Der FC Bayern München hat laut einem Bericht der "Financial Times" mit einem Private-Equity-Unternehmen Gespräche über den Verkauf von Klubanteilen geführt. Der schwedische Konzernriese "EQT" soll Interesse an einem Erwerb von Minderheitsanteilen gehabt haben, doch der Deal platzte.
In Deutschland, besonders in den Aktiven Fanszenen, werden Investoren mehr als kritisch gesehen. Ein Verkauf von Minderheitsanteilen hätte für einen großen Aufschrei in der Fanbasis ausgelöst und für zahlreiche Debatten gesorgt. Die Verhandlungen scheiterten im Sommer jedoch, als Bayern-Finanzchef Michael Dietrich den Verein in Richtung Deutsche Bank verlassen hatte. Dietrich soll der wichtigste Kontakt zwischen "EQT" und dem FC Bayern gewesen sein. So verliefen die Gespräche im Sande.
Die Struktur und der Wert des Klubs
Mit 432.000 Mitgliedern ist der FC Bayern zahlenmäßig der größte Fußballverein der Welt. 75 Prozent des Klubs gehören dem e.V. (Mitgliederverein) selbst, während die restlichen 25 Prozent bei Adidas, Audi und Allianz liegen. Ein kleines Fenster von fünf Prozent zum Verkauf gebe es jedoch, denn laut Satzung muss ebenjener Mitgliederverein mindestens 70 Porzenz der Anteile an der Fußball-AG halten.
Football Benchmarkt bewertet den FC Bayern mit 4,28 Mrd. Euro, einzig Real Madrid, FC Barcelona sowie die beiden Premiere League-Klubs aus Manchester werden höher eingeschätzt. Das bedeutet, dass der Verein für den globalen Kapitalmarkt wertvoll geworden ist. EQT ist Europas größter Private-Equity-Fond (≈ 270 Mrd. Euro Assets). Der Konzern wolle dem Bericht zufolge stärker in Sport investieren, um für Privatanleger attraktiver zu werden.
Warum der Deal brisant gewesen wäre
Die berühmte "50+1"-Regel wird von einem Großteil der Fanszenen bis aufs Blut verteidigt. Nach dieser Regel muss der e.V. die Mehrheit am Verein halten. Die Fans in Deutschland sind daher äußerst wachsam und protestieren bereits bei den kleinsten Anzeichen eines Investoreneinstiegs. Die DFL musste erst 2023 einen geplanten Deal aufgrund von massiven Fanprotesten begraben, dazu werden Klubs wie RB Leipzig oder TSG Hoffenheim als "Plastikklubs" verschrien.
Konkurrenzdruck wächst
Europäische Rivalen geben sich derweil dem US-Markt völlig hin: Apollo stieg zuletzt bei Atlético ein, "Clearlake & Boehly" bei Chelsea, "RedBird" bei AC Mailand und selbst Real Madrid soll gerade ebenfalls erstmals einen Teilverkauf vorhaben. Die Bayern spüren den internationalen Konkurrenzdruck also im Nacken, doch jeglicher Versuch einen Investor an Bord zu holen, wäre vor allem in Anhängerkreisen ein hochexplosives Thema. Jeder Versuch so einen Deal durchzudrücken, würde eine Fan-Revolte auslösen. Somit wird der FC Bayern vorerst keine Anteile abgeben. Die Gespräche zeigen dennoch, dass der Klub in alle Richtung plant.
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