Am Freitagabend traf die Türkei am dritten Spieltag der Nations League in Lüttich auf Belgien. In einer Partie, in der beide Mannschaften lange Zeit auf Augenhöhe agierten, fehlte es den Türken allerdings an der nötigen Reife und der Kälte im Abschluss, weshalb man am Ende deutlich mit 0:3 unterlag. Wie gut die einzelnen Spieler der türkischen Nationalmannschaft dabei performten, erfahrt ihr in der LIGABlatt-Einzelkritik.
Uğurcan Çakır: Auf der Linie machte der Galatasaray-Keeper seine Sache insgesamt gut und parierte mehrere aussichtsreiche Abschlüsse. Mit dem Ball am Fuß jedoch wirkte der 30-Jährige nicht immer ganz sicher und war in der Strafraumbeherrschung etwas zu zögerlich. Bei den Gegentoren konnte Uğurcan Çakır aber jeweils nichts machen. (Note: 3)
Zeki Çelik: In der teilweise sehr löchrigen türkischen Defensive war der Juventus-Verteidiger noch wohl der stabilste Part, der seriös die Zweikämpfe bestritt, sich nicht so leicht abkochen ließ und kaum wirkliche Fehler machte. Wenn es aber mal schnell ging, brauchte der 29-Jährige aber manchmal etwas zu lange, um zu schalten und die Passwege zuzustellen. Die Pässe nach vorne waren dabei zudem von eher mäßiger Qualität. (Note: 3,5)
Merih Demiral: Erneut als Kapitän im Einsatz war der 28-Jährige um defensive Ordnung bemüht, doch die Absprache mit seinen Nebenleuten war mehrfach nicht gut. Gerade in der Anfangsphase, in der auch das 0:1 fällt, passte die defensive Zuordnung nicht. Zwar hatte der Mann, der bei Al-Ahli in Saudi-Arabien seine Brötchen verdient, einige gute Klärungsaktionen, in den Zweikämpfen wirkte er aber ab und an ungewohnt schläfrig, so auch beim 0:3, wo er Torschütze Romelu Lukaku völlig vernachlässigte. (Note: 5)
Abdülkerim Bardakcı: Der Routinier von Serienmeister Galatasaray zeigte sich zwar über die kompletten 90 Minuten sehr bemüht und versuchte phasenweise sogar offensiv für Gefahr zu sorgen, ließ dabei aber die nötige Präzision im Abschluss vermissen, hatte defensiv aber wirklich keinen guten Tag erwischt. Beim 0:1 ließ sich der 32-Jährige von Kevin De Bruyne düpieren und auch bei einigen anderen Chancen der Belgier sah er nicht gut aus. Durch seine eröffnenden Pässe versuchte Abdülkerim Bardakcı das Spiel zwar ab und an mal schnell zu machen, hatte dabei aber nur gemischten Erfolg. Der bezeichnendste Moment war jedoch der, als der Linksfuß in der 83. Spielminute ein Laufduell gegen den halb invaliden Romelu Lukaku sogar sehr deutlich verlor. (Note: 5)
Ferdi Kadıoğlu: Der Mann von Brighton & Hove Albion war Licht und Schatten in einer Person, wobei der Schatten am Ende wohl deutlich überwog. So war er auf seiner linken Seite enorm aktiv und schaltete sich auch mehrfach gekonnt ins Offensivspiel ein, hinten waren aber einige sehr unglückliche Momente dabei und hatte mit seinem Gegenspieler Dodi Lukebakio immer wieder Probleme. Zwar gewann der 26-Jährige die meisten seiner Zweikämpfe, wenn es aber besonders drauf ankam, verlor er sie. So sah der Linksverteidiger vorm 0:1 schon nicht gut aus und auch beim 0:3 konnte war er nicht eng genug an Charles De Ketelaere dran, dessen Hereingabe dann Torschütze Romelu Lukaku fand. (Note: 5)
Oğuz Aydın: Zwar viel unterwegs und immer anspielbereit, wusste der Mann von Fenerbahçe mit Ball am Fuß nicht allzu viel anzufangen und versäumte es mehrfach, sich bei Angriffen seiner Mannschaft in die richtige Position zu bringen. In den Zweikämpfen mangelte es dem 25-Jährigen an der nötigen Körperlichkeit. In der 66. Spielminute verließ Oğuz Aydın für İlhan Fakılı den Platz. (Note: 4)
Bartuğ Elmaz: Im zentralen Mittelfeld sehr aktiv, bot sich der 23-Jährige immer wieder an und versuchte durch seine Pässe für Ruhe im Spielaufbau zu sorgen, ging aber gerade nach vorne zu selten ins Risiko. Gegen den Ball zeigte sich der Fenerbahçe-Profi engagiert, musste sich aber sukzessive in die Partie hineinarbeiten. In der 73. Spielminute wurde Bartuğ Elmaz für Salih Özcan ausgewechselt. (Note: 3)
