Der FC Liverpool muss gerade noch die bittere Viertelfinalniederlage im FA Cup gegen seinen langjährigen Erzrivalen Manchester United verdauen, denn erst durch einen Geniestreich von Amad Diallo und einem Last-Minute-Tors hat man sich geschlagen geben müssen, aber nicht nur aus diesem Ergebnis ist festzustellen – eine Tatsache, die den meisten Fans des FC Liverpool nicht gefallen wird, dass die Ära Jürgen Klopp an der Anfield Road zu Ende geht. Der Verein steht am Beginn von großen Veränderungen, die die nächsten Spielzeiten prägen werden.

Der charismatische deutsche Trainer, der nicht nur beim FSV Mainz und der Borussia aus Dortmund Nachhaltiges hinterlassen hat, kann bei den Reds auf die größten Erfolge seiner Karriere zurückblicken. Seine Spielphilosophie prägt die Reds seit nun fast einem ganzen Jahrzehnt. Aufgrund Klopps persönlicher Entscheidung, den Verein nach dieser Saison zu verlassen, muss sich der sechsfache Meistercup und Champions-League-Sieger nun an die Arbeit machen, um sich neu aufzustellen und um unter einem neuen Manager fit für die Zukunft zu werden.

Natürlich bedarf es etwas mehr als nur der Suche nach einem geeigneten Nachfolger, der Klopps Erbe weiterführen und gleichzeitig frische Ideen und Strategien in den Verein und die Mannschaft einbringen kann. Die große Frage, die seit geraumer Zeit die Medienwelt und die Fans bewegt, lautet aber schlicht: Werden die Reds ohne Klopp tatsächlich zurechtkommen?

Michael Edwards: Die Rückkehr des Transfergurus

Die Hauptlast dieser Übergangsperiode wird auf den Schultern von Michael Edwards ruhen, dem hoch angesehenen ehemaligen Sportdirektor, der als neuer Chief Executive of Football Operations auf Geheiß der Clubeigentümer zurück nach Nordengland kommen wird. Er war der Transfer-Mastermind hinter vielen der erfolgreichen Neuverpflichtungen Liverpools während der Klopp-Jahre. Er brachte es zustande die großen Namen des internationalen Fußballs nach Liverpool zu lotsen, die berühmtesten unter ihnen sind mit Sicherheit Virgil van Dijk, Alisson, Mohamed Salah und Sadio Mane.

Edwards‘ Gabe, aufstrebendei Talente zu erkennen, die Klopps Philosophie auf und neben dem Spielfeld entsprachen, war zweifellos ausschlaggebend für Liverpools nationale und internationale Erfolge in den letzten Jahren. Als sein Ausscheiden aus dem Verein im Jahr 2021 bekanntgegeben wurde, war die Fan-Empörung derart groß, dass auf Twitter (X) tagelang der Hashtag #FSGout angesagt war.

Jetzt, nach seiner Rückkehr zum englischen Traditionsverein, hat Edwards alle Hände voll zu tun, den Kader für die Zeit nach Klopp zusammenzustellen. Und die englische und internationale Medienlandschaft ist gespannt, wohin er diesmal seine Fühler ausstreckt, um talentierte Spieler mit genügend Potential für die neue Ära des Vereins zu gewinnen. Die Gerüchteküche brodelt und angeblich stehen großen Namen bereits vor den Toren von Anfield.

Die Gerüchte um die geplanten Transfers

Ein Spieler, der den aktuellen Berichten zufolge ganz oben auf Liverpools Wunschliste steht, ist Atalantas niederländischer Mittelfeldspieler Teun Koopmeiners. Dieser Transfer könnte den Reds an die 60 Millionen Euro kosten, aber er könnte sich lohnen, denn seit Monaten erhält der 25-Jährige begeisterte Kritiken für seine Kreativität am Platz und seine Spielmacherfähigkeiten. Seine Torgefahr beruht vor allem auf seinen gefürchteten Distanzschüssen.

Die vielseitigen Fähigkeiten des Niederländers könnten ihn zu einem idealen Ersatz für die alternden Mittelfeldspieler der Reds machen. Jedoch haben auch die Transferverantwortlichen anderer Vereine das Interesse an Koopmeiners bekundet, darunter so renommierte Team wie Juventus und dem Fast-Meister der deutschen Bundesliga, Bayer Leverkusen.

Laut Sport-Bild ist Liverpool auch am ägyptischen Stürmer Omar Marmoush von Eintracht Frankfurt interessiert. Der 25-Jährige wechselte letzten Sommer ablösefrei von Wolfsburg an den Main und hat in 32 Einsätzen eine fulminante Debütsaison hingelegt, in der er es auf 15 Treffer und sechs Torvorbereitungen brachte.

Und laut dem deutschen Boulevard-Blatt träumt Marmoush davon, einmal auf der Insel spielen zu können. Aber von diesem Wunsch hat nicht nur Liverpool gehört, sondern auch der FC Arsenal möchte gerne dem Ägypter diesen erfüllen. Die Eintracht aus Frankfurt wird allerdings rund 50 Millionen Euro für den Wechsel verlangen – ein stolzer Betrag, der die Entschlossenheit von Edwards auf die Probe stellen könnte.

