Spätestens nach der empfindlichen Derbyniederlage haben sich die Vorzeichen für Fenerbahçe komplett geändert. Das Team muss nun dringend das Ruder herumreißen.

Vor knapp einem Monat sah die Welt in Kadıköy noch rosig aus. Man hatte den Nachbarn und direkten Konkurrenten Başakşehir 2:0 geschlagen und befand sich in Schlagdistanz zum ersehnten Platz 1. Doch statt eines Angriffs folgte der Absturz. Nur einen mickrigen Punkte holte man gegen Trabzonspor, Alanyaspor, Ankaragücü und Galatasaray zusammen. Die Konsequenz: Platz 6 und kaum noch eine reele Chance auf den Titel. Stattdessen muss es nun darum gehen, sich für die internationalen Wettbewerbe zu qualifizieren. Eine Teilnahme entspräche nämlich nicht nur dem Selbstverständnis der „Kanarienvögel“, sondern würde auch dringend benötigtes Geld in die Kasse spülen. Die nächste Chance auf eine Aufholjagd gäbe es am Samstag gegen Antalyaspor, aber selbst ein Spiel gegen den Tabellenelften ist aktuell kein Selbstläufer.

Eine Krise, viele Gründe

Die Gründe für die aktuelle Situation sind vielfältig. Spieler, Trainer und Funktionäre fühlen sich massiv und systematisch von Verband und den jeweiligen Schiedsrichtern benachteiligt. Richtig ist, dass Fenerbahçe einige Male Pech bei Entscheidungen des Referees hatte. Richtig ist aber auch, dass der 19-malige Meister längst nicht der einzige Verein ist, der mit den Unparteiischen hadert. Man hat das Gefühl, dass diese Diskussion nicht nur nichts bringt, sondern im Gegenteil, die Spieler teils geradezu lähmt und ablenkt. Denn (vermeintlich) falsche Pfiffe hin oder her: Fenerbahçe hat die spielerische Linie verloren. Gleich mehrere Leistungsträger durchlaufen eine Formkrise und der unausgewogene Kader kann diese nicht auffangen. Während im Mittelfeld ein Überangebot an Spielern ohne realistische Chance auf einen Stammplatz herrscht, stellt sich die Abwehr mittlerweile quasi alleine auf. Die Problemposition Linksverteidiger ist bekannt. Hier ist Kaldırım allein auf weiter Flur, da kein Ersatz verpflichtet werden konnte. Nun da Isla und Türüç gesperrt fehlen, wird es auch rechts hinten knapp. Dazu gibt es in der Zentrale nur noch zwei fitte Innenverteidiger und den glücklosen Jaílson. Dazu wird Ersun Yanal von türkischen Medien mittlerweile als Trainer auf Abruf gesehen. Wie man in dieser Konstellation wieder angreifen soll, ist aktuell noch schwer abzusehen. Wichtig wird jetzt sein, dass man aller Widrigkeiten zum Trotz in Antalya eine passende Antwort findet. Dann klappt es vielleicht auch mit der Aufholjagd.