In der Türkei herrscht Fußballfieber und das schon seit Jahrzehnten. Die Spiele der Süper Lig finden rege Beachtung, bei jedem einzelnen Tor herrschen sowohl Jubel als auch Verdruss. Die herausragendsten Mannschaften heißen Beşiktaş, Fenerbahçe und Galatasaray, sie sind auch in Deutschland längst ein Begriff. Deutsche Spieler mischen im türkischen Liga-Geschehen regelmäßig mit, während türkische Fußballer in der Bundesliga gern gesehen sind. So entsteht ein reger Austausch, der das sportliche Geschehen auf beiden Seiten beflügelt.

Nummer 1: Beşiktaş

Der Sportverein Beşiktaş Jimnastik Kulübü ist in Deutschland unter dem etwas schlichteren Namen Besiktas Istanbul bekannt. Vor allem die Fußballabteilung vertritt die türkische Hauptstadt auf würdige Weise, denn sie gehört seit Langem schon zu den erfolgreichsten Clubs des Landes. In der Saison 1991/92 gelang es dem Verein, die Liga-Meisterschaft ohne eine einzige Niederlage für sich zu gewinnen: ein spektakulärer Durchmarsch, der nach fast 30 Jahren noch in lebendiger Erinnerung bleibt. Die Rivalität mit Fenerbahce ist legendär, auch dieser Verein stammt aus Istanbul und zeigt sich enorm spielstark. Treffen die beiden harten Konkurrenten aufeinander, dann kommt es zum sogenannten Istanbul Derby, das seit 1922 schon mehr als 340 Mal stattfand. Immer wieder sprudeln dabei die Emotionen über und die türkische Fußballwelt steht auf dem Kopf.

Nummer 2: Fenerbahçe

Bei der allerersten offiziellen türkischen Meisterschaft im Jahr 1959 setzte sich Fenerbahce durch, in diesem Fall ging die alles entscheidende finale Partie gegen Galatasaray. Seither gewann der wohl stärkste nationale Verein 19 Mal den großen türkischen Pokal – zuletzt im Jahr 2014. Außerdem durfte sich Fenerbahçe 1966/67 Balkanpokalsieger nennen. Im Rahmen der UEFA-Turniere feierte das Team drei große Erfolg: Einmal erreichte es das Viertelfinale der Champions League, ein anderes Mal das Viertelfinale im Europapokal der Pokalsieger. Darüber hinaus durften die Fans sich über den Einzug ins Halbfinale der Europa League freuen – ein spektakulärer Tag, der fast schon historisch zu nennen ist.

Nummer 3: Galatasaray

Galatasaray Spor Kulübü, also der Sportklub Galatasaray, vertritt seit 1905 den Istanbuler Stadtteil Beyoğlu. Er ist ohne Zweifel der erfolgreichste Club, den die Türkei jemals hervorgebracht hat. 22 Mal durften die flotten Jungs sich türkischer Meister nennen, hinzukommen 18 Pokalsiege und 19 Triumphe im Supercup. Genau wie Fenerbahce gehört auch dieses Team seit 1959 ohne Unterbrechung der Süper Lig an, liegt aber in der sogenannten ewigen Tabelle nach Punktestand ein Stück hinter der starken Konkurrenz. Dass Galatasaray im Jahr 2000 sowohl den UEFA-Pokal als auch den Super Cup gewann, wird dieser Mannschaft wahrscheinlich auf ewig zum Ruhm gereichen. Bislang blieb diese grandiose Leistung leider ein Einzelfall, erscheint aber für die Zukunft als wiederholungsbedürftig.

Transfers zwischen Deutschland und der Türkei

Was ihre Spieler betrifft, stehen der türkische und der deutsche Fußball im regen Austausch. Immer mal wieder wechseln Fußballer aus Deutschland in die türkische Liga und andersherum. Manchmal brodelt auch nur die Gerüchteküche über solche Wechsel: Die vermeintlichen Transfers zwischen der Süper Lig und der Bundesliga sind deshalb auch eine willkommene Gelegenheit für Fans und Experten, über zukünftige Entwicklungen zu spekulieren. Wie stark kann das Team mit dem neuen Spieler werden? Gelingt der Klassenerhalt oder liegen sogar wichtige internationale Platzierungen in Reichweite? Wie viel Potenzial bringt dieser und jener Spieler überhaupt mit? Die Buchmacher analysieren für ihre Online-Wetten diese Fragestellungen auf professionelle Art. Infolgedessen bieten ihre Bundesliga-Wettquoten zu jeder neuen Saison auch immer erste Hinweise auf die sportlichen Aussichten.

