Wochenlanges Rätselraten um Leroy Sané enden in einem Verletzungs-Drama. Die nicht mehr enden wollende Frage "Kommt er oder kommt er nicht?" wird nun zu "Kommt er als Langzeitverletzter oder gar nicht?" Zwei Vereine, ein Spieler, ein angerissenes Kreuzband. Und die Frage: Was nun? Und was kostet dieses "was nun?" Ein Kommentar von LIGABlatt-Redakteurin Isabella Lößl

Er sollte DER Königstransfer des FC Bayern werden. Sollte dabei helfen, die Ära Arjen Robben und Franck Ribéry in sportlicher Hinsicht so schnell wie möglich vergessen zu machen. Von ihm versprach man sich eine Favoritenstellung in der Königsklasse 2019/20. Leroy Sané sollte der Münchner Heilsbringer sein. Zahlreiche andere Namen großartiger Kicker waren im Gespräch, doch nur bei Sané sagten die Münchner öffentlich: "Ja, den wollen wir." Sie wollten ihn sogar so sehr, dass sich Manchester City gar über das offensiv geäußerte Interesse des FCB beklagte. In den vergangenen Wochen hörte man Tag täglich eine vermeintlich neue Wasserstandsmeldung. Während es an einem Montag hieß, Sané hätten den Bayern abgesagt, berichtete man am darauffolgenden Dienstag, er hätte seiner Familie bereits mitgeteilt, dass er wieder zurück in die Bundesliga gehen würde. Auch die Ablöse wurde heiß diskutiert. Zwischen 90 und 180 Millionen Euro, Experten waren sich nicht einig darüber, welchen Preis der englische Meister wohl aufrufen würde. In den vergangenen beiden Wochen verdichteten sich dann die Indizien, dass Sané tatsächlich zum FC Bayern kommen wollte. Auch Pep Guardiola reagierte immer dünnhäutiger auf die Frage, was mit seinem Stürmer passieren würde. Am vergangenen Wochenende dann munkelte man, die Entscheidung werde Mitte der kommenden Woche bekanntgegeben. Alles deutete auf einen Wechsel hin, als Manchester City im englischen Supercup gegen den FC Liverpool antreten musste.

Wieso musste Sané gegen Liverpool spielen?

Üblicherweise, so handhaben es fast alle Klubs, lässt man Spieler, die kurz vor einem Transfer stehen, sicherheitshalber auf der Bank. Zu riskant ist die Gefahr einer schweren Verletzung, die den anstehenden Wechsel gefährden könnte. Pep Guardiola jedoch tat dies nicht. Obwohl die Partie nicht den größten sportlichen Stellenwert hatte, beorderte er Sané in die Startelf. Der 23-Jährige wirkte keine Viertelstunde mit, da verdrehte er sich das rechte Knie. Man vermutete sofort das Schlimmste, auch, wenn Guardiola versuchte, die Ruhe zu bewahren. Es sähe nicht so schlimm aus, so der Coach. Ganze VIER Tage lang musste man auf eine Diagnose warten. Freie Flüssigkeit in Sanés Knie verhinderte ein früheres Ergebnis: Kreuzband-Anriss. OP. Mehrere Monate Pause. Am Tegernsee, wo die Bayern gerade ihr letztes Trainingslager absolvieren, dürfte so manchem der Schreck in die Glieder gefahren sein. Sané war der Spieler, den man unbedingt wollte. Will man ihn noch immer? Die genaue Ausfalldauer von Sané ist nicht bekannt, es ist allerdings mit mindestens drei Monaten zu rechnen. Hilft den Münchnern ein Angreifer, der erst in der Weihnachtszeit wieder voll einsatzfähig ist? Und wollen sie für einen schwer verletzten Spieler derart tief in die Tasche greifen? Falls der deutsche Rekordmeister noch immer einen Transfer des Nationalspielers realisieren möchte, dann sicherlich unter anderen finanziellen Voraussetzungen. 150 Millionen Euro werden die Bayern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf den Tisch legen. Weder die Münchner noch Sané selbst haben sich bislang zur Schockdiagnose geäußert. Es scheint, als sei das Transfer-Drama um den 23-Jährigen noch längst nicht überstanden…

Foto: Laurence Griffiths/Getty Images