Gegen Gibraltar ließ die Türkei von Anfang an nichts anbrennen und erzielte mit einem 6:0 ein gutes Ergebnis gegen einen überforderten und dezimierten Gegner. Da zeitgleich Norwegen patzte, haben die Türken zumindest Platz zwei wieder in der eigenen Hand. Aktuell führen sie mit einem Tor vor dem Konkurrenten aus dem hohen Norden.

Gegen den krassen Außenseiter passte Stefan Kuntz sein Team an und setzte auf komplette Offensive: Çakır im Tor, Erkin, Demiral, Söyüncü und Çelik in der Abwehr, ein Mittelfeld ohne echten Sechser, bestehend aus Kökçü, Çalhanoğlu, Aktürkoğlu und Debütant Yılmaz sowie ein Doppelsturm mit Kapitän Yılmaz und Dervişoğlu sollten gegen Gibraltar nicht nur einen Sieg herausspielen, sondern auch das Torkonto aufbessern.

Diese Taktik zahlte sich bereits nach wenig mehr als zehn Minuten aus. Aktürkoğlu wuselte sich an vier Abwehrspielern vorbei durch den Strafraum und ließ Gästekeeper Dayle Coleing dann mit einem satten Schuss nur wenig Abwehrchancen (11.). Eine schöne Einzelleistung des Gala-Akteurs. Auch in der Folge liefen die Türken weiter an und bekamen dann Hilfe vom Gegner. Linksverteidiger Olivero hatte an der Seitenlinie Çelik zu Fall gebracht und Schiedsrichter Boyko eigentlich auf Einwurf entschieden. Dann allerdings griff der VAR ein und der Referee änderte seine Entscheidung um in grobes Foulspiel und Rote Karte. Eine extrem harte Entscheidung, die selbst die türkischen Spieler, die kaum protestiert hatten, überraschte. Das 2:0 ließ dennoch ein wenig auf sich warten, dann aber spielten die beiden Stoßstürmer einen sehenswerten Doppelpass im Strafraum und Dervişoğlu schloss unhaltbar ab (39.). Nun war der Bann endgültig gebrochen und das Duo legte nach: Yılmaz brachte den Ball vom rechten Flügel perfekt in die Mitte und sein junger Nebenmann musste nur noch einschieben (41.). Gibraltar hatte absolut nichts mehr entgegenzusetzen und war froh, als der schwache Unparteiische zur Pause bat.

Souveräne zweite Halbzeit

Zum zweiten Durchgang reagierte Kuntz auf die komfortable Führung und brachte mit Yılmaz und Müldür zwei junge Kräfte für Erkin und Çelik. 20 Minuten später schlug der Linksverteidiger von Beşiktaş einen Ball punktgenau in den Strafraum und fand dort Demiral, der auf 4:0 erhöhte (65.). Insbesondere aufgrund der Ereignisse in Norwegen schien dies auch extrem wichtig zu werden. Dann allerdings ging der Konkurrent im Parallelspiel doch in Führung, so dass die Türkei die Qualifikation nicht mehr in der eigenen Hand gehabt hätte. Den Spielern auf dem Platz war das egal und das 5:0 ähnelte dem Treffer davor. Erneut brachte Yılmaz einen Ball in die Mitte, der Abnehmer war dieses Mal allerdings der ebenfalls eingewechselte Dursun (81.). Und während Müldür einen wunderschönen Kopfball zum 6:0 versenkte, sprach sich wohl auch im Stadion die Nachricht herum, dass Norwegens Treffer zum vermeintlichen 1:0 wegen Abseits zurückgenommen worden war (84.). Das gleiche Schicksal widerfuhr zwar auch kurze Zeit später Dursun, das 6:0 könnte aber trotzdem reichen. Da Norwegen gegen Lettland trotz achtminütiger Nachspielzeit nicht über ein torloses Unentschieden hinauskam, rücken die Türken wieder auf Platz zwei. Nun kommt alles auf das Spiel in Montenegro an.