Viel war geunkt worden vor dem Spitzenspiel der italienischen Serie A: Das defensiv bedachte System der Gäste aus Turin sei längst überholt. Die Schlüsselspieler wie Buffon oder Chiellini über ihrem Zenit. Und die Offensive um Gonzalo Higuain müsste schon einen Sahnetag erwischen, um gegen den Spitzenreiter etwas ausrichten zu können.

Auf der Gegenseite stand eben jener: Tabellenführer, ungeschlagen, mit Spielwitz und Offensivgeist ausgestattet, den zuletzt sogar Manchester Citys Trainer Pep Guardiola für einen medialen Ritterschlag aus der Reserve lockte. Nach der Begegnung mit Neapel sagte der ehemalige Bayern-Coach: „Das war eines der besten Teams, denen ich während meiner ganzen Karriere begegnet bin.“

Maurizio Sarri – der Hexenmeister verliert vorerst seinen Zauber

Als Bauherr des neapolitanischen Spitzenteams gilt Trainer Maurizio Sarri, der ähnlich akribisch wie Guardiola arbeitet. Neapel schaffte es in der bisherigen Saison durchgehend, Überzahlsituationen in der gegnerischen Hälfte zu schaffen, die dann durch quirlige und technisch beschlagene Spieler wie Dries Mertens, Lorenzo Insigne oder José Callejón ausgenutzt wurden.

Am gestrigen Abend allerdings, an dem Juventus früh durch Higuain in Führung ging und dann „Beton anrührte“, fand Neapel zu keiner Zeit so wirklich ins Spiel. Die alte Dame sorgte dafür, dass Neapel über kleinere Ansätze nicht hinaus kam und den Platz somit erstmals als Verlierer verlassen musste. Benatia, Chiellini und Co. entzauberten die Mannen von Maurizio Sarri. All jener Glanz, den Neapel erstmals in der Post-Maradona Ära wieder zu versprühen schien, war wie weggewischt.

Ein cleveres Juventus, das sich auf seine Grundtugenden berief und diese in Perfektion an den Tag zu legen wusste, entführte verdientermaßen drei Punkte aus dem San Paolo. Und es hinterließ viele fragende Gesichter am Fuße des Vesuv. Für Neapel gilt es die Lehren aus der Begegnung mit Juventus zu ziehen. Damit es am Saisonende nicht beim Lob großer Trainerlegenden bleibt, sondern endlich wieder Titel gefeiert werden in Süditalien.