Fußball, du fehlst uns. Während wir auf aktuellen Sport derzeit alle verzichten müssen, bleibt uns nur der Blick in die Vergangenheit. Titel, Triumphe, Emotionen – das LIGABlatt startete kürzlich die neue Evergreen-Serie. Jede Woche stellen wir euch ein Spiel vor, an das wir uns vermutlich alle noch bestens erinnern können. Nach einem Klassiker der Champions League blicken wir heute auf das wohl unglaublichste Halbfinale, das eine WM jemals gesehen hat.

08. Juli 2014, eine gesamte Nation ist elektrisiert. WM-Gastgeber Brasilien steht im Halbfinale. Das Land steckt in einer schwierigen Situation, der einzige Halt vieler Menschen: Ihre Nationalmannschaft und die Hoffnung auf den sechsten Titel. Der Gegner kommt aus Deutschland. Der Favorit? Für Experten kaum auszumachen, alle erwarten ein Spiel auf Augenhöhe. Was an diesem Tag aber passieren sollte, geht auf beiden Seiten in die Geschichte ein, aber der Reihe nach.
Große Emotionen gibt es bereits bei den Hymnen. Brasilien muss auf den verletzten Neymar verzichten. Mit dem Trikot ihres verletzten Kollegen in der Hand singen die Stars für ihren lädierten Mitspieler. Nach der Nationalhymne steht es 1:0 für Brasilien. Dann aber beginnt das eigentliche Spiel, das zunächst einem respektvollen Abtasten gleicht. Dem Gastgeber ist anzumerken: Der Druck, der auf ihm lastet, ist unheimlich groß. Schon nach gut zehn Minuten ist der Bann aus deutscher Sicht getroffen. Ecke, Müller, Tor, so einfach und doch so schmerzhaft für die Seleção. Sie stemmen sich gegen den Rückstand, müssen nach 22 Minuten aber den nächsten Nackenschlag hinnehmen. Es ist Miroslav Klose, der den Brasilianern gleich doppelt weh tut. Erst trifft er zum 2:0, dann realisiert der auf der Tribüne sitzende Ronaldo: Jetzt ist mein Rekord der meisten WM-Tore endgültig futsch.

Sieben Minuten des Grauens

Es sind 23 Minuten gespielt, der Spielstand zeigt ein 2:0 für Deutschland. Noch wäre nicht alles verloren für Brasilien. Doch das, was nun passiert, wird für alle Zeiten tiefe Narben hinterlassen. Die Südamerikaner brechen vollkommen auseinander. Und Deutschland? Nun, der Mannschaft von Jogi Löw kann man wohl keinen Vorwurf machen, denn sie geht einfach nur ihrem Job nach: 24. Spielminute 3:0, 26. Spielminute 4:0, 29. Spielminute 5:0 Ein Stadion verharrt in Schockstarre und Deutschland weiß: Das ist das WM-Finale. Während auf den Tribünen geweint wird, müssen die beiden Mannschaften dieses kuriose Spiel noch zu Ende spielen. Die DFB-Elf schaltet zwei Gänge zurück und beschränkt sich darauf, in der zweiten Halbzeit "nur" noch die Tore sechs und sieben zu erzielen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte Deutschland auch nach dem Seitenwechsel ernst gemacht. Doch der spätere Weltmeister weiß, was sich gehört. Den Gastgeber böse gedemütigt und sich dennoch in die Herzen der Brasilianer gespielt? So kurios es klingt, der Auftritt, besonders nach dem Abpfiff, als die Gegner getröstet wurden, hat dem brasilianischen Volk sehr imponiert. Die Schmerzen der Niederlage werden für immer bleiben, aber immerhin schlug Deutschland anschließend auch den großen Erzrivalen aus Argentinien. Nicht auszudenken, was mit der brasilianischen Seele passiert wäre, wenn man auch noch dabei hätte zusehen müssen, wie der Feind im eigenen Land Weltmeister wird.

Foto: Laurence Griffiths/Getty Images