Auf dem Papier sieht der Punktgewinn im kalten Russland nach Rückstand zufriedenstellend aus. Doch nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit war für die Türkei erneut mehr drin. Das weiß auch Trainer Şenol Güneş, der einerseits die fehlende Kaltschnäuzigkeit seiner Mannschaft, anderseits die enorme Belastung durch drei Spiele binnen einer Woche moniert.

Das 1:1-Unentschieden in Russland brachte vor allem eine Erkenntnis: Die türkische Nationalmannschaft ist nur noch schwer zu schlagen und hat dennoch selbst das Siegen verlernt. Nach einem eher verhaltenen Auftritt in Durchgang eins samt 0:1-Pausenrückstand steigerte sich die "Milli Takım" im zweiten Durchgang stetig und war dem Sieg am Ende deutlich näher als die Russen. "Die zweite Hälfte hat mir gut gefallen", attestierte Trainer Şenol Güneş die Leistung seiner Schützlinge. Allerdings wies er auch auf die mangelhafte Verwertung der Chancen hin: "Es ärgert mich, weil wir das Spiel hätten gewinnen können, genau wie zuvor gegen Serbien. Es sind am Ende zwei verlorene Punkte."

Insbesondere der einhewechselte Cengiz Ünder hatte im Verlauf der zweiten Hälfte mehrfach die Chance auf den ersten Sieg der diesjährigen Nations-League-Runde, nachdem man gegen Ungarn (0:1) und Serbien (0:0) zuvor nicht gewinnen konnte. Was neben der fast schon chronischen Harmlosigkeit in der Offensive auch wieder festzustellen war, war die fehlende Ordnung im Spiel. Şenol Güneş sieht das vor allem in der zwangsläufigen Rotation durch die enorme Anzahl von Spielen begründet: "Wir haben drei Spiele in einer Woche. Wir waren erst in Deutschland, dann in Istanbul, jetzt in Russland und morgen wieder in der Türkei. Das ist ein Stress für die Mannschaft, aber wir dürfen uns nicht beklagen", erklärte der Türken-Trainer schmallippig. Am kommenden Mittwoch trifft die Türkei zum Abschluss der Länderspielpause im Oktober noch auf Serbien.