Kann Galatasaray den verpatzten Start in der Champions League korrigieren?

Der Auftakt in die Champions League verlief für Galatasaray zu Beginn dieses Monats enttäuschend. Das Team von Cheftrainer Okan Buruk ging in Lissabon zwar früh in Führung, musste sich Sporting Lissabon nach drei Gegentreffern in Folge jedoch mit 1:3 geschlagen geben.

Es ist ein denkbar schlechter Start in eine ohnehin anspruchsvolle Champions-League-Saison für den türkischen Vertreter, der noch auf mehrere internationale Topklubs treffen wird. Da die Mannschaft auch in der heimischen Liga vor Herausforderungen steht und die Champions League Tipps von Experten und Sportwetten-Analysten kaum Anlass zur Zuversicht geben, stellt sich die Frage: Kann der Verein in der Königsklasse noch die Wende herbeiführen?

Wo die Fehler lagen

Galatasaray ging bereits in der fünften Minute durch ein Eigentor von Gonçalo Inácio in Führung, verspielte diesen Vorsprung jedoch im weiteren Spielverlauf. Geny Catamo erzielte in der 27. Minute mit einem präzisen Abschluss den Ausgleich, ehe der entscheidende Schaden nach der Pause entstand: Ismail Jakobs verursachte einen Strafstoß im eigenen Sechzehner, den Luis Suárez in der 57. Minute verwandelte. Sechs Minuten später erhöhte Rodrigo Zalazar per direktem Freistoß auf 3:1.

Die statistische Auswertung verdeutlicht die Probleme der Türken. Galatasaray verzeichnete 62 Prozent Ballbesitz und absolvierte 580 Pässe gegenüber 370 von Sporting, kam jedoch auf einen niedrigeren Expected-Goals-Wert (1,02 bei zehn Torschüssen im Vergleich zu Sportings 1,55 bei acht Torschüssen). Das Team hatte den Ball deutlich häufiger, erzeugte daraus aber zu wenig Gefahr, während gleichzeitig 53 Prozent der Zweikämpfe und 64 Prozent der Luftduelle verloren gingen.

Knapp eine Woche später traten bei der 0:4-Niederlage in der Liga gegen Trabzonspor viele dieser Schwächen erneut zutage. Diese taktischen Unzulänglichkeiten werden sich nicht von selbst lösen und erfordern gezielte Korrekturen, sofern Galatasaray in der Champions League konkurrenzfähig bleiben möchte.

Ein unbarmherziges Restprogramm

Der Spielplan gewährt der Mannschaft keine Eingewöhnungszeit. Am zweiten Spieltag empfängt Galatasaray den FC Barcelona, ehe die Auswärtsreise zu LOSC Lille ansteht. Anschließend gastieren der VfB Stuttgart und Aston Villa in Istanbul. Es folgen eine Auswärtspartie bei AEK Athen, ein Heimspiel gegen Feyenoord Rotterdam sowie der Abschluss der Gruppenphase bei Paris Saint-Germain.

Sporting entschied die Partie durch einen Strafstoß und einen Standardtreffer und nicht durch dauerhaften Druck aus dem Spiel heraus; die Offensivreihe von Barcelona agiert in beiden Bereichen jedoch noch effizienter. Lille, Stuttgart und PSG werden das Team vor jeweils unterschiedliche Aufgaben stellen, doch die Grundvoraussetzung für alle verbleibenden Spiele lautet: Galatasaray kann es sich nicht erlauben, Ballbesitz ohne Ertrag gegen hochkarätige Chancen des Gegners einzutauschen.

Drei Ansatzpunkte treten dabei besonders hervor. Erstens war der gegen Sporting verursachte Elfmeter die Folge eines unnötigen Fouls in einer gefährlichen Zone. Buruks Abwehrreihe benötigt im eigenen Strafraum mehr Disziplin gegen Gegner, die kaum zweite Chancen gewähren werden. Zweitens stellt die Nachlässigkeit bei der Zuordnung vor Zalazars Freistoß ein organisatorisches Problem dar, das im Training behoben werden kann – ein wesentlicher Faktor angesichts der Bedeutung von Standardsituationen im internationalen Wettbewerb.

Drittens – und dies ist der entscheidende Punkt – muss Galatasaray die Feldüberlegenheit in qualitativ hochwertige Abschlüsse ummünzen. Ten Versuche bei einem xG-Wert von 1,02 deuten eher auf verzweifelte Flanken als auf herausgespielte Chancen durch das Zentrum hin. Speziell gegen Barcelona und Stuttgart dürfte dieser Ansatz zu demselben Muster führen: viel Ballbesitz, aber wenig Zählbares.

Galatasaray verfügt über den Kader und die Qualität auf nationaler Ebene, um den Kurs zu korrigieren; in der Süper Lig belegt das Team nach wie vor den ersten Tabellenplatz. Das internationale Restprogramm bestraft jedoch genau jene Unkonzentriertheiten, die in Lissabon Punkte kosteten, und bietet keinen leichten Gegner, um ohne Aufwand Selbstvertrauen aufzubauen.