Von der 20. Meisterschaft reden die Gelb-Marineblauen bereits die ganze Saison. Nach dem Spiel gegen den bisherigen Tabellenzweiten Başakşehir kann man festhalten: dieser Traum hat nun neue Nahrung bekommen. Eine Analyse von LIGABlatt-Redakteur Benjamin Bruns.

Es ist weniger die Tatsache, dass man gegen den Stadtrivalen gewinnen konnte, immerhin gelang dies auch bereits am zweiten Spieltag. Es war vielmehr das wie, das Spieler, Verantwortliche und Fans gleichermaßen zum Schwärmen bringt. Fenerbahçe zeigte sich abgeklärt und war hoch überlegen. Selbst als diese Überlegenheit sich zunächst nicht in Tore ummünzen ließ, blieb man zumindest im Großen und Ganzen fokussiert und wartete weiter auf den Entscheidungstreffer. Dass diesen Max Kruse erzielte, war letztendlich folgerichtig. Der Deutsche war bester Mann auf dem Platz, initiierte die Angriffe aus dem Mittelfeld und sorgte vorne für Gefahr. Dazu hatte er mit Muriqi und Rodrigues zwei kongeniale Partner in der Offensive. „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften“, heißt eine Binsenweisheit und auch hier kann sich Ersun Yanal auf seine Spieler verlassen. Vor allem Serdar Aziz grätschte dem Gegner die Freude am Spiel aus den Beinen – immer fair und gut getimt, sollte angemerkt werden. Auch sein Nebenmann Jaílson und Routinier Isla lieferten ein ansehnliches Spiel. Lediglich der bisher stets verlässliche Dirar leistete sich einige Unachtsamkeiten, die Altay Bayındır allerdings entschärfte.

Keine Gewinner ohne Verlierer

Zählt man allerdings die Spieler auf, die für diesen verdienten Sieg ursächlich waren, muss ein Akteur in der Aufzählung fehlen: Kapitän Emre Belözoğlu durfte zwar noch in den letzten Minuten dabei helfen, den Sieg über die Zeit zu bringen, bis dahin hatte er allerdings von draußen zugeguckt. Nun definiert auch der Routinier selbst seine Rolle als Antreiber von innen oder außen und betont, dass er nicht auf einen Startplatz pocht – sein Fehlen war allerdings durchaus bemerkenswert. Nicht weil Yanals Entscheidung falsch gewesen wäre, sondern weil sich durch Emres Fehlen die Statik des Spiels merklich ändert. Ohne den Anführer ist das Spiel der „Kanarienvögel“ schwerer auszurechnen. Mit Luiz Gustavo (als defensiver Stratege), Max Kruse (als offensiver Gegenpart) und Ozan Tufan (als Ballschlepper) konnte Fenerbahçe das Spiel über verschiedene Stationen aufbauen und das Mittelfeld Başakşehirs so wieder und wieder überwinden. Gerade zu Beginn der Saison war Belözoğlu (zurecht) der absolute Fixpunkt im Spiel seines Teams. Aktuell scheint es unwahrscheinlich, dass Ersun Yanal „ohne Not“ wieder einen Platz für ihn schafft und so die erfolgreiche Taktik über den Haufen wirft.

Und die Frage nach der Meisterschaft? Nach dem 19. Spieltag ist natürlich noch nichts entschieden und gerade Sivasspor hat in dieser Frage ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Sollte Fenerbahçe allerdings auch die beiden nächsten Spiele gegen Trabzonspor (aktuell Vierter, bei einem Spiel weniger) und Alanyaspor (Fünfter) gewinnen, dürfte der Weg zum Titel wirklich nur noch über Kadıköy führen. Den Grundstein hat man jedenfalls gegen Başakşehir eindrucksvoll gelegt.

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