Im Vergleich zum verhassten Stadtnachbarn hielt man sich bei Galatasaray mit Transfers zurück. Statt teurer Neuzugänge setzt man auf ablösefreie Akteure und Rückkehrer. Da Resultat ist dabei ähnlich wie die ersten Ergebnisse: durchwachsen.

Aber der Reihe nach. Ganz hinten reagierte man angemessen auf den schwersten Ausfall des Kaders. Es sind nämlich nicht die Abgänge, die Galatasaray besonders schlimm treffen, sondern die Verletzung Musleras. Mit Fatih Öztürk hat man einen Vertreter verpflichtet, der zwar nicht an die Klasse des Kapitäns und Fanlieblings heranreicht, allerdings dafür auch klaglos ins zweite Glied zurückkehren wird, sobald der Stammkeeper wieder einsatzbereit ist. Die bärenstarke Viererkette der letzten Saison ist dazu nominell noch stärker, obwohl Mariano den Club verließ und man mit Elabdellaoui lediglich einen gleichwertigen Ersatz verpflichtete. Die Rückkehr von Luyindama sorgt nochmals für einen Qualitätsanstieg und mit Routinier Ryan Donk sowie Nachwuchskraft Bayram verfügt man hinter Luyindama und Marcão auch in der Breite über große Qualität.

Die vergebliche Hoffnung auf einen Sechser

Das kann man über die Mittelfeldzentrale leider nicht sagen und hier beginnen die Probleme Galatasarays. Während Selçuk İnan sportlich keine Rolle mehr beim Rekordmeister spielte, konnte man die Abgänge der beiden Leihspieler Seri und Lemina nicht annährend kompensieren. Okay Yokuşlu stand angeblich lange als Königslösung auf der Agenda, Celta Vigo war allerdings nicht gesprächsbereit. Hier klafft nun die größte Lücke im aktuellen Kader. Neuzugang Etebo und Antalyali sind neben Ryan Donk die einzigen Sechser im Team, was nicht nur einen Qualitätsverlust bedeutet, sondern auch Fatih Terims Möglichkeiten eines Systemwechsels limitiert. Ein System mit zwei Sechsern ist eigentlich ausgeschlossen, da es schlicht an spielerischer Klasse fehlt. Sämtliche Sechser im Kader fallen eher in die Kategorie Abräumer und einen spielstarken zentralen Mann sucht man vergebens. Nimmt man die Viererkette als gegeben hin, bleiben somit nur zwei praktikable Systeme: das zuletzt praktizierte 4-1-4-1 oder ein extrem offensives 4-4-2 mit Raute, was aber lediglich gegen sehr defensive Gegner in Frage käme.

Qualität mit einem Fragezeichen

In vorderster Front verfügt man grundsätzlich wieder über viel Qualität, aber auch hier überwiegen gerade wieder die Fragezeichen. Insbesondere der wiedererstarkte Belhanda schien eigentlich keine Zukunft am Bosporus zu haben. Ein Wechsel nach Frankreich zerschlug sich allerdings und so bleibt er nun ebenso an Bord, wie Sofiane Feghouli oder Ryan Babel. Es ist schwer zu abzuschätzen, wie groß die Bindung dieser Akteure (noch) zu ihrem Arbeitsgeber ist. Ähnliches gilt für Diagne, der sich aktuell aber zumindest hinter Falcao einordnet. Wenn sich diese Ansammlung an Wechselwilligen, Rückkehrern, Abgeschriebenen, Langzeitverletzten und immerhin einem echten Neuzugang (Emre Kılınç) zusammenrauft, verfügen die Gelb-Roten über eine extrem starke Offensive. Tun sie das nicht, haben die Probleme für Fatih Terim nach den Niederlagen gegen Glasgow und Kasımpaşa gerade erst begonnen.