Auch wenn der Spielbetrieb derzeit ausgesetzt ist, geht bei Fenerbahçe die Suche nach einem neuen Chef-Trainer weiter. Erfolgreich, gute Arbeit mit jungen Spielern und Süper Lig-Erfahrung – das sind die Anforderungen, die der neue Mann möglichst vereint mitbringen soll. Ein kompliziertes Profil, dass sich aktuell kaum finden lässt.

Eines vorweg: Dass künftig dauerhaft ein großer Name an der Seitenlinie des Ülker Stadyumus steht, ist eher unwahrscheinlich. Nach der Trennung von Ex-Trainer Ersun Yanal kursierten in Kadıköy die Namen eines Slaven Bilic, Jorge Jesus, Mirea Lucescu; auch die Ex-Bundesliga-Trainer Nico Kovac und Roger Schmidt wurden kurzzeitig gehandelt. Doch für derartige Kaliber fehlen Fenerbahçe einerseits die finanziellen Mittel, anderseits die sportliche Attraktivität und Perspektive. Nicht einmal mit Yalçın Koşukavak von Zweitligist Altay konnte eine sofortige Einigung erzielt werden. Dieser bleibt lieber bis zum Saisonende beim unterklassigen Provinzklub, als sich nun einem möglich neuen Chaos-Kapitel bei den "Kanarienvögeln" zu widmen – ein Armutszeugnis für die Gelb-Marineblauen!

Wer kommt nun für den Trainerposten in Frage? 

Geht man rein nach den Erfahrungswerten in der Süper Lig, ist Alanya-Coach Erol Bulut die favorisierte Wahl. Der 45-Jährige war drei Jahre lang Assistenz-Trainer von Abdullah Avcı bei Başakşehir und begeistert in diesem Jahr mit Alanya in der Liga. Allerdings setzt Bulut fast ausnahmslos auf gestandene Spieler und gilt nicht als Förderer von jungen Talenten. Diese Eigenschaft trifft eher auf Hüseyin Eroğlu von Altınordu zu. Der 47-Jährige arbeitet beim Klub aus Izmir mit einer zum Teil blutjungen Truppe und schaffte damit den Aufstieg in die Zweite Liga. Allerdings verfügt Eroğlu über keinerlei Erfahrungen bei Spitzenmannschaften. Fenerbahçe wäre demzufolge eine echte Bewährungsprobe. Der dritte Kandidat ist Tayfun Korkut. Von 1995 bis 2000 spielte Korkut für Fenerbahçe, später folgten noch kurze Intermezzos bei Beşiktaş und Gençlerbirliği. Zwar kommt der 45-jährige Schwabe aus der deutschen Trainer-Schule, doch die türkische Liga ist ihm dennoch bestens vertraut. Seinen Status als wandelnden Misserfolg mit Stationen unter anderem in Stuttgart und Hannover schrecken aber von einer Verpflichtung ab.