz Gül – mittelfristig auch Enes Ünal, der in der nächsten Länderspielpause wieder über ausreichend Spielpraxis verfügen dürfte – gibt es eigentlich klassische Sturmpersonalien im türkischen Kader. Dennoch ließ Montella erneut hybrid agieren, rotierte immer wieder offensive Mittelfeldspieler ins positionsfremde Sturmzentrum. Weder Yunus Akgün, noch Baris Alper Yilmaz und erst recht nicht Kerem Aktürkoglu konnten dort – wenig überraschend – überzeugen.

Charakter und Moral des Teams ist vorhanden

Der Lichtblick: Grundsätzlich lebt die Mannschaft. Und es wirkt auch nicht so, als würde sie gegen den Trainer spielen. Insbesondere im Rückspiel gegen Italien zeigte sich die Türkei in vielen Bereichen verbessert, scheiterte letztlich aber erneut an Konzentrationsfehlern und der miserablen Chancenverwertung. Und dennoch: Das Team, dem etliche Stars fehlten, zeigte eine couragierte, kämpferische und bis weilen auch spielerisch überzeugende Leistung.

Foto: Ahmad Mora / Getty Images