Die Gründung der europäischen Super Liga schlägt weiter hohe Wellen. Von zwölf Topvereinen aus England, Spanien und Italien gegründet, soll die ESL ein konkurrierendes Format zur Champions League darstellen, in dem die 12 besten Vereine Europas jährlich in einer Liga gegeneinander antreten. Laut Plan der Macher soll es sich dabei um eine geschlossene Liga handeln, in der kein Abstieg möglich ist. So würden sich immer die gleichen Mitglieder die Milliardeneinnahmen sichern und die Schere zwischen Topverein und Durchschnittsverein im Profifußball weiter öffnen.

Nachdem vor einigen Wochen der Plan für die ESL vorgestellt wurde, hagelte es Kritik von allen Seiten. Besonders die Fans, die die Seele des Fußballs durch die neue Liga bedroht sehen, gingen auf die Barrikaden. Dutzende Fanproteste in ganz Europa führten schnell dazu, dass sich die meisten Gründungsmitglieder vom ursprünglichen Plan zurückzogen. Allerdings liegen die Pläne nur auf Eis und es ist mit weiteren Vorstößen der Verantwortlichen der neuen Liga zu rechnen. Die ESL soll für die Teilnehmer Milliardensummen generieren und so den Umsatz der Spitzenvereine weiter nach oben treiben. Auch wenn die Fans sich aktuell wehren, würden sie dennoch die neue Liga verfolgen, da dort fast jede Woche europäische Schwergewichte des Fußballs aufeinandertreffen würden. Dies hätte zu Folge, dass das Interesse an den anderen nationalen und internationalen Ligen sinkt und die Einnahmen der finanzschwächeren Verbände und Vereine weiter schrumpfen.

Da auch die türkischen Vereine um ihre Einnahmen und ihren Ruf bangen, war der türkische Fußballverband einer der ersten, der sich öffentlich klar gegen die ESL positionierte. Der Verband sprach davon, dass die neue Liga "Herz und Seele des Fußballs zerstören würde". Als kleiner Verband, deren Teams in Champions League und Europa League kaum eine Rolle spielen, wären die Osmanen besonders hart von der neuen Liga betroffen. Sie werden erleichtert sein, dass die Clubs von ihren ursprünglichen Absichten zurückgetreten sind.

Da die Gründungsmitglieder einen Vertrag unterschrieben haben sollen, der sie an die ESL bindet, ist die Diskussion noch lange nicht ausgestanden. Es ist damit zu rechnen, dass weiter über eine mögliche neue Liga diskutiert wird. Inwieweit diese dann mit der UEFA und ihren Wettbewerben vereinbar sein könnte, ist fraglich. Aktuell versucht der europäische Fußballverband alles, um die Gründung einer Konkurrenzliga zu verhindern. UEFA-Chef Ceferin drohte sogar Verein und Spielern, dass alle Teilnehmer an der europäischen Superliga von den Veranstaltungen der UEFA, also den Pokalen und Länderspielen in Europa, ausgeschlossen werden. Auch manch nationaler Verband denkt über ähnliche Schritte nach.

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