Am 11. August werden im vergleichsweise beschaulichen Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin die Sektkorken knallen, wenn das ortsansässige Team der Green Bay Packers seinen 100. Geburtstag feiert. Zuletzt gab es für eines der erfolgreichsten Franchises der NFL-Geschichte allerdings wenig Grund zum Jubeln: Gleich zweimal in Serie verpassten Aaron Rodgers und Co. die Post-Season. Wird diesmal alles anders?

Von LIGABlatt-Redakteur Niklas Saess

Die Frage steht und fällt natürlich mit der Performance von Rodgers selbst. Kann der inzwischen 35-Jährige, nach dem Quarterback-Rating beste Spielgestalter aller Zeiten, seine "Cheeseheads" in der kommenden Season in die Playoffs führen? Seit seinem endgültigen Durchbruch 2009 schaffte Rodgers dies glatte achtmal in Serie – bis zur aktuellen Durststrecke.

Aus dem Schatten Favres heraus

Dass Rodgers die Qualität dazu besitzt, zeigen schon die simpelsten aller Bilanzen. Mit einem Touchdown-Interception-Verhältnis von 4,225:1 führt er diese Statistik an, ebenso sind seine 402 Pässe am Stück ohne Interception unübertroffen. Dass die Packers unter seiner Regie nur einmal in den Super Bowl kamen, lag nicht an A-Rod, sondern vielmehr und oftmals an der Defense seines Teams.

Rodgers wurde von den Packers 2005 an Position 24 der ersten Runde gedraftet. Zunächst agierte er noch im Schatten des großen Brett Favre als Backup, ehe er 2008 übernahm und die Packers zwei Jahre später mit einem 31:25-Sieg über die Pittsburgh Steelers zum Sieg im Super Bowl XLV führte. Es sollte die bis dato letzte Finalteilnahme der Packers bleiben.

Im Spiel ein "ernster Typ"

Über den Privatmann Aaron Rodgers ist wenig bekannt. Leiert ist er mit der ehemaligen IndyCar-Pilotin Danica Patrick, Kinder hat das Paar noch keine. Ansonsten? "Er ist ein wirklich normaler Typ, mit einem Sinn für Humor. Wenn wir gewinnen, macht er auch mal Witze, aber die meiste Zeit ist er im Spiel sehr ernst", erklärte unlängst der Deutsch-Amerikaner Equanimeous St. Brown, Wide Receiver der Packers, gegenüber "Spox".

Rodgers hält sich bedeckt. Es scheint, als lebe er für den Sport. Und ihm steht eine Saison mit durchaus neuen Herausforderungen bevor. Unter dem neuen Headcoach der Packers, Matt LaFleur, wird A-Rod weit weniger Freiheiten genießen, als zuletzt. LaFleur gibt in der Regel pro Spielzug zwei mögliche Play-Calls mit auf den Weg, zwischen denen der Quarterback an der Line of Scrimmage abhängig von der Defense entscheiden kann. Zwei Möglichkeiten – nicht mehr.

LaFleur und Rodgers – passt das?

Rodgers hatte bislang alle Freiheiten, auch fernab der jeweiligen Play-Calls Entscheidungen zu treffen. Dies sieht das LaFleur-System nicht vor. Ein Problem? "Ich denke nicht, dass jemand will, dass ich elf Jahre Erfahrung im Lesen von Defenses abschalte", erklärte Rodgers gegenüber "nfl.com" – und auch LaFleur ist sich des notwendigen Spagates bewusst: "Wir reden von Aaron Rodgers. Er hatte bisher sehr viele Freiheiten in dieser Hinsicht – und das zurecht."

Es läuft also auf einen Kompromiss hinaus, der Rodgers zumindest zeitweise Entscheidungen autark treffend lässt. Vielleicht die richtige Kombination, um am Ende des Tages wieder erfolgreich zu sein – und endlich wieder in die Playoffs einzuziehen. Zum Jubiläum wünscht man sich rund um Lambeau Field wieder Post-Season-Football. Und Aaron Rodgers könnte seinen Legendenstatus weiter zementieren, fernab aller statistischen Bestwerte.