Die Hoffnungen waren groß, doch der deutsche Trainer Stefan Kuntz konnte sie nicht erfüllen. Im März dieses Jahres stand es endgültig fest. Die Türkei wird dieses Jahr nicht an der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar teilnehmen. Die 3:1 Niederlage gegen Portugal besiegelte das Schicksal der stolzen Fußball-Nation endgültig. Damit blieb der Türkei nach der Fußball-Europameisterschaft eine weitere große Enttäuschung nicht erspart. In diesem Turnier war man noch als Geheimfavorit gestartet, nur um drei Spiele später ohne einen einzigen Punkt aus der Vorrunde auszuscheiden.

Foto: Die Fußballnation Türkei hofft auf die Zukunft. (pixabay.com) 

Stefan Kuntz sollte den Umschwung bringen und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft sicherstellen, doch am Ende ging auch dieses Experiment schief. Das ist umso ärgerlicher, als dass eine Mannschaft mit drei Siegen in die gerade laufende UEFA Nations League gestartet ist. Zwar sind die Gegner der Türkei alles andere als Spitzenteams, doch die Spieler haben bewiesen, dass sie noch siegen können. Für sie bleibt nun nur noch die Rolle eines Zuschauers, wenn es ab November darum geht, den neuen Fußball-Weltmeister zu küren.

Das sind die Favoriten der Buchmacher

Der Kreis der Favoriten ist diesmal so groß wie schon lange nicht. Immerhin findet die Fußball-Weltmeisterschaft dieses Jahr erstmals im Herbst statt. Im Gastgeberland Katar steigen die Temperaturen im Sommer so hoch an, dass sich die FIFA diesmal zu einer Verlegung in die kühlere Jahreszeit entschlossen hat. Im November/Dezember hat es Katar rund 26 Grad, das sind gute Bedingungen für die Spiele. Doch anders als noch in der Vergangenheit befinden sich zu diesem Zeitpunkt alle Spieler mitten in der Saison. Das stellt die Weichen neu, wer sich am besten darauf einstellen kann, ist offen. Die Experten sehen derzeit Brasilien in der besten Ausgangsposition. Bei den WM Quoten auf 888 liegt die Mannschaft von Neymar mit einer Quote von 6,00 (Stand 16.6.) ganz knapp vor Titelverteidiger Frankreich. Dahinter liegen England, Argentinien, Spanien, und Deutschland. Die Buchmacher rechnen offenbar bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar mit einem möglichen Comeback der Nationalmannschaft. Dieser Optimismus ist angesichts der bisherigen Bilanz des neuen Bundestrainers Hansi Flick angebracht.

Vorbereitung UEFA Nations League

Das gilt auch, wenn die Vorbereitung in der derzeit laufenden UEFA Nations League noch nicht ganz nach Plan verläuft. Doch das trifft zahlreiche Favoriten. Denn auch der amtierende Weltmeister ist noch nicht voll in Fahrt. Genau wie England auch hat der Titelverteidiger Probleme sein volles Potenzial abzurufen. Doch noch sind es sechs Monate bis zum Start des Turniers. Derzeit kämpfen die Stars noch mit den Nachwirkungen einer langen und anstrengenden Saison. Das kannte man bereits in der Vergangenheit von anderen Fußball-Weltmeisterschaften. Nach Meisterschaft, Cup und den europäischen Bewerben waren die Stars ausgelaugt und konnten ihre Klasse nicht mehr in vollem Umfang unter Beweis stellen. Das könnte diesmal anders werden. Denn die FIFA veranstaltet in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft erstmals im Herbst.

Experiment Katar

Der Grund dafür ist im Klima des Veranstalterlandes zu suchen. Eine Fußball-Weltmeisterschaft wäre in Katar im Sommer nicht zu verantworten. Zu hoch sind die Temperaturen in dem arabischen Land. Daher findet das Turnier in diesem Jahr erstmals im Zeitraum November bis Dezember statt. Bei der Weihnachts-Weltmeisterschaft werden die Temperaturen an die 26 Grad betragen. Die 32 Mannschaften sollen die insgesamt 64 Spiele in einer Rekordzeit von nur 27 Tagen absolvieren. In der Gruppenphase, die lediglich zwölf Tage in Anspruch nehmen wird, finden vier Spiele pro Tag statt. Dieses Experiment wird spannend, schließlich klagen die Spitzenklubs bereits jetzt über eine ausufernde Belastung für ihre Stars. Wenn sich diese mitten in der Meisterschaft befinden, sollten sie zwar in Hochform sein, doch die Verletzungsgefahr bei der Fußball-Weltmeisterschaft wird den Klubs sicherlich einige Sorgen bereiten. Die ungewohnten Bedingungen, ausgelöst vom Klima und den frühen Spielzeiten am Vormittag, könnten die Favoriten ins Straucheln bringen. Immerhin zählen bis zu neun Mannschaften zu erweiterten Favoritenkreis. Schon bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft kam es zu zahlreichen Überraschungen. Zunächst schied Deutschland als erster Titelverteidiger der Geschichte bereits in der Vorrunde aus. Als dann die Teilnehmer der Halbfinalspiele feststanden, war die Überraschung groß. Zahlreiche Mitfavoriten, wie Argentinien, Spanien und Brasilien waren ebenso ausgeschieden wie Gastgeber Russland. Stattdessen fanden sich Teams wie Kroatien, England und Belgien in den Entscheidungsspielen wieder. Das hat die Weltmeisterschaft zweifellos belebt, auch wenn sich am Ende mit Frankreich ein Favorit durchsetzen konnte.

Wales hat sich als letzte Mannschaft qualifiziert

Doch diesmal treten so viele Teams wie nie zuvor an. Sie müssen sich in kürzester Zeit gegen zahlreiche Gegner durchsetzen, die für die eine oder andere Überraschung sorgen können. Dass das weiterhin möglich ist, zeigte bereits die laufende UEFA Nations League. Als letzte Mannschaft hat sich zuletzt Wales qualifiziert, das im Entscheidungsspiel die Ukraine besiegte. Ein Schuss von Ex-Real Madrid-Star Gareth Bale beendet die Träume des Landes von einer Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft. Wales ist damit erst zum zweiten Mal, nach 1958, bei dem Turnier mit dabei.

Die Nicht-Qualifikation der Türkei ist umso ärgerlicher, als dass ein breites Teilnehmerfeld und die Wetterbedingungen gute Grundvoraussetzungen für ein respektables Auftreten der Türkischen Fußball-Nationalmannschaft geboten hätten. Doch jetzt ist es zu spät, der Chance nachzutrauern. Stattdessen gilt es nun für Trainer und Mannschaft, das Vertrauen neu aufzubauen und sich für die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland zu qualifizieren. Immerhin würde ein Antreten der Türkei einen gewissen Vorteil verschaffen. Millionen Türken arbeiten und leben in Deutschland und würden die Spiele ihrer Mannschaft in Deutschland in Heimspiele verwandeln.

Foto: Die Nachfolger von Selçuk İnan müssen sich nun beweisen. (pixabay.com)

Unter diesen Voraussetzungen hätte die Mannschaft gute Chancen sich neu zu beweisen, daher wird der Fokus von Stefan Kuntz und seinem Stab jetzt wohl zu 100 % auf der Qualifikation für dieses Turnier liegen müssen. Die Fans hungern nach den letzten Enttäuschungen nach neuen Erfolgen, jetzt liegt es an den Spielern, diese zu liefern.