Zum Auftakt in die WM-Qualifikation hat die Türkei am Mittwochabend die Niederlande mit 4:2 im Olympiyat Stadyumu besiegt. Überragender Mann des Abends war Burak Yılmaz, der die "Oranje"-Elf mit einem Dreierpack (darunter ein direkt verwandelter Freistoß) praktisch alleine abschoss. In der Nachspielzeit hielt Torwart Uğurcan Çakir zudem einen Elfmeter. 

Eine der am meisten diskutierten Fragen hinsichtlich des Personals war vor dem Spiel: Auf wen würde Trainer Şenol Güneş im Tor setzen? Die Antwort hieß: Uğurcan Çakır. Vor dem Trabzon-Tormann verteidigten Umut Meras, Çağlar Söyüncü, Ozan Kabak und Zeki Çelik in einer Viererkette. Das Fünfer-Mittelfeld um Abräumer Okay Yokuşlu und den offensiver orientierten Yusuf Yazıcı, Hakan Çalhanoğlu, Ozan Tufan und Kenan Karaman wurde von der alleinigen Spitze Burak Yılmaz komplettiert.

70 Sekunden waren gespielt, da schoss die Niederlande erstmals in die Richtung von Uğurcan, der Schuss von Eindhovens Malen war aber weder hart noch platziert genug. Dennoch: Die "Milli Takım" hatte in der Anfangsviertelstunde durchaus damit zu kämpfen, ins Spiel zu finden, ging dann aber mit der ersten eigenen Torchance prompt in Führung: Am Ende eines Konters zog Burak (15.) aus circa 22 Metern mit dem linken Außenrist ab. De Ligt, der sich dem Schuss des Lille-Stürmers noch entgegenschmiss fälschte die Kugel mit dem rechten Unterarm unhaltbar für "Oranje"-Keeper Tom Krul ab – Glück für die Türkei! Auch in der Folge war die Niederlande das Team, das vor dem gegnerischen Tor eher zum Abschluss kam, dabei aber nicht mit der Effizienz der Türken zu überzeugen wusste. Nachdem Depay (29.) einen direkten Freistoß aus rund 20 Metern nur in die Mauer setzte, nutzte die "Milli Takım" auf der Gegenseite den Standard in Form eines Elfmeters zum nächsten Treffer: Nach einem Foul von Hollands Malen im eigenen Sechzehner an Okay, stellte sich Burak (34.) der Verantwortung und traf satt ins rechte Eck.

Rückfall zur alten Schwäche, dann trumpfen Burak und Uğurcan auf

Die Mannschaft von Şenol Güneş sah sich bereits mit dem komfortablen 2:0-Vorsprung in der Pause, als es nochmal knifflig wurde: Nach einer Ecke köpfte De Ligt (45.) an den Innenpfosten, wo der Ball in der Luft parallel zur Torlinie wegprallte, ehe Okay das Spielgerät per Flugkopfball klärt – die Uhr von Schiedsrichter Michael Oliver vibrierte nicht, folgerichtig war der Ball nicht hinter der Linie und die Türkei ging mit einem großen Durchatmen in die Halbzeit.

70 Sekunden waren es im ersten Durchgang bis der erste Schuss abgesetzt wurde, gerade einmal 30 waren es im zweiten Durchgang, bis Hakan Çalhanoğlu (46.) abzog – und traf. Beim Aufsetzer des Milan-Spielmachers aus 23 Metern halblinker Position gab Torwart Krul allerdings auch nicht die allerbeste Figur ab. Was der "Milli Takım" dann Mitte der zweiten Hälfte zum Verhängnis wurde, war auch bereits in den Länderspieljahren 2020 und 2021 das größte Manko: Der abrupte Leistungsabfall. Innerhalb kürzester Zeit brachten Klaassen (75.) und de Jong (76.) die "Oranje"-Elf wieder ran, wobei vor allem beim zweiten Treffer Uğurcan keine fehlerhafte, aber schlicht unglückliche Aktion bei einem Flankenball brachte. Mit dem Anbruch der Schlussviertelstunde war die Sorge berechtigt, die türkische Nationalelf würde unter dem plötzlich vorhandenen Druck der Niederländer einbrechen – dann kam abermals Burak (81.): Der beim OSC Lille nur noch als "Kral" (zu deutsch: König) betitelte Stürmer jagte einen Freistoß aus 20 Metern unhaltbar ins rechte obere Kreuzeck – die Entscheidung zu Gunsten der Türkei. Ein Highlight hatte dieses mehr als sehenswerte Auftaktspiel der WM-Qualifikation aber noch: Nach einem Foul von Ozan an de Ligt hielt Keeper Uğurcan (90.+3) den fälligen Elfmeter von Depay mit einer Glanzparade aufs linke Eck samt starker Reaktion im Nachfassen.

Mit dem 4:2-Heimsieg gegen die Niederlande, dem vermeintlich stärksten Gegner der Gruppe, hat die Türkei direkt ein Ausrufezeichen setzen können. Nächster Gegner in der WM-Qualifikation ist dann Norwegen am kommenden Samstag.