Was hatte man sich auf den Brasilianer Philippe Coutinho gefreut, als im August klar wurde: Die Bayern leihen sich den Edeltechniker für ein Jahr aus und haben anschließend eine Kaufoption. Doch mittlerweile kristallisiert sich mehr und mehr heraus: Im Sommer wird die Zusammenarbeit wohl beendet werden. Der 27-Jährige scheint sich in München nicht zurechtzufinden – und hat dabei einen prominenten Vorgänger. Ein Kommentar von LIGABlatt-Redakteurin Isabella Lößl.

Es war der 16. August 2019, also man enttäuscht Gesichter in der Allianz Arena sah. Zum Auftakt in die neue Saison hatten die Bayern nur 2:2 gegen Hertha BSC Berlin gespielt. Über die Punkteteilung freute sich natürlich niemand, und doch sollte die Laune im Laufe des Abends noch besser werden. Sportdirektor Hasan Salihamidžić gab nach der Partie bekannt: Philippe Coutinho kommt vom FC Barcelona! Nach einjähriger Leihe haben die Bayern die Möglichkeit, den Brasilianer für 120 Millionen Euro fest zu verpflichten. Eine Rekordsumme für die Bundesliga, doch alle dachten: So viel ist der 27-Jährige allemal wert. Die gesamte Liga freute sich darauf, den Supertechniker bald spielen zu sehen. Zunächst sah alles gut aus. Er wurde vorsichtig aufgebaut und seine Einsatzzeiten immer mehr gesteigert. Dann kam die Krise der Münchner, und mit ihm auch die des Philippe Coutinho. Nach dem Trainerwechsel zeigte er lediglich ein Spiel, in dem jeder seine Klasse erkennen konnte. Beim 6:1 gegen Bremen kurz vor Weihnachten erzielte er einen Dreierpack und begeisterte mit seinen Tricks. Anschließend ging es jedoch wieder steil bergab. Das negative Highlight fand vor einigen Tagen im DFB-Pokal gegen Hoffenheim statt. Coutinho durfte wieder einmal von Beginn an ran und wusste: Ich muss liefern. Geliefert hat er jedoch ausschließlich Fehlpässe, verlorene Zweikämpfe und eine schwache Körpersprache.

Coutinho macht’s James nach

Alle wissen: Coutinho ist ein sensibler Spieler. Er braucht Vertrauen und Harmonie um ihn herum, ansonsten platzt der Knoten nicht. Doch genau hier liegt das Problem: Soll Hansi Flick ihn aufstellen, obwohl andere Spieler wesentlich mehr überzeugen? Kein Akteur hätte – und das zurecht – Verständnis für einen Platz auf der Ersatzbank. Coutinho hat eigentlich nur eine Möglichkeit: Er muss sich das Vertrauen erarbeiten. Im Training und nach Einwechslungen ist er in der Bringschuld und muss Flick zeigen: Du hast gar keine andere Wahl, ich bin so überzeugend, dass du mich aufstellen musst. Das aber scheint der Brasilianer nicht zu schaffen. Er schleicht über den Platz und zeigt überhaupt keinen Elan, sich präsentieren zu wollen. Flick kann nicht anders, als ihn auf die Bank zu setzen. Eine Situation, die die Bayernfans kennen. Vor einigen Monaten war es James Rodríguez, ein ohne Frage begnadeter Fußballer. Aber klappten wollte es trotzdem nicht, denn wie jetzt Coutinho zeigte der Kolumbianer nicht den Biss, unbedingt spielen zu wollen. Noch stehen wichtige Spiele in der Saison an. Aber ob Coutinho sich noch freispielen und so überzeugen kann, dass die Bayern 120 Millionen Euro für ihn auf den Tisch legen? Das darf mehr als nur bezweifelt werden. Es greift wieder einmal die altbekannte Fußballer-Weisheit: "Wichtig ist auf dem Platz“. Und klappt’s hier nicht, können Talent und Name noch so groß sein.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

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