Die Istanbul-Derbys sind immer Festtage und Höhepunkte für die türkischen Fußballfans. Am kommenden Samstag gilt das umso mehr. Für Beşiktaş und vor allem für Galatasaray geht es um alles.

Die „Löwen“ befinden sich in der ungeliebten Rolle des Verfolgers. Sechs Punkte sind es auf den Tabellenführer und immerhin noch ein Zähler auf Fenerbahçe auf Rang zwei. Der soll es am Ende mindestens werden, mit dem 23. Titel hingegen rechnen wohl nur noch die ganz großen Optimisten. Platz 2 allerdings würde die Möglichkeit bieten, in der nächsten Saison zumindest an der Qualifikation für die Champions League teilzunehmen, von der Genugtuung die „Kanarienvögel“ noch hinter sich zu lassen ganz abgesehen. Auch die werden gespannt auf das Derby am Samstag gucken und vielleicht insgeheim sogar ausnahmsweise den Gelb-Roten die Daumen drücken. Die Rechnung: ein Sieg für Galatasaray im Derby bliebe für Fenerbahçe folgenlos sofern sie ihre Partie in Ankara ebenfalls gewinnen. Gleichzeitig würde der Abstand auf den Tabellenführer auf machbare zwei Punkte schmelzen. Bei einem Unentschieden wäre aus Sicht der Gelb-Marineblauen nur wenig gewonnen. Galatasaray würde man zwar auf Abstand halten, die Distanz zu Beşiktaş bliebe allerdings immer noch groß.

Beşiktaş hat es selbst in der Hand

Und bei einem Sieg für den Tabellenführer würde man bei beiden Kontrahenten wohl schonmal die Gratulationssträuße bestellen. Nicht zuletzt mit dem 7:0 gegen Hatayspor haben die „Schwarzen Adler“ gezeigt, dass man im Titelrennen nicht auf Aussetzer hoffen sollte. Fünf Punkte Vorsprung und ein klar besseres Torverhältnis drei Spiele vor Schluss sorgen dafür, dass Beşiktaş sich eigentlich nur noch selbst schlagen kann. Das Traumszenario: ein eigener Sieg gegen Galatasaray und eine gleichzeitige Niederlage der Nachbarn aus Kadıköy. Käme man durch einen Derbysieg zur 16. Meisterschaft, wäre das wohl das Tüpfelchen auf dem i. Jeder Fußballfan in der Türkei wird jedenfalls am Samstag abwechselnd auf das Derby und nach Ankara gucken. Die Entscheidung in dieser verrückten Saison ist zum Greifen nah.

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