KOCAELI, TURKEY - SEPTEMBER 25: Players of Turkey remonstrate with referee Felix Zwayer after Ugurcan Cakır of Turkey is sent off after a VAR check shows he handled the ball outside the box during the UEFA Nations League 2026/27 group phase match between Türkiye and France at Kocaeli Stadium on September 25, 2026 in Kocaeli, Turkey. (Photo by Burak Kara/Getty Images)

0:1! Güler zaubert, Çakır fliegt – die türkische Nationalmannschaft in der Einzelkritik

Trotz eines insgesamt ordentlichen Auftritts viermal die Note fünf

Zum Auftakt der neuen Runde in der Nations League empfing die Türkei den WM-Halbfinalisten Frankreich. In einem insgesamt ordentlichen Spiel, in der man vor allem in der Arbeit gegen den Ball viel Engagement und Wille zeigte, verlor das Team von National-Coach Vincenzo Montella die Begegnung aber letztlich knapp mit 0:1. Wie gut sich dabei die einzelnen türkischen Akteure auf dem Platz schlugen, erfahrt ihr in unserer Einzelkritik. 

Uğurcan Çakır: Angesichts dessen, welche Offensivpower die Franzosen eigentlich im Kader haben, bekam die Nummer eins von Galatasaray erstaunlich wenig auf seinen Kasten, wenn, dann passte er auf; wie kurz vor der Pause, als er mit einer Monsterparade den Schlenzer von Michael Olise parierte. Hatte der türkische Schlussmann aber den Ball am Fuß, dann wurde es oft wackelig, indem er häufig eher unkontrollierte Pässe spielte, wie vorm 0:1, als Abdülkerim Bardakcı die unangenehm aufsetzende Kugel versprang. Sein unglückliches Highlight hatte Uğurcan Çakır in der 86. Spielminute, als er bei einem französischen Konter ungestüm herauskam und außerhalb des Strafraums den Ball an den Oberarm bekam, weshalb er mit Rot vom Platz gestellt wurde. (Note: 5)

Abdülkerim Bardakcı: Eigentlich machte der 32-Jährige seinen Job über weite Strecken sehr ordentlich, indem er konzentriert in die Zweikämpfe ging und durch seine eröffnenden Pässe versuchte, Chancen einzuleiten. Vorm 0:1 jedoch versuchte der Galatasaray-Innenverteidiger zu lässig die Kugel auf Can Uzun weiterzuleiten, was in einem fatalen Ballverlust führte, an dessen Ende Kylian Mbappé dann einnetzen konnte. (Note: 3,5)

Merih Demiral: An diesem Abend als Kapitän der Türken unterwegs, wurde der 28-Jährige dieser Ehre durch seinen kämpferischen Einsatz durchaus gerecht, indem er in den Zweikämpfen stabil blieb und sich mehrfach in gegnerische Abschlüsse warf, um diese abzublocken. Im Passspiel jedoch offenbarte der Mann von Al-Ahli seine Schwächen, indem er wiederholt den Ball in den Fuß der Gegenspieler spielte und so gegnerische Chancen ermöglichte. (Note: 3)

Zeki Çelik: Mal eher als Rechtsverteidiger und mal eher als rechter Part der Dreierkette unterwegs, war dies insgesamt ein überzeugender Auftritt des Juventus-Neuzugangs, indem er sowohl Kylian Mbappé als auch später Désiré Doué und Bradley Barcola weitestgehend ruhig stellte und viele wichtige Zweikämpfe gewann. Wenn es aber mal schnell nach vorne gehen sollte, bremste der 29-Jährige etwas zu oft ab, oder agierte im Gegenteil zu hektisch, was in unnötigen Ballverlusten mündete. (Note: 2,5)

Ferdi Kadıoğlu: In der ersten Halbzeit noch sehr auffällig, belief der Mann von Brighton & Hove Albion viel die linke Seite, um situationsabhängig in die Mitte zu ziehen und für Gefahr zu sorgen. So auch in der 28. Spielminute, als der 27-Jährige einen traumhaften Chipball von Arda Güler mit dem Hinterkopf an Frankreichtorhüter Mike Maignan vorbei zu mogeln, an diesem aber scheiterte. In der zweiten Hälfte dann wurde Ferdi Kadıoğlu, der nach der Hereinnahme von Eren Elmalı auf die rechte Schiene wechselte, immer unauffälliger, ließ in den Zweikämpfen nach und konnte dem Spiel seinen Stempel nicht aufdrücken. In der Nachspielzeit wurde er dann für zusätzliche Offensivgefahr durch Deniz Gül ersetzt. (Note: 3)

Salih Özcan: Im Klub hatte der Beşiktaş-Neuzugang in dieser Saison bislang noch nicht viele Auftritte, an diesem Abend jedoch war der ehemalige Bundesliga-Spieler von Anfang an hellwach und höchstmotiviert, indem er fast überall auf dem Platz zu finden war, Räume zu lief, Bälle abschirmte und wichtige Zweikämpfe gewann. Es war nicht zuletzt auch dem 28-Jährigen zu verdanken, dass die Offensive der Franzosen nicht so recht ins Rollen kommen wollte. Nur wenn es mal nach vorne ging und Pässe in die Spitze gebraucht wurden, machte Salih Özcan nicht unbedingt eine gute Figur und ließ im Passspiel die nötige Schärfe und Kreativität vermissen. (Note: 2,5)

İsmail Yüksek: Praktisch das Gleiche, wie bei Salih Özcan lässt sich auch über İsmail Yüksek sagen, nur eine Nummer schwächer. Der Fenerbahçe-Sechser versuchte, die Räume dicht zu machen und den Gegner durch Zweikämpfe zu stören, hatte dabei aber jeweils nur mäßigen Erfolg. Im Passspiel war es ebenfalls kein glorreicher Auftritt des 27-Jährigen. Dennoch konnte man diesem sein Bemühen nicht absprechen. (Note: 3,5)

