Im dritten Spiel der Ära Jürgen Klopp traf die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagabend in der Münchner Allianz Arena auf Serbien. Mit einem souveränen 2:0 durfte der neue Bundestrainer seinen ersten Sieg einfahren, wie gut sich dabei aber seine Schützlinge schlugen, erfahrt ihr in der LIGABlatt-Einzelkritik.
Jonas Urbig: Der Bayern-Keeper durfte im eigenen Wohnzimmer sein Länderspieldebüt feiern, bei dem er allerdings fast gar nichts zu tun bekam. Lediglich ein Schuss ging auf seinen Kasten, den parierte er aber souverän. Mit dem Ball am Fuß wiederum machte Jonas Urbig seine Sache ordentlich, an der Sicherheit unter Druck muss der 23-Jährige aber noch arbeiten. (Note: 3)
Philipp Treu: Als einer der Gewinner aus dem 1:1 gegen die Niederlande bekam der Freiburger auch in dieser Begegnung wieder seine Chance und schloss nahtlos an seine gute Leistung an. Defensiv sehr sicher agierend, schob der 25-Jährige auf seiner rechten Seite immer wieder vor, um mit seinen Hereingaben für Gefahr zu sorgen. Wenn Florian Wirtz im Ballbesitz aus dem Mittelfeld weiter nach vorne ging, rückte Philipp Treu auch gerne mal ins Zentrum, um dort eine weitere Anspielstation im Aufbau zu bieten. Auch das machte der Rechtsverteidiger gut. (Note: 2)
Malick Thiaw: Als spielerisch eröffnender Part in der deutschen Innenverteidigung hatte Malick Thiaw vor allem in der Anfangsphase oft den Ball, wobei er mit seinen Diagonalpässen vor allem Derry Scherhant auf dem linken Flügel schickte. Tatsächlich erfüllte der Newcastle-Kapitän diesen Job mehr als nur solide. Defensiv wiederum stand der 25-Jährige von Anfang bis Ende sehr sicher und ließ fast gar nichts zu. (Note: 2)
Waldemar Anton: Als eher defensiverer Part in der Innenverteidigung unterstrich der Dortmunder seine gute Form der letzten Wochen. Hierbei wirkte der 30-Jährige vor allem defensiv sehr sicher und hatte einen wesentlichen Anteil daran, dass man endlich mal wieder zu null spielte. Im Passspiel nach vorne allerdings wirkte Waldemar Anton hier und da etwas unkonzentriert. (Note: 2,5)
Maximilian Mittelstädt: In der guten ersten Halbzeit der deutschen Mannschaft fiel der Stuttgarter leistungstechnisch noch etwas ab. Defensiv ließ sich der Linksverteidiger das eine oder andere Mal abkochen, in aussichtsreichen Momenten wählte er zudem den falschen Pass. Umso besser machte Maximilian Mittelstädt es dann in der 61. Spielminute, als er im Strafraum Florian Wirtz fand und so das 2:0 vorbereitete. Im Zusammenspiel sowohl mit Derry Scherhant als auch mit Said El Mala auf dem linken Flügel stimmten die Abläufe allerdings nicht immer. (Note: 2,5)
Tom Bischof: Der Münchner legte in seinem erst zweiten Länderspiel vor heimischer Kulisse einen starken Auftritt hin, bei dem er sich neben seiner Ballsicherheit vor allem auch durch seine Torgefahr auszeichnete. Immer wieder zog der 21-Jährige aus der zweiten Reihe ab und erhielt so den offensiven Druck aufrecht. In der 39. Spielminute stand Tom Bischof dann nach dem tollen Einsatz von Florian Wirtz goldrichtig und erzielte mit dem 1:0 sein erstes Länderspieltor. Nach 76 gespielten Minuten wurde der Mittelfeldmann durch den nächsten Debütanten, Mika Baur, ersetzt. (Note: 1,5)
Aleksandar Pavlović: Gegen das Heimatland seines Vaters spielend, war dies seit langer Zeit der beste Auftritt des Münchners im deutschen National-Dress. In seiner Rolle als tiefstehender Sechser, der gleichzeitig die Bälle verteilen als auch die gegnerischen Passwege zustellen sollte, machte der 22-Jährige seine Sache richtig stark. Insgesamt 123 Pässe brachte er zum Mitspieler und bestimmte so das Tempo. Am Strafraumrand lauernd sorgte Aleksandar Pavlović zudem durch seine Schüsse aus der zweiten Reihe sowie durch durch Pässe in die Spitze für Gefahr, so auch in der 39. Spielminute als er Florian Wirtz fand, dessen Pfostentreffer dann durch Tom Bischof verwertet wurde. Auch gegen den Ball war der Bayern-Profi aufmerksam und gewann wichtige Zweikämpfe. In der 88. Spielminute durfte sich der Sechser dann seinen wohlverdienten Applaus abholen und wurde für den spätberufenen Debütanten Vitaly Janelt ausgewechselt. (Note: 1,5)
