In einer Telefonkonferenz mit sämtlichen Entscheidungsträgern soll heute Nachmittag die mittelfristige Zukunft des türkischen Fußballs geklärt werden. Im Raum steht dabei auch ein Umzug nach Katar, wo die letzten acht Süper Lig-Spieltage als Testlauf für die WM 2022 stattfinden könnten. 

Am Freitagmittag um 14 Uhr beraten sich Türkeis Sportminister Mehmet Muharrem Kasapoğlu und TFF-Boss Nihat Özdemir zusammen mit Mehmet Sepil, Vorstand der Klub-Vereinigung sowie den Klub-Vorsitzenden der 18 Süper Lig-Teams in einem gesonderten Krisengespräch via Telefonkonferenz. Auf Basis der gestern getroffenen Entscheidungen des UEFA-Exekutivkomitees und unter Rücksicht der Empfehlungen des türkischen WHO-Abgesandten, Pr. Dr. Alpay Azap, soll dann erörtert werden, wann und wie die aktuelle Saison der Süper Lig zu Ende gespielt werden kann. Alpay Azap erklärte bereits am Donnerstag: "Es ist durchaus möglich, die Liga im Juni wieder zu starten." Vorher sei die Lage in der Türkei, wo es mittlerweile weit über 100.000 Infizierte gibt, nicht bereit für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Ein Start im Juni würde den von der UEFA angepeilten Terminrahmen, die nationalen Ligen aller spätestens bis Anfang August zu beenden, wohl umsetzen können.

Für die Fortsetzung des Spielbetriebs muss der türkische Fußballverband allerdings ein ähnlich umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept ausarbeiten und vorlegen, wie es beispielsweise die Bundesliga durch die DFL umgesetzt hat. Zudem ist die Corona-Situation in der Türkei noch wesentlich dynamischer als in Deutschland. Derzeit wird nicht davon ausgegangen, dass Fußballspieler in den kommenden vier Wochen wieder außerhalb ihrer Räumlichkeiten trainieren können.

Kurze Reisen und eng getakteter Spielplan: Süper Lig als Testlauf für die WM?

Weil die Lage im Inland nach wie vor undurchsichtig ist, beschäftigt man sich bereits mit Alternativen. Eine Option: Der zeitweise Umzug nach Katar. Im Wüstenstaat, wo im Winter 2022 die nächste Fußball-WM ausgetragen wird, ist zum einen die Corona-Lage gemäßigter, zum anderen die Spielstätten weitestgehend fertig. Nicht vollständig beendete Bauarbeiten auf den Zuschauerrängen fallen nicht ins Gewicht, da auch hier nur Geisterspiele in Frage kommen würden. Zudem ist der Abstand zwischen den insgesamt acht Stadien gerade einmal 75 Kilometer entfernt. Schnelle Reisen und womöglich ein eng getakteter Spielplan wären demnach möglich. Da der Confederations-Cup 2021 aufgrund der Verschiebung anderer kontinentaler Nationen-Wettbewerbe (EM, Copa America) ausfällt, wäre es für Katar zugleich ein Testlauf für die anstehende Fußball-WM in 18 Monaten.

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