Oğuz Aydın: Auf der rechten Schiene machte der Fenerbahçe-Spieler seine Sache sehr ordentlich, indem er weite Wege ging und immer wieder mit Arda Güler kreuzte, um so der Nummer zehn der Türkei Räume zu öffnen. Im Verbund mit Zeki Çelik hatte der 25-Jährige Kylian Mbappé über weite Strecken eigentlich gut im Griff, doch bei dessen Treffer zum 0:1 in der 54. Spielminute ließ er den Kapitän der Franzosen ziehen. Nach vorne sorgte Oğuz Aydın unterm Strich trotz seiner Bemühungen für wenig Gefahr. In der 76. Spielminute wurde er für Eren Elmalı ausgewechselt. (Note: 3)

Can Uzun: Zu Spielbeginn noch recht auffällig, indem der Frankfurter in einigen aussichtsreichen Positionen Bälle vorne festmachte, oder auch mal ein Dribbling versuchte, doch je länger die Partie ging, desto mehr tauchte er ab. Im gegnerischen Strafraum konnte der 20-Jährige für keine Gefahr sorgen und auch die Steckpässe wollten nur selten ihren Gegenspieler finden. Vorm 0:1 sah Can Uzun zudem alles andere als gut aus, indem er beim Ballverlust von Abdülkerim Bardakcı nicht nachsetzte und auch nicht das an der Stelle wohl nötige taktische Foul nicht zog. Nach 75 Minuten war dann Schluss für den Youngster und für ihn kam Kerem Aktürkoğlu in die Partie. (Note: 5)

Arda Güler: Mit der prestigeträchtigen Nummer zehn auf dem Rücken, strahlte der Mann von Real Madrid eben diese Qualität auch aus, indem er von Anfang an voran ging, tolle Pässe Spielte, erfolgreich ins Dribbling ging und praktisch an jeder Offensivaktion seiner Mannschaft direkt beteiligt war. In der 28. Spielminute spielte der 21-Jährige mit einem fantastischen Chipball auf den Kopf von Ferdi Kadıoğlu, der aber Frankreich-Schlussmann Mike Maignan nicht bezwingen konnte, oder schickte kurz darauf Barış Alper Yılmaz auf die Reise, der sich aber bei einem leichten Kontakt mit dem Gegenspieler lieber fallen ließ, als abzuziehen, weshalb die Chance verpuffte. In der zweiten Halbzeit drehte Arda Güler sogar noch mehr auf und war über weite Strecken der auffälligste Spieler auf dem Platz – ein Tor wollte aber weder ihm noch einem Mitspieler gelingen. (Note: 2)

Barış Alper Yılmaz: Durch Läufe in die Spitze sollte der 26-Jährige für Tiefgang sorgen, was zunächst auch aufzugehen schien. Je länger die Partie aber ging, desto mehr bekam Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano, der ein starkes Spiel machte, den Galatasaray-Angreifer in den Griff, der wiederum zunehmend mit dem Schiedsrichter haderte, oder abwinkte, anstatt weiter mit Elan anzulaufen. Nach der Roten Karte von Türkei-Torwart Uğurcan Çakır, war es dann Barış Alper Yılmaz, der in der 88. Spielminute für Ersatz-Keeper Altay Bayındır weichen musste. (Note: 5)

Eren Elmalı (ab Spielminute 76): Nach seiner Einwechslung konnte der Linksverteidiger tatsächlich zwei wichtige Bälle gewinnen und leitete damit Konter ein, die aber jeweils ohne Erfolg blieben. Dennoch zeichnete sich der 26-Jährige durch eine große Laufbereitschaft aus, auch wenn er von seinen beiden Balleroberungen keine nennenswerten Aktionen mehr hatte. Im Passspiel hingegen wirkte Eren Elmalı insgesamt zu hektisch und verlor auch mehrfach wieder die Kugel. (Note: 3)

Kerem Aktürkoğlu (ab Spielminute 76): War der Fenerbahçe-Angreifer überhaupt auf dem Platz? Nach seiner Einwechslung war der 28-Jährige von einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte abgesehen überhaupt nicht zu sehen und lief nur nebenher. Weder versuchte Kerem Aktürkoğlu durch Tiefenläufe für Gefahr zu sorgen, noch lief er den Gegner wirklich an, um so Fehler zu provozieren. (Note: 5)

Altay Bayındır (ab Spielminute 88): Aufgrund des Platzverweises von Stammkeeper Uğurcan Çakır, musste der Neuzugang von Celta Vigo, der in dieser Saison bis dahin noch ohne Pflichtspieleinsatz da stand, aus der kalten Hose auf den Platz und parierte den aus der Roten Karte resultierenden Freistoß souverän. Das war aber auch die einzige Szene, in der der 28-Jährige zu sehen war, weshalb aufgrund der kurzen Einsatzzeit auch eine Bewertung entfällt.

Melih Kabasakal (ab Spielminute 88): In den Schlussminuten kam der Trabzonspor-Sechser noch zu seinem Nationalmannschafts-Debüt und konnte sogar noch ein paar ordentliche Pässe spielen, aber auch hier lässt die kurze Einsatzzeit keine wirkliche Bewertung zu.

Deniz Gül (ab Spielminute 90+3): In den letzten Minuten noch als zusätzliche Offensivoption für Ferdi Kadıoğlu gekommen, hatte der Galatasaray-Stürmer aber nur einen Ballkontakt und konnte am Endergebnis nichts mehr ändern. Auch hier entfällt die Bewertung.

Foto: Burak Kara / Getty Images