Eigengewächs, Legende, Publikumsliebling, seit Jahren unter den Top-Verteidigern der Welt – solch einen Spieler muss man halten, da sind sich alle einig. Aber um jeden Preis? In der wohl schwierigsten Situation, die es im Profifußball jemals gegeben hat? Die Zukunft von David Alaba beim FC Bayern scheint nicht mehr möglich zu sein. Warum? Weil dem Österreicher nichts wichtiger ist, als das Plus auf dem Konto. Ein Kommentar von LIGABlatt-Redakteurin Isabella Lößl.

Ob man im Juli 2008 ahnen konnte, was man sich da für ein Jahrhunderttalent aus Wien gesichert hatte? Ein gewisser David Alaba kam vor mehr als zwölf Jahren von Austria Wien in die Jugend des Rekordmeisters, heuerte bereits zwei Jahre später bei den Profis an. Nach einer kurzen Leihe nach Hoffenheim begann seine beispiellose Karriere bei den Münchnern. Seine Titelsammlung? Die besteht unter anderem aus neun deutschen Meisterschaften, sechs DFB-Pokalsiegen und natürlich dem doppelten Champions-League-Triumph. Obwohl er erst 28 Jahre alt ist, wirkt es, als spiele er seit Jahrzehnten stets von Anfang an. Defensiv ist er einer der besten Allrounder der Welt. Die linke Seite ist sein Zuhause, doch seit ungefähr einem Jahr macht er mit nur 1,80m im Zentrum auf sich aufmerksam. Die Fans lieb(t)en den Österreicher, eigentlich stand/steht er auf einer Ebene mit Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Solch einen Spieler verlieren? Das darf man sich eigentlich nicht erlauben. Störend ist jedoch das Wörtchen "eigentlich", denn seit einigen Monaten zeigen sich verhärtete Fronten. Auf der einen Seite steht die Welt vielerorts auf Grund der Corona-Krise still. Millionen Menschen sind zur Aufgabe ihrer Existenzen gezwungen, der Fußball befindet sich in der schwierigsten Situation seit seinem Bestehen. Es wird gebangt, gehofft und sich nach Normalität gesehnt. Auf der anderen Seite steht Pinhas Zahavi, seines Zeichens der Berater von David Alaba und der wohl härteste Hund im Geschäft. Er fordert: Macht meinen Klienten zum Spitzenverdiener. 20 Millionen pro Jahr? Das soll nicht reichen. Dass der FC Bayern vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen steht und eine Verpflichtung gegenüber tausenden Angestellten hat? Interessiert den Israeli nicht. Seit Monaten streiten die Parteien um einen neuen Vertrag. Gestern dann platzte die Bombe. Die Alaba-Seite hat auch das dritte Angebot der Münchner abgelehnt. Und die Bayern? Die zogen daraufhin alle Bereitschaften zurück. Alles sieht nach einem ablösefreien Abschied im Sommer aus.

Legende oder Söldner?

17 Millionen pro Jahr und das ganze bis 2026? Das sollen die Eckdaten des Angebots sein, das Alaba, oder besser gesagt sein Berater, abgelehnt hat. Auf Unverständnis stößt diese Handlung bei den Bayernfans schon lange nicht mehr, vielmehr regiert mittlerweile die Wut. Noch vor einem halben Jahr wurde Alaba heiß und innig geliebt. Mittlerweile schlägt ihm der Unmut entgegen, und das vollkommen zurecht. Wie es seinem Verein geht? Welch große Herausforderungen seine Fans in der Corona-Krise zu bewältigen haben? Es scheint ihn nicht im Geringsten zu interessieren. Interessant scheint nur die Tatsache zu sein, dass Manuel Neuer und Robert Lewandowski mehr Geld bekommen als er. Was viele Fans noch viel wütender macht: Alaba schickt einzig und allein seinen Berater vor, äußert sich mit keinem Wort zu seiner Zukunft an der Isar. Aus der einstigen Vereinslegende wird aktuell ein Söldner. Einer, der sich nicht für das Wohlbefinden seines Klubs interessiert und nur die Dollarzeichen in den Augen hat. Dass die Bayern einem wohlverdienten Spieler nicht den Wunsch nach einer neuen sportlichen Challenge verweigern, war bei Thiago ersichtlich. Ein Abschied voller Emotionen, Tränen und Wertschätzung, kein einziger Fan nahm den Spanier seine Entscheidung übel. Bei David Alaba jedoch sieht sie Sachlage gewaltig anders aus. Auch, wenn er heute beteuerte, gerne für seinen Klub zu spielen und in den Medien falsch dargestellt zu werden: Das Vertrauen in ihn ist gesunken bei der Anhängerschaft. Ob sich die Sache doch noch zum Guten wendet? Wirklich glauben kann man daran nicht mehr.

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images