Aber der Neuzugang Marmoushs könnte unter keinen guten Stern stehen, denn im Angriff haben die Reds einiges aufzulösen. Der Sommer-Neuzugang Darwin Nunez hat nach einem durchwachsenen Start endlich begonnen, sich in den gegnerischen Strafräumen zurechtzufinden, während Diogo Jota und Cody Gakpo weiterhin fixe Bestandteile in den vordersten Linien der Liverpooler sind.

In der Defensive wird Liverpool mit einem Wechsel des französischen Linksverteidigers Rayan Aït-Nouri in Verbindung gebracht. Der 22-jährige Leihspieler der Wolves hat mit seinen offensiven Vorstellungen und seinen punktgenauen Maßflanken in der letzten Saison überzeugt. Er könnte – auf lange Sicht – möglicherweise ein guter Ersatz für Andy Robertson werden.

Der vielleicht interessante Transfercoup könnte mit dem deutsche Nationalspieler Joshua Kimmich vom FC Bayern München gelingen. Der 28-jährige Box-to-Box-Mittelfeldspieler gehört auf seiner Position mit Sicherheit zu den besten der Welt. Ihn aus der Allianz Arena loszueisen, wäre ein gewaltiger Schachzug für den FC Liverpool.

Finanzielle Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt der Wirtschaftsinteressen

Es ist schwer, über Neuverpflichtungen im Wert von mehreren 100-Millionen Euro zu sprechen, ohne das Financial Fair Play der UEFA und die Rentabilitätsbestimmungen der EPL zu erwähnen. Das gilt insbesondere, nachdem dem Merseyside-Stadtrivalen Everton und Nottingham Forest entscheidende Punkte wegen Verstößen gegen diese Regeln in dieser Saison bereits abgezogen wurden.

Während Liverpool sich auf eine Post-Klopp-Ära vorbereitet, wird eine der größten Herausforderungen bei der Umgestaltung des Vereins darin bestehen, eine ausgeglichene wirtschaftliche Bilanz angesichts der ständig steigenden Kosten für den Spielbetrieb eines europäischen Spitzenklubs zu garantieren. Ähnlich wie Plattformen, die Demo-Casinospiele oder Sportwetten anbieten, strenge Regularien und Branchenvorschriften einhalten müssen, unterliegen auch die Reds in ihrem Bereich den neuen Gewinn- und Nachhaltigkeitsregeln der englischen Eliteliga.

Um die Einhaltung der Vorschriften aufrechtzuerhalten, wird der Verein wahrscheinlich nach neuen Sponsoren Ausschau halten und beispielsweise einen lukrativen Vertrag eines neuen Trikotsponsors anstreben und bei der Aushandlung von Verträgen für Neuverpflichtungen von Spielern vorsichtiger vorgehen, wenn dies die Spielervermittler zulassen.

Das Aufgebaute bewahren

Während Neuverpflichtungen von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklung des Vereins sein werden, hängt die Sicherstellung dauerhafter Spitzenleistungen auch davon ab, ob der verbleibende Stammkader an der Anfield-Road gehalten werden kann. Ganz oben auf dieser Verbleibs-Prioritätenliste steht Afrikas-Spieler des Jahres, Stürmerstar Mohamed Salah, aber auch das aufstrebende Talent aus Uruguay, Darwin Nunez, die aber beide auch abseits des Platzes um neue und verbesserte Verträge kämpfen.

Sowohl Salah als auch Nunez haben in dieser Saison in Topform agiert und führen die vereinsinterne Torschützenliste an. Salah allein hat Wettbewerbsübergreifend bereits mehr als 25 Treffer erzielt. Seine 31 Jahre sieht man ihm auf dem Platz nicht an. Ihn in der Stadt der Beatles für ein paar weitere Saisonen zu halten, wird für die Übergangszeit des Vereins von entscheidender Bedeutung sein.

In der Defensive geht es vor allem um die Vertragsverlängerungen des niederländischen Teamkapitäns Virgil van Dijk, Trent Alexander-Arnold und Ibrahima Konate. Dieses Trio bildet, wenn alle drei verletzungsfrei sind, eine der beeindruckendsten Abwehrblöcke der Premier League. Da alle drei Spieler im Alter von 31, 24 bzw. 23 Jahren noch in ihren besten Jahren sind, könnten auch sie in den kommenden Jahren für Stabilität und Führung sorgen, aber nur wenn sie von den Klubverantwortlichen gehalten werden können.

Das bevorstehende Transferfenster im Sommer und die Ernennung eines neuen Trainers werden wichtige Signale für die neue Ausrichtung des Vereins nach der Ära Klopp werden. Aber eines scheint sicher zu sein: Die Reds haben nicht die Absicht, zu dem dauerhaften "Zweitbesten"-Status zurückzukehren, den sie vor dem Kommen von Jürgen Klopp innehatten. Dieser legendäre Verein, dem die Herzen der Fans weltweit zufliegen, hat die Maxime ausgegeben, auch in den kommenden Spielzeiten immer um die Titel in England und im internationalen Geschäft mitspielen zu wollen.

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