Die Frage, wer in der kommenden Bundesliga-Saison Meister wird, stellen sich die meisten Experten vor Saisonstart gar nicht, denn darauf gibt es nur eine Antwort: Die Bayern natürlich. Kann sich daran in der Saison 2022/23 tatsächlich etwas ändern? Zumindest sieht mehr als zuletzt danach aus, denn beim Team von Julian Nagelsmann läuft längst nicht alles so rosig wie gedacht.

Auch die Fans sind skeptischer, was sich besonders beim Sportwetten zeigt. Immer mehr Menschen schauen nicht nur Fußball, sondern setzen regelmäßig auch Geld auf ihre Favoriten. Die Nachfrage ist so groß, dass diverse neue Wettanbieter auf dem Markt erscheinen. Für Experten lohnt sich ein Blick auf die Quote, denn die sagt klar aus, wie stark die Favoritenrolle eines Teams ist. In Bezug darauf sind die Bayern auch 2022/23 wieder der Topfavorit.

Gibt es aber vielleicht doch echte Chancen für Leverkusen, RB Leipzig und Dortmund? Wir nehmen die potenziellen Verfolger der Bayern nun etwas genauer unter die Lupe und beurteilen die Chancen. Zudem erklären wir, wo es beim FCB in dieser Saison haken könnte.

Das Sturmproblem – wo es bei den Bayern noch klemmt!

Schon beim Verlust der Champions League hat sich gezeigt, dass bei den Bayern irgendwie der Haussegen schief hängt. Zwar ist Trainer Julian Nagelsmann immer vorn mit dabei, wenn es darum geht, seinen Trupp zu motivieren und den nächsten Sieg zu planen, doch irgendetwas hakt. Und als wäre diese Hakelei nicht schwierig genug, hat nun auch noch Robert Lewandowski den Verein verlassen.

Fans wissen es, dass Lewandowski und seine Torgefahr kaum durch einen anderen Spieler so leicht zu ersetzen ist. Gemunkelt wird immerhin, dass kein Geringerer als Cristiano Ronaldo diese Position übernehmen sollte. Der Portugiese ist schon aus den Weltmeisterschaften ein geschätzter Kollege, der immer wieder durch sein einzigartiges Spiel auffällt. Ein echter Zugewinn für die Bayern, sollten sie den Deal fix machen können und sollte es dem Einzelgänger möglich sein, sich in ein bestehendes Team zu integrieren.

Immerhin gab es bei der Bekanntgabe von Lewandowskis Weggang auch gute Nachrichten: Serge Gnabry, den die Bayern auf keinen Fall verlieren wollten und um den sich zahlreiche Spekulationen rankten, hat seinen Vertrag bis 2026 verlängert. Er freue sich, so der Topfußballer, dass er der Mannschaft erhalten bleibe.

Ronaldo mehr als nur ein Traum der Bayern? Wie realistisch sind die Chancen?

Tatsächlich scheint Trainer Julian Nagelsmann nicht abgeneigt, wenn es darum geht, Christiano Ronaldo zu den Bayern zu holen. Aber wie sieht das der Ausnahmespieler selbst? Er ist mittlerweile in einem Alter, wo er nur noch wenige Chancen auf Top-Teams hat. Ronaldos Charakter ist aber eindeutig, er möchte siegen, mit kleinen Turnieren gibt sich der feurige Stürmer nicht zufrieden. Und so wäre es zumindest denkbar, dass er sich bei den Bayern niederlässt, wenn auch nicht für lange Zeit.

Problematisch könnte das allenfalls für den Teamgeist werden, denn Ronaldo ist es gewohnt, als einzelner Star stets im Fokus zu stehen. Er teilt seinen Ruhm nicht gerne, was das Scharmützel mit Lionel Messi eindeutig gezeigt hat. Ob aber die Nationalspieler Leroy Sané, Gnabry und Kimmich zulassen werden, dass den aufstrebenden Youngsters jemand die Rolle als Gesicht des FC. Bayerns abspenstig macht, wird zumindest stellenweise bezweifelt.