İsmail Yüksek: Als Abräumer im Mittelfeld machte der 27-Jährige seine Sache insgesamt ziemlich gut, führte enorm viele Zweikämpfe, von denen er die meisten auch gewann, und beruhigte mit seinen Pässen das Spiel. In Drucksituationen allerdings kam der Fenerbahçe-Spieler mehrfach nicht schnell genug zurück, was dem Gegner Räume bot. In der 85. Spielminute musste İsmail Yüksek dann für Demir Ege Tıknaz weichen. (Note: 3)
Kerem Aktürkoğlu: Ebenfalls sehr lauffreudig und praktisch überall auf dem Platz zu finden, bekam der Fenerbahçe-Angreifer keinen wirklichen Fuß in die Partie, konnte nur selten ins Kombinationsspiel eingebunden werden, bot keine Präsenz im Strafraum und konnte auch nicht durch Abschlüsse für Gefahr sorgen. Nach 66 Minuten war für den 27-Jährigen dann Schluss und er wurde durch Deniz Gül ersetzt. (Note: 5)
Arda Güler: Einmal mehr war der Star von Real Madrid der einzige wirkliche Lichtblick in einer ansonsten über weite Strecken überforderten türkischen Mannschaft. Praktisch jede Offensivaktion ging über ihn und vor allem durch seine Standards konnte der 21-Jährige immer wieder für Gefahr sorgen. Im Dribbling war kaum zu stoppen und auch seine Steckpässe sorgten für Gefahr. Selbst in der Arbeit gegen den Ball gehörte der Spielmacher zu den Besten und konnte viele Bälle im Mittelfeld zurückerobern, um dann eigene Chancen einzuleiten. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Arda Güler nicht immer die beste Entscheidungsfindung hatte und zu oft versuchte, die Dinge allein zu lösen. Wollte er hingegen abspielen, brauchten seine Mitspieler häufig zu lange, um sich in Position zu bringen. Allein kann eben auch kein Arda Güler ein Spiel gewinnen. (Note: 2,5)
Barış Alper Yılmaz: Der Angreifer von Galatasaray war durchgehend kein wirklicher Faktor, der weder durch seine Laufwege Räume für seine Mitspieler schuf, noch selbst durch Abschlüsse Gefahr ausstrahlte. Im Gegenpressen hingegen zeigte sich der 26-Jährige bemüht, hatte aber nicht immer Erfolg. Zur Pause blieb Barış Alper Yılmaz dann für Yunus Akgün in der Kabine. (Note: 5)
Yunus Akgün (ab Spielminute 46): Direkt nach der Pause hatte die Türkei eine gute Phase, was auch an der Einwechslung des Galatasaray-Angreifers lag. Je länger die Partie jedoch ging, desto mehr verpuffte dieser Effekt und dem 26-Jährigen gingen die Ideen aus. Vorm 0:2 wiederum schaffte es Yunus Akgün nicht, den Ball zu klären und verlor ihn an Kevin De Bruyne, der die das Leder dann traumhaft in den Winkel schlenzte. (Note: 4)
İlhan Fakılı (ab Spielminute 66): In den ersten Minuten nach seiner Einwechslung, brachte der Debütant tatsächlich guten Schwung mit und hatte selbst einen vielversprechenden Abschluss. Mit seinen Dribblings konnte der 20-Jährige zudem einige vielversprechende Situationen einleiten, doch fanden seine Hereingaben nicht den Mitspieler. Körperlich jedoch merkte man, dass İlhan Fakılı seinen belgischen Gegenspielern nicht das Wasser reichen konnte. (Note: 3)
Deniz Gül (ab Spielminute 67): Der lange Mittelstürmer sollte nach seiner Hereinnahme eigentlich für mehr Präsenz in der gegnerischen Box sorgen, doch wollte es ihm nicht gelingen. Bis auf einen lauf in den Strafraum, nach einem geschickten Zuspiel von Arda Güler, bei dem sich der 22-Jährige allerdings etwas verhedderte und zu weit nach außen abdrängen ließ, weshalb der Abschluss dann nur noch am Außennetz landete, hatte Deniz Gül keine einzige nennenswerte Aktion und wirkte die meiste Zeit eher wie ein Fremdkörper. (Note: 5)
Salih Özcan (ab Spielminute 73): Der Beşiktaş-Sechser machte seine Sache eigentlich sehr ordentlich, machte keine großen Fehler und blieb in den Zweikämpfen stabil. In der Absprache mit seinen Nebenleuten jedoch passte es nicht immer, weshalb Zuspiele manchmal nicht ankamen, oder defensiv die Zuordnung fehlte. (Note: 3,5)
Demir Ege Tıknaz (ab Spielminute 85): Der Mann von Sporting Braga kam in der Schlussphase, wo die Partie bereits entschieden war noch einmal rein, hatte aber keinen wirklichen Impact. Wegen der kurzen Einsatzzeit entfällt die Bewertung.
Foto: Ahmad Mora / Getty Images