Lukas Podolski als einer der besten Fußballer der Welt gesellte sich bereits für einige Zeit zu Galatasaray, das war in den Jahren 2015 bis 2017. Der Premium-Torschütze wechselte danach zu Vissel Kōbe, kehrte aber jüngst zu Antalya zurück. Von der Türkei kann er sich also nicht so leicht trennen, und wahrscheinlich hat "Poldi" gute Gründe dafür. Der Stürmer Max Kruse gehört seit 2019/20 dem Kader von Fenerbahce an und bewährt sich dort ganz ordentlich. Er zeichnet sich auf dem Platz durch eine besondere Gelassenheit aus. Mario Gomez, der sowohl spanische als auch deutsche Wurzeln hat, wurde 2015/16 für Besiktas aktiv, kehrte aber nach einem halben Jahr wieder zurück nach Deutschland, genauer gesagt zum VfB Stuttgart. Der Beiname "Super Mario" haftet dem Ex-Bayern-Star noch immer an, weil er sich oftmals radikal durchsetzen konnte, selbst dann, wenn die Trainer mal an ihm zweifelten. Und dann ist da noch Marko Marin zu nennen, der jedoch keinem Istanbuler Club beitrat, sondern sich für eine Saison auf Trabzonspor konzentrierte.

Aktuell ist Ozan Muhammed Kabak als Abwehrspieler beim FC Schalke 04 aktiv. Er wurde im Jahr 2000 in Ankara geboren und kostete den schwäbischen Verein 15 Millionen Euro. In der Bundesliga-Saison 2019/20 gelangen ihm 3 Tore und eine Torvorlage, im DFB-Pokal wurde er zwei Mal eingesetzt. Der derzeit "teuerste" Türke der 1. Bundesliga ist allerdings Ozan Kabak, für den die Schalker 29 Millionen Euro hinblätterten. Der Innenverteidiger kommt in dieser Saison auf 24 Einsätze und 3 Tore. Erwähnungswert sind auch noch Kaan Ayhan, Ahmed Kutucu und Ömer Toprak: allesamt Einkäufe aus der Türkei im Wert von mehreren Millionen Euro.

Ausblick auf die EM 2021: Wie steht es um den türkischen Sieg?

Ungeduldig richten sich die Augen nun auf die Fußball-EM, die von 2020 auf 2021 vertagt wurde. Die Türkei hat unter harten Kämpfen die Qualifikation erreicht, im Weg standen ihr keine Geringeren als Weltmeister Frankreich und die wilden Isländer. Es gelang den Türken sogar, die Franzosen zu besiegen, so stark waren sie aufgestellt. Die heimischen Zuschauer feuerten ihr Team dabei kräftig an und brachen anschließend in begeisterte Jubelstürme aus. Nun befindet sich die türkische Mannschaft gemeinsam mit Italien, Wales und der Schweiz in Gruppe A und darf das Eröffnungsspiel in Rom bestreiten. Am 12. Juni 2021 geht es los, das ist leider noch fast ein ganzes Jahr hin. Die Hoffnungen sind natürlich hochgeschraubt, allerdings besteht die Siegeschance wahrscheinlich nur in der Theorie. Als Favoriten gelten ganz andere Teams, doch stand Kroatien zur WM 2018 auch nicht gerade in Fokus der Experten – und schaffte es trotzdem bis in die Endrunde.

Die Prognose: ein Hauch türkischer Hoffnung

Der türkische Nationalkader besteht aus vielen noch jungen Spielern, die noch nicht genug Erfahrungen verbuchen können, um die altgedienten Hasen der anderen Mannschaften zuverlässig zu schlagen. Allerdings handelt es sich trotzdem um spielstarke Jungs, die mit den Jahren reifen werden und vielleicht bei der nächsten EM zur Höchstform auflaufen. Überraschungen gibt es allerdings immer wieder, man denke nur an Griechenland 2004 und an Wales im Jahr 2006! Die Leistungen während der Qualifikation geben zugleich Anlass zur Hoffnung und könnten eventuell doch der Vorgeschmack sein für ein echtes türkisches Jubeljahr. Zu wünschen wäre es jedenfalls, denn lange schon warten die Fans auf ein solches Ereignis von internationalem Rang, das die Türkei vor Freude zum Beben bringt.