Nach einem völlig verkorksten Saisonstart in Süper Lig und Europa League kommt Beşiktaş langsam aber sicher wieder in die Spur. Die Zeichen stehen günstig für die „Adler“.

Null Punkte nach vier Spielen in Europa, ein äußerst schwacher Start in die neue Saison der heimischen Liga und dazu Torflaute vorne und Tag der offenen Tür hinten: es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis das Experiment Abdullah Avcı für gescheitert erklärt werden würde. Nun, nur kurze Zeit später, sitzt der Trainer fester im Sattel als je zuvor. Die Europa League ist zwar schon jetzt verloren und wird in jedem Fall eine peinliche Episode bleiben, aber wenn dafür im Ligabetrieb die aktuelle Form bestätigt werden kann, dürfte das den leidgeprüften Fans herzlich egal sein. Beşiktaş ist plötzlich das Team der Stunde und hat seit der deftigen Niederlage in Trabzon national kein Spiel mehr verloren. Vier Siege und ein Unentschieden ließen die Schwarze-Weißen auf Platz 8 klettern. Auch dieser ist noch nicht standesgemäß, aber da mit Konyaspor, Kayserispor und Kasımpaşa nun drei Teams warten, die tabellarisch hinter den „Adlern“ stehen und der darauf folgende Gegner Yeni Malatyaspor ebenfalls sportlich schwächer einzuschätzen ist, könnte die Ausgangssituation beim Derby gegen Fenerbahçe am 22.12. bereits eine deutlich rosigere sein.

Der Wind hat sich gedreht

Das Momentum ist nämlich klar auf Seiten des 15-fachen Meisters. Während sich Beşiktaş gerade zu Beginn der Saison mit großen Verletzungssorgen plagte, steht nun mit Ausnahme des langzeitverletzten Dorukhan Toköz die gesamte Kapelle zur Verfügung. Und die Stimmung ist gut. Neuzugänge wie Georges-Kévin N’Koudou oder Abdoulay Diaby zeigten zuletzt klar aufsteigende Form und brennen nun darauf zu beweisen, dass sie echte Verstärkungen sind. Kapitän Burak Yılmaz kommt beflügelt von der erfolgreichen EM-Qualifikation zurück nach Istanbul, während Routinier Gökhan Gönül sich zusammen mit Mitspielern und Verein lustig macht über Berichte, er wolle den Verein verlassen oder gar seine Karriere beenden. Gleichzeitig ist das Verletzungspech in der Stadt geblieben, sucht nun aber im großen Stil den Erzfeind Galatasaray und im Kleineren auch das nicht minder verhasste Fenerbahçe heim. Abdullah Avcı wird alles dafür tun, die aktuelle Lage zu nutzen. Die volle Konzentration gilt nun der Süper Lig und vielleicht gelingt es den Adlern tatsächlich, die katastrophalen Saisonstart vergessen zu machen.

Foto: Miguel Riopa/Getty Images