Es sieht also gar nicht ganz so rosig aus, der Kader-Bau stockt, mit Lewandowskis Abgang ist aus dem Sturm ein laues Lüftchen geworden und das ruft die Konkurrenz auf den Plan. In Leipzig und Dortmund reibt man sich bereits die Hände und auch Leverkusen sieht seine Zeit gekommen. Wie realistisch ist es aber, dass die Meisterschale erstmals nach zehn Jahren wieder in fremde Hände fällt?

Borussia Dortmund im Meister-Check

Im globalen Fußball gehören die Schwarz-Gelben grundsätzlich immer zu den Teams, mit denen zu rechnen ist. Diesmal aber sogar etwas mehr als sonst, die Dortmunder gelten bei einigen Experten als Top-Favorit für den nächsten Bundesligatitel. Bei den Bayern ist Unruhe am Start, der Sturm, die Abwehr – überall bröckelt es.

Die Dortmunder hingegen sind stark, zeigen seit Jahren konstante Leistung und auch wenn Haaland seinen Abschied verkündet hat, ist das schwarz-gelbe Lager angriffslustig. Niklas Süle ist unter anderem direkt vom FC. Bayern in den Kader des BVB gerutscht. Und auch hier zeigen die Wettanbieter ein erstaunliches Szenario! Der BVB ist der Topfavorit für die diesjährige Meisterschaft, der FCB hingegen steht nicht ganz oben!

Leipzig im Meister-Check

Zu den beiden Hauptkandidaten, denen eine relevante Chance für den Sieg eingeräumt wird, gehören die Bayern und der BVB. Allerdings muss grundsätzlich damit gerechnet werden, dass auch ein Underdog das Feld von hinten aufräumen wird. Einer der namhaftesten Außenseiter ist RB Leipzig, der mit seinem neuen Trainer Domenico Tedesco frischen Wind ins Team gebracht hat.

RB läuft sehr oft außerhalb der wahrnehmbaren Sphären mit und wird bei Meisterschafts-Spekulationen gern übergangen, doch mit konstant guter Leistung und ein wenig Glück wäre es durchaus denkbar, dass Leipzig zumindest ein wenig Druck aufbaut, wenn es um die Titeljagd geht.

Leverkusen im Meister-Check

Stabile Leistungen, ein gutes Verhältnis zum neuen Trainer Gerardo Seoane, auch bei Bayer Leverkusen sind die Startbedingungen nicht schlecht. Allerdings wäre es eine Sensation, wenn das Team zum ersten Mal in seiner Geschichte den Titel holen könnte, denn eine Meisterschale hat Bayer 04 noch nie mit nach Hause genommen.

Der Titel wird daher auch gar nicht erst zum erklärten Ziel ernannt, sondern eher beiläufig fokussiert. Die besten Aussichten gibt es also nicht, der BVB und RB haben deutlich bessere Chancen, die Alltime-Favoriten Bayern von der Poleposition zu vertreiben. Doch warum sollte nicht einmal ein Underdog das Feld aufräumen und zum ersten Mal im Titeljubel untergehen?

Fazit: Endlich wieder Leben in der Bundesliga?

So gut der 10. Sieg für die Bayern sein mag, so wenig förderlich ist er für die Spannung in der Bundesliga. Es ist ein wenig wie im Nachbarland Österreich, wo RB Salzburg die Spannung aus der Liga ebenso ruiniert hat wie die Bayern hierzulande.

So bedauerlich es für die Münchner Jungs ist, wenn plötzlich durch Probleme die Torgewalt abnimmt und die Chancen auf einen Sieg schwinden, so positiv ist es für die Bundesliga selbst.

Es ist längst an der Zeit, dass einmal frischer Wind durch die Tabellenspitze weht, dass hier einmal ein anderer Name zu sehen ist und dass die Meisterschale einmal nicht bei den Bayern verstaubt, wenigstens für ein Jahr!

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