Florian Wirtz: Der in den letzten Wochen und Monaten so viel gescholtene Liverpooler konnte an diesem Abend noch einmal zeigen, was für ein toller Kicker er ist. Diesmal nicht auf dem linken Flügel auf der Zehn, sondern eher als linker Achter agierend, hatte der 23-Jährige große Freiheiten und war praktisch überall auf dem Platz zu finden und nahm durch sein Passspiel situativ mal das Tempo raus oder machte es schnell. Vor allem im Zusammenspiel mit Serge Gnabry sah das richtig aus. Im Abschluss wirkte Florian Wirtz nicht immer ganz glücklich, leitete aber durch ein sehenswertes Tänzchen, mit anschließendem Pfostentreffer das 1:0 durch Tom Bischof ein. In der 61. Spielminute kam der Edeltechniker dann doch noch zu seinem Treffer, als er nach einem Mittelstädt-Zuspiel zunächst den Gegenspieler ins Nichts rutschen ließ und dann abgeklärt zum 2:0 einschob. (Note: 1)
Serge Gnabry: Das erste Mal in seiner Nationalmannschaftskarriere als Kapitän in der Startelf, bot der Münchner im heimischen einen guten Auftritt, bei dem er in der Offensive an vielen gefährlichen Situationen beteiligt war und vor allem mit Florian Wirtz eine gute Synergie entwickelte. Neben seinen kreativen Momenten zeigte der 31-Jährige auch Arbeitseifer gegen den Ball und blieb defensiv bissig. Das einzige, was man Serge Gnabry vorwerfen konnte, war seine mangelnde Chancenverwertung. Zur Pause blieb der Angreifer für Debütant Said El Mala in der Kabine. (Note: 2,5)
Derry Scherhant: In der Anfangsphase dieser Partie war der Debütant aus Freiburg der auffälligste Akteur auf dem Platz, dem zwar nicht alles gelingen wollte, der aber durch seine mutigen Dribblings, seine Hereingaben und seine Abschlüsse ein steter Unruheherd war und einfach Spielfreude verströmte. Auffällig war dabei vor allem, wie oft der 23-Jährige sich in aussichtsreichen Momenten den Ball erarbeiten konnte. Man merkte hier und da allerdings, dass die Abläufe noch nicht ganz saßen und das blinde Verständnis mit den Mitspielern etwas fehlte. In der 77. Spielminute ging der Flügelstürmer dann für Bambasé Conté vom Feld. (Note: 2,5)
Nick Woltemade: Das Glück ist einfach nicht mit dem großen Mittelstürmer, der sich zwar immer mal wieder gut fallen ließ oder durch interessante Pässe, seine Mitspieler einsetzte, im Abschluss aber keinen Erfolg hatte. In der 59. Spielminute MUSS der 24-Jährige vorm gegnerischen Tor völlig freistehend die Hereingabe von Philipp Treu über die Linie drücken, doch vollbrachte der ehemalige Stuttgarter das Kunststück, die Kugel tatsächlich aus wenigen Metern noch übers Gehäuse zu jagen. Hätte Nick Woltemade den gemacht, wäre dies ein sehr ordentlicher Auftritt gewesen, so war er mal wieder unglücklich. Zur 77. Spielminute ging auch der Juve-Profi vom Feld und für ihn kam Jonathan Burkardt in die Partie. (Note: 3,5)
Said El Mala (ab Spielminute 46): Zur Pause für Serge Gnabry gekommen, durfte der Kölner sein A-Länderspiel-Debüt feiern. Zwar wollte ihm nicht alles gelingen – vor allem das Zusammenspiel mit Maximilian Mittelstädt funktionierte nicht immer – dennoch agierte der Flügelstürmer mutig und suchte wiederholt das Dribbling und den Abschluss, auch wenn er keinen Treffer erzielen konnte. (Note: 3)
Mika Baur (ab Spielminute 77): Der Neuzugang von Celtic Glasgow kam unverhofft ebenfalls zu seiner Länderspielprämiere und ersetzte dabei Torschütze Tom Bischof. Tatsächlich machte der 22-Jährige seine Sache auch ordentlich, spielte ein, zwei gute Pässe und machte seine Sache defensiv sehr seriös. (Note: 2,5)
Bambasé Conté (ab Spielminute 77): Nach seiner Hereinnahme versuchte der Hoffenheimer durch Dribblings für zusätzliche Gefahr zu sorgen, die zwar nicht immer funktionierten, dennoch verschaffte er seinen Nebenleuten so Räume. Wenn der 23-Jährige dann noch den klugen finalen Pass spielt, dann kann das richtig gut werden. So waren Licht und Schatten dabei. (Note: 3)
Jonathan Burkardt (ab Spielminute 77): Für Nick Woltemade gekommen, hatte der Frankfurter keine Situationen, in denen er seine Qualitäten zeigen konnte, da er im gegnerischen Strafraum keine Zuspiele bekam. Trotzdem ging Jonathan Burkardt nach seiner Einwechslung sofort ins Gegenpressing und hinderte den Gegner am kontrollierten Spielaufbau. (Note: 3)
Vitaly Janelt (ab Spielminute 88): In der Schlussphase durfte der 28-Jährige dann doch noch sein spätes Länderspieldebüt feiern, doch wegen der kurzen Einsatzzeit entfällt die Bewertung.
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