Nach der Meisterschaft ist vor der Meisterschaft, so handhaben die Bayern das seit Jahren. Nach dem Gewinn des Doubles wollte man auch 2019/20 wieder angreifen und diesmal auch international für Furore sorgen. Aber wie das so ist im Fußball, manchmal kommt alles anders, als es geplant war… Ein Kommentar von LIGABatt-Redakteurin Isabella Lößl.

Verpflichtung von Philippe Coutinho

Haben wollten die Münchner Leroy Sané, und zwar unbedingt. Beinahe hätte der Transfer auch geklappt, doch dann verletzte sich Sané schwer am Kreuzband. Die Bayern zauberten schließlich Philippe Coutinho aus dem Hut. Der Brasilianer wurde für ein Jahr vom FC Barcelona ausgeliehen und sollte die Bundesliga mit seiner technischen Raffinesse verzücken. So wirklich geglückt ist ihm das noch nicht. Am Ende der Saison müssen die Bayern entscheiden: Ist er uns wirklich 120 Millionen Euro Ablöse wert?

Die Sternstunde in Tottenham

Es war der 1. Oktober 2019, als die Bayern vor dem schwierigsten Gruppenspiel der Champions League standen: Es ging zum Vorjahresfinalisten, zu den Tottenham Hotspurs. Man lag mit 0:1 zurück, als plötzlich ein Ruck durch die Mannschaft ging. Wenig später stand es SIEBEN zu zwei. Ganz Europa staunte ob dieses glanzvollen Auftritts der Bayern. Besonders im Fokus: Serge Gnabry, der gleich vier Tore erzielte. Mit diesem Abend spielten sich die Münchner in die europäischen Geschichtsbücher.

Der Kreuzbandriss von Niklas Süle

Bayerns Fels in der Brandung heißt seit mehr als einem Jahr Niklas Süle. Als Fehleinkauf verspottet, ist Süle zu einem der besten Innenverteidiger der Welt aufgestiegen. In München verdrängte er die Weltmeister Mats Hummels und Jérome Boateng und ist der Chef der Defensive. Im Oktober gegen den FC Augsburg dann der Schock: Süle riss sich das Kreuzband und auch der Meniskus wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Saison ist gelaufen, und es könnte gar noch schlimmer kommen: Die EM 2020 ist derzeit in weiter Ferne. Süle fehlt den Bayern an allen Ecken und Enden.

Das 1:5 in Frankfurt und das Aus von Kovač

So gut die Saison begonnen hatte, umso mehr kriselte es in den Herbstmonaten. Im November war die Krise so weit fortgeschritten, dass die Reißleine gezogen wurde. Es setzte ein 1:5 bei der Frankfurter Eintracht. Einen Tag später musste Niko Kovač gehen. Von Beginn an war er mit enormem Druck konfrontiert gewesen und konnte sich nie davon befreien. Die Fans standen zum Großteil hinter ihm. Uli Hoeneß bestätigte nach der Trennung: Ein Teil der Mannschaft wollte die Zusammenarbeit nicht weiter fortsetzen. Für die Spieler nicht gerade ein gutes Zeugnis.

Die Wiedergeburt unter Flick

Kaum war Kovač Geschichte, war das schöne Spiel wieder zurück. Nur wenige Tage nach dem 1:5 in Frankfurt demütigten die Bayern den BVB und gewannen mit 4:0. Ein 4:0, das gut und gerne auch ein 10:0 hätte werden können. Auf einmal hatten die Spieler wieder Lust am Fußball und kämpften um jeden Ball. Den Vorwurf, man hätte zuvor gegen den Trainer gespielt, konnte man nicht abwehren. Die Belohnung für Flick: Er darf bis mindestens Saisonende Trainer bleiben.

Joker Joshua Zirkzee

Einen ganz besonderen Moment für die Bayernfans gab es in den letzten Tagen des Jahres 2019, und das gleich doppelt. In den letzten zwei Spielen der Hinrunde gelang dem jungen Joshua Zirkzee ein Kunststück. Noch nie in der Bundesliga auf dem Feld gestanden, kam er, sah er, siegte er. Gegen Freiburg und Wolfsburg traf er in den letzten Spielminuten unmittelbar nach seiner Einwechslung. Besonders gegen Wolfsburg in der heimischen Allianz Arena verwandelte er das Stadion in ein Tollhaus, als er vor 75.000 sein entscheidendes Tor aus Freiburg wiederholte. An diesem Jungen werden die Bayern noch viel Freude haben